Gastkommentar

Digitalisierung der Frischwarenlogistik im Seehafen

Der Umschlag frischer Lebensmittel muss schnell gehen. Seine Schnelligkeit in einem Seehafen hängt vor allem von der Effizienz logistischer Abläufe ab. Diese steigt mit der Verfügbarkeit von Informationen und dem flexiblen Weitertransport der Waren ins Hinterland. Von Danny Levenswaard, Manager Breakbulk des Port of Rotterdam.

Transportlogistik Port of Rotterdam Lebensmittellogistik Danny Levenswaard

Direkte Anbindung an das Hinterland: Rotterdam Coolport.

Lebensmittel-Importeure möchten ihre Waren schnellstmöglich geliefert bekommen und setzen die Disposition daher unter wachsenden Druck. Zugleich nimmt der Umfang des Warenverkehrs weiter zu. Neue Gesetze und Regelungen sorgen außerdem kontinuierlich für neue Aufgaben.

Absehbar steht etwa in den Nordwesthäfen durch den Brexit die Wiedereinführung von zeitaufwändigen Ein- und Ausfuhrformalitäten auf der Agenda. Der Import und Export wird noch komplexer werden, sobald das Vereinigte Königreich ein Drittstaat und damit Deklarationen sowie zusätzliche Untersuchungen zur Lebensmittelkontrolle notwendig werden. Vor diesem Hintergrund wollen Frischelogistiker im Vorfeld, wo es nur geht, Zeit einsparen: indem sie Ressourcen effektiv planen und Fehler minimieren.

Beschleunigungsfaktor Informationsfluss

Das Verteilen korrekter Informationen in der für den jeweiligen Prozess korrekten Form nahezu in Echtzeit ist für die Lebensmittellogistik in Seehäfen von zentraler Bedeutung. Vor allem dadurch lassen sich die Effektivität und die Qualität der Abläufe verbessern. Digitale Informationsplattformen helfen durch das unmittelbare Teilen der relevanten Daten bei der Planung und der Durchführung von Prozessen.

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Hafenbetriebe als neutrale Anbieter sind aufgrund ihrer marktneutralen Stellung prädestiniert, um die anderen Mitglieder der Supply Chain wie Terminalbetreiber, Reedereien und Verlader an einem digitalen Tisch zusammenzubringen und eine alle Partner einbeziehende Plattform für Informationen bereitzustellen.

Danny, Levenswaard, ist, Manager, Breakbulk, des, Port, of, Rotterdam © Port of Rotterdam

„Durch den effizienten Austausch und schnelleren Umschlag sinken auf dem Hafengelände der Bedarf an Lagerfläche und Energie, weil die Waren nicht länger gelagert und gekühlt werden müssen.“

Danny Levenswaard, Port of Rotterdam

Fehlerhafte oder einfach nicht vorliegende Dokumentationen sind eine ärgerliche, aber bedeutende Hauptursache für Verzögerungen von Umschlagprozessen. Um den absehbaren Mehraufwand an Dokumentationen, Deklarationen und Veterinär-Untersuchungen zu stemmen und die Verweildauer von Lebensmitteln, Containern oder auch Lkw zu minimieren, kommt es aber darauf an, vermeidbare Verzögerungen zu verhindern.

Dazu tragen Informationsplattformen, Dienstleistungswarenplätze sowie Port-Community-Systeme bei. Auf diese können dann Zoll, Lebensmittelkontrolleure, Veterinäre, Verlader, Operatoren und Terminalbetreiber direkt und sicher zugreifen. Die beteiligten Dienstleistungspartner greifen dabei auf die Basisdaten der Verlader zurück, starten Anfragen und erstellen die notwendigen Dokumente. Alle Informationen zu einem Transport liegen dafür gesammelt in einer zentralen, sicheren, mandantenfähigen und redundanten Datenbank.

Auch sämtliche für den Import und Export aus einem Drittland in die EU wichtigen fiskalischen Formalitäten – bis hin zur kommerziellen Freistellung – laufen effizient über eine Informationsplattform und binden dabei die Zollbehörden direkt ein. Fast in Echtzeit aktualisierte Datenbanken senken die Fehlerquote, weil alle Teilnehmer immer auf aktuelle Informationen im richtigen Format zurückgreifen.

Der Beitrag solcher Plattformen zur Effizienz der Abläufe ist sehr hoch: Nach einer Studie von PricewaterhouseCoopers beträgt etwa die Wertschöpfung der von den Häfen Rotterdam und Amsterdam gemeinsam betriebenen Informationsplattform Portbase pro Jahr rund 186 Millionen Euro: 100 Millionen E-Mails weniger werden verfasst, 30 Millionen Telefonate weniger geführt und 30 Millionen Lkw-Kilometer weniger verfahren. Durch den effizienten Austausch und schnelleren Umschlag sinken auf dem Hafengelände der Bedarf an Lagerfläche und Energie, weil die Waren nicht länger gelagert und gekühlt werden müssen.

Geschwindigkeitsfaktor Container-Tracing

Wer frischere Ware schneller auf den Weg zum Endverbraucher bringen will, muss auch wissen, wann die Ware im Terminal ankommt oder abgeholt werden kann: Wenn Ware im Kühlcontainer unnötigerweise zu lange am Terminal verweilt, weil der Logistikdienstleister etwa momentan keinen Lkw zur Abholung eingeplant hat, verzögert sich aber der Weitertransport. Informationen über den aktuellen Standort eines Containers mit Lebensmittel bieten daher die Grundlage für eine entsprechende Planung der Disposition, eine zügige Weiterverarbeitung und den schnellstmöglichen Umschlag. So können die Beteiligten am zutreffendsten die notwendigen Kapazitäten einplanen.

Beim Bereitstellen von Infrastrukturen für den Austausch korrekter Informationen zwischen allen Beteiligten agieren Hafenbetriebe als sichere und marktneutrale Partner – auch im eigenen Interesse an geordneten Abläufen auf ihrem Gelände. Den dafür notwendigen unmittelbaren Nachrichtenfluss ermöglichen Track-and-Trace-Applikationen, die in Echtzeit Verlader und Operatoren mit Informationen über die Container und den Verbleib ihrer Ware versorgen. Je besser die Nachverfolgung der Lieferung, umso effizienter lassen sich Ressourcen steuern.

Der Nutzen einer Kommunikationstechnologie wie der Track-and-Trace-Anwendung Boxinsider des Hafenbetriebs Rotterdam ist auch für einen Verlader enorm. ABC Logistics, ein Anbieter logistischer Dienstleistungen rund um Frischprodukte wie Obst und Gemüse, erhält durch sie eine Gesamtsichtbarkeit der Container einschließlich ETA, ETD, Discharge und Gate-out. Auf der Grundlage dieser Daten plant er dann Termine und Aufgaben für Inspektoren, Prüfer und Kunden ein.

Dabei hält er alle Beteiligten stets auf dem neuesten Stand, so dass sie zum richtigen Zeitpunkt aktiv werden können. Waren werden durch bessere Planung schneller abgefertigt. Auch hier sinken Kühl- und Lagerungskosten sowie die Zeit für die Bearbeitung durch den Zoll. Genau zu wissen, wo sich Ware gerade befindet, ist also ein zentraler Geschwindigkeits-, Qualitäts- und Preisfaktor.

Anbindung des Hinterlands durch Infrastruktur im Hafengelände

Wichtig ist auch der schnelle und flexible Umschlag der Lebensmittel vom Hafen ins Hinterland oder vom Hinterland nach Short Sea oder Over Sea. Dafür haben Partner von Seehäfen zahlreiche Möglichkeiten, die verschiedenen Verbindungen an das Hinterland einzubinden und Warenströme flexibel sowie effizient zwischen Lkw, Eisenbahn oder Binnenschiff zu verlagern.

Eine flexible Infrastruktur auf dem Hafengelände stellt den Verladern entlang der gesamten Supply Chain die Kopplung an die verschiedenen Verkehrsmittel für den Warentransport zur Verfügung. Online-Tools zur intermodalen Planung von Verbindungen ermöglicht es Operatoren, sich die beste Verbindung auszusuchen bzw. bestehende Verkehrswege zu überprüfen.

Auf dem Hafengelände selbst bündelt eine Shuttle-Infrastruktur den internen Transport zwischen den einzelnen Abfertigungs- oder Servicestandorten. Binnenschifffahrt und Zug sparen durch derart zusammengefasste Warentransporte Zeit. Güterwaggons ermöglichen zudem auch eine Beschleunigung der Zollformalitäten, wenn Züge beim Durchfahren von Scan-Toren durchleuchtet werden, ohne dass Container geöffnet werden müssen.

Wenn Informationssysteme auf dem Hafengelände Lkw durch elektronische Karten gezielt zu den Terminals im Hafen lotsen, sinkt ebenfalls die Verweildauer der Ware im Hafen. Multimodale Angebote auf dem Hafengelände verkürzen die Entfernung von Container-Terminals zu den einzelnen Standorten für die Lagerung und Verarbeitung auf dem Hafengelände. In Rotterdam ist ein großer Standort für Frischelogistik wie etwa Coolport für die Binnenschifffahrt und Short Sea – etwa nach Skandinavien – per Schiff, Lkws und Bahn direkt an das Hinterland angebunden.

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