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Meinung

Advocatus Diaboli

Warum Österreich gute Chancen hat, Platooning noch in diesem Jahrhundert zu erleben.

Platooning Meinung

Katholische Heiligsprechungen sind unbestritten ein Special-Interest-Programm. In das archaische Procedere hat die Kirche allerdings einen psychologisch wie prozessual sehr interessanten Faktor eingebaut: den Advocatus Diaboli. Der vertritt ja keineswegs den Teufel. Im direkten Auftrag des Papstes übernimmt er die Rolle, alle Argumente zu sammeln, die dagegensprechen, jemanden in Richtung seligmachender Gottesschau zu schicken (was bekanntlich nicht immer ausgereicht hat, um gravierende Fehlentscheidungen zu vermeiden).

Im Rahmen des Logistiktages in Linz konnte man zum Thema Platooning Erik Wirsing hören, den Innovations-Chef von DB Schenker. Der wollte die faszinierende Technologie zwar nicht gerade heiligsprechen, trat aber mit derartiger rhetorischer, inhaltlicher und emotionaler Wucht auf, dass es schwierig war, nicht umgehend in Begeisterung für das Platooning zu verfallen. Dass Erik Wirsing dabei einige Hindernisse, die speziell in Österreich im Platooning-Weg liegen, argumentativ übersprungen hat, macht nichts: Es gab ja einen Advocatus Diaboli.

Dieter Hintenaus, Technik-Koordinator der Asfinag, zählte detailliert die Punkte auf, die es dem Platooning in Österreich schwer machen könnten. Die geringen Abstände zwischen Autobahnauf- und Abfahrten etwa, die vielen Tunnel und Brücken und deren bauliche Beschaffenheit, die Section Control und so weiter. Das Bemerkenswerte dabei: Der Vertreter der Asfinag ließ keinen Zweifel daran aufkommen, wie cool er grundsätzlich die Idee findet, Lkw elektronisch zu koppeln.

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Das haben wir schon anders erlebt. Bei der unseligen Nicht-Diskussion über die Gigaliner zum Beispiel. Ein Thema, das auf politischen Druck hin ganz einfach zum Nicht-Thema erklärt wurde. Und zwar so nachhaltig, dass sogar Schwergewichte wie Wolfram Senger-Weiss entnervt das Diskussions-Handtuch warfen.

Ob die Verantwortlichen der Asfinag ihre Rolle damals lustig fanden, weiß ich nicht. Dass die Asfinag heute assoziierter Partner im DigiTrans-Projekt ist – bei dem es auch um Platooning geht –, deutet aber darauf hin, dass ihre Rolle in dieser Diskussion eine komplett andere sein wird.