Innovation

Der E-Reader am Lkw-Heck

Ein Mannheimer Start-up interpretiert mit einer einzigartigen Idee das Werbegesetz auf deutschen Autobahnen neu. Und setzt dabei auf Echtzeit-Anpassung und schnelle Änderungen. Bis der Auffahrunfall kommt.

Von
Start-ups Roadads

Als erstes Unternehmen weltweit würden sie digitale Fahrzeugwerbung in Echtzeit anbieten. Das behauptet zumindest das Mannheimer Start-up Roadads von sich – und Nichteingeweihte müssen wahrscheinlich kurz einmal nachdenken, was damit eigentlich genau gemeint sein könnte.

Ist im Endeffekt aber ganz leicht erklärt. Roadads schaltet digitale Anzeigen auf an Lkw angebrachten E-Reader-Bildschirmen. Wozu auf Bildschirmen, was ist der Unterschied zu den guten alten Planen, auf denen schon seit Jahrzehnten Werbung gemacht werden kann? Der Unterschied ist das entscheidende an dieser Idee: Die Werbung ändert sich alle 30 Sekunden. Das bedeutet eine entscheidende Änderung der Wirkung auf das Publikum und damit für die werbendenden Unternehmen.

Werbung statt Kindle

Die Bildschirme sind nämlich ständig mit dem Server verbunden, wodurch die werbungsschaltenden Kunden aktiv einsehen und entscheiden können, wo und zu welchem Zeitpunkt ihre Werbung für 30 Sekunden den Screen dominieren – und hoffentlich keinen Auffahrunfall auslösen – soll. Ort und Zeit sind bei solchen Echtzeit-Möglichkeiten natürlich lange nicht die einzigen Parameter, die auf solche Entscheidungen einen Einfluss haben können. Kunden können so je nach Wetter oder auch nach Verkehrslage beschließen, jetzt zu werben oder eben nicht. Laufende Kampagnen sollen auch sofort änderbar sein. Vielleicht findet es der Pkw-Fahrer gleich hinter dem Lkw ja amüsant, von der Werbetafel gefragt zu werden: Na? Geht dir der Stau auf die Nerven?“ Vielleicht auch nicht.

White Paper zum Thema

https://youtu.be/TEVp54TfT_U

Interpretationssache

Fakt ist, dass in die auf deutschen Autobahnen einzig zugelassene Werbeform – die Fahrzeugwerbung – einmal etwas Bewegung hineinkommen musste. Dass diese Bewegung wohl digital würde, stand zu vermuten. Es gibt allerdings einen guten Grund, warum bislang keine anderen Formen der Werbung auf Autobahnen erlaubt waren – die Fahrer sollen nicht zu viel abgelenkt werden. Dass das Gesetz noch nicht an digitale Möglichkeiten angepasst ist, ist der Schnelllebigkeit moderner Zeiten geschuldet, aber nicht unveränderbar. Was also, würden die alle halben Minuten und sogar zwischendurch ändernden Werbungen am Lkw-Heck zu Ablenkungsunfällen führen und ein Zusammenhang hergestellt? Dann würde das Gesetz womöglich angepasst – auch in Echtzeit.

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