Schifftransport

Geht eine der größten europäischen Containerschiff-Werften unter?

Eine kroatische Großreederei ist in schweres Fahrwasser geraten: Streiks und Gerüchte über eine nahe Pleite könnten massive Auswirkungen auf den Cargo-Schiffsverkehr haben. Vielleicht muss gar die EU einspringen.

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Wenn 4.500 Beschäftigte streiken, kann das viele Gründe haben. Wenn sie allerdings wegen ausgebliebener Lohnzahlungen streiken, dann blickt der Markt schon mit Recht etwas unsicher auf das betroffene Unternehmen.

So geht es derzeit der Uljanik-Gruppe, dem größten Schiffsbauunternehmen Kroatiens. In den beiden Werften in Pula und Rijeka steht daher derzeit die Arbeit. Dem Unternehmen soll es schon seit Jahren finanziell schlecht gehen, aber Streiks nähren natürlich die Konkurs-Gerüchte wie nichts anderes. Laut Medienberichten fehlt nicht nur das Geld für die Löhne, sondern auch für Materialbeschaffungen – und das, während viele Aufträge noch nicht abgeschlossen sind.

Würde die Gruppe – 2013 übernahm die Werft in Pula ein konkurrierendes Unternehmen in  Rijeka, – tatsächlich pleite gehen, wären die Folgen wohl verheerend. 10.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, und der europäische Schiffsbau wäre um einen wichtigen Player ärmer.

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Verheerende Folgen

Bei Uljanik – was übrigens vom kroatischen Wort für Olivenöl kommt, als Anspielung auf die frühere Olivenwirtschaft – werden jährlich sechs Schiffe gebaut. Die Produktionsmöglichkeiten in der istrischen Hauptstadt beinhalten auch Passagierschiffe; doch wirklich wichtig ist die 1856 gegründete Reederei für die Entwicklung verschiedenster Transportschiffe, von Tankern für Rohöl und Petrochemie bis zu Transportern für Autos und Container. So läuft seit über zehn Jahren ein Auftrag der italienischen Fährlinie Grimaldi von sieben RoRo-Automobiltransportschiffen – davon sind noch sechs ausstehend.

© Orlovic, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Uljanik#/media/File:Uljanik_ship_launch_(02).JPG

Was kommt mit September?

Vielleicht ist noch nicht alles verloren für die Werften. Die Regierung hat sich mittlerweile eingeschaltet. Da Uljanik ein Privatunternehmen ist – das musste im Zuge des EU-Beitritts vor fünf Jahren geschehen –, darf der Staat zwar keine Beihilfen zahlen; aber schon im Jänner wurde ein 96 Millionen Euro schwerer Kredit zugesichert. Dafür sind Auflagen nötig, darunter ein Restrukturierungsplan, der damals der EU-Kommission vorgelegt wurde. Eine Antwort aus Brüssel wird im September erwartet. Dann wird sich weisen, ob es weitere Stapelläufe geben wird oder die Situation vollends aus dem Ruder läuft.

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