Flurförderzeuge

Bosch präsentiert Assistenzsystem für Gabelstapler

Ein neu entwickeltes Kollisionswarnsystem soll zu einer Reduktion der Unfälle in Lagerhallen führen. Der Hersteller verbaut hierzu ein System von Kameras, das Arbeitsunfälle reduzieren sollen.

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Aus den großen Lager- und Produktionshallen sind Gabelstapler nicht mehr wegzudenken. Auf engstem Raum sorgen sie für effizienten Warentransport und sortieren und stapeln Paletten. Der Einsatz dieser schweren Fahrzeuge hat aber auch eine Schattenseite: Das Risiko für Lenker und Lenkerinnen eines solchen Gefährtes sich ernsthaft zu verletzen ist nicht zu unterschätzen.

Jährlich mehr als 12.000 Stapler-Unfälle

Laut Informationen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wurden allein im Jahr 2018 mehr als 12.500 Unfälle mit Personenschaden gemeldet, an denen Gabelstapler beteiligt waren. Bei einem Drittel der Staplerunfälle ist der Verletzte selbst gefahren, in 42 Prozent der Fälle wurde das Unfallopfer von einem Stapler angefahren, eingequetscht oder überfahren.

Bosch versucht dieser Statistik nun entgegenzuwirken: „Mit unserem innovativen Kollisionswarnsystem bieten wir nun einen entscheidenden Hebel, die Sicherheit beim Betrieb von Gabelstaplern zu erhöhen und die Arbeitsunfälle in diesem Bereich zu senken“, sagt Andrew Allen, verantwortlich für den Bereich Commercial Vehicle und Off-Road bei Bosch.

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360 Grad-Rundumsicht

Das Kollisionswarnungssystem besteht aus vier Nahbereichskameras und einem Steuergerät, welches eine Rundumsicht des Fahrzeugumfeldes ermöglicht und dieses dem Fahrer auf einem Monitor anzeigt. Eine weitere Neuerung ist eine Funktionserweiterung, die den Staplerfahrer davor warnt, wenn sich stehende oder bewegte Objekte im näheren Umfeld des Fahrzeugs befinden. Der Warnhinweis kann dabei beispielsweise durch eine deutlich sichtbare Farbmarkierung im Monitor erfolgen.

Im Unterschied zu Parkassistenten, wie sie bei vielen PKWs zum Einsatz kommen, müssen Kollisionswarnsysteme im Bereich von Flurförderzeugen dauerhaft aktiv sein und im Bereich von 360 Grad auf Hindernisse reagieren. Akustische Signale, wie sie beim Einparken mit dem privaten PKW eingesetzt werden, sind für Staplerfahrer ungeeignet, da diese Geräusche die konstant ertönen bereits nach kurzer Zeit ausblenden würden.

Nur die relevanten Gefahren werden angezeigt

Um ein effizientes Kollisionswarnsystem zu entwickeln, hat die Firma Bosch unter anderem Gespräche mit mit der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) geführt. Gemeinsam konnte man insgesamt drei unterschiedliche besonders gefährliche Szenarien identifizieren und das Sicherheitssystem nach diesen ausrichten. Einerseits ist das das Anfahren beziehungsweise Fahren in Gängen und auf Wegen, andererseits das Überqueren von Kreuzungen im Lagerbereich und zudem das Rangieren bei Lagervorgängen. „Das Ziel der Entwicklung muss dabei immer sein, dass der Fahrer nur relevante Warnungen erhält, die ihn nicht ablenken oder irritieren,“ erklärt Andrew Allen.

Bei Gangfahrten wird der Staplerfahrer vor knienden, stehenden oder sich in Bewegung befindlichen Personen gewarnt. Auch Hindernisse, die plötzlich seitlich an den Fahrer herantreten erzeugen eine Warnung. Der Bediener des Staplers soll sich so besser auf den Auslagervorgang fokussieren können. Neben der verbesserten Kollisionswarnung umfasst das neue System alle Features, die schon bei der ersten Generation der Sicherheitssysteme von Bosch verfügbar waren, wie etwa ein detailliertes 3D-Modell des Gabelstapler-Cockpits. Über dieses lässt sich auch die Fahrspur als Manövrier- und Positionierungshilfe auf dem Displaybild anzeigen.

Die endgültige Markteinführung plant Bosch für das Jahr 2021.

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