Güterverkehr

Günstiger und grüner: digitale Logistikmarktplätze

Digitale Logistikmarktplätze machen den österreichischen Gütertransport bei Kosten und Emissionen effizienter. Das Einsparungspotenzial kann sich auf bis zu 280 Millionen Euro und 300.000 Tonnen CO2 für Österreich belaufen.

Die österreichische Gütertransportbranche könnte von großen Kosten- und CO2-Einsparungen profitieren.

Onlinebörsen haben den Austausch von Waren und Dienstleistungen revolutioniert. Dank neuer Technologien finden softwarebasierte Marktplätze nun auch zunehmend in Branchen mit komplexer Angebots- und Nachfragedynamik neue Anwendungsmöglichkeiten, wie etwa im Logistik- und Transportwesen. Dadurch werden erhebliche Effizienzverbesserungen möglich, was Kosteneinsparungen von bis zu rund 280 Millionen Euro für die österreichische Gütertransportbranche bedeuten könnte. Gleichzeitig lassen sich durch die Vermeidung von Leerfahrten etwa 300.000 Tonnen CO2 in Österreich reduzieren, wie die aktuelle Studie „Smart logistics will transform trucking through unprecedented efficiency“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, und dem Technologieanbieter Orbit zeigt. 

Aktuell fahren Lkw in der EU rund 20 Prozent der jährlich zurückgelegten Strecke leer. In Österreich sind das 923 Millionen Kilometer. Durch den Zugriff auf Routenplanungs- und Frachtdaten sowie die Verwendung KI-basierter Matching-Modelle könnten digitale Marktplätze optimale Routen identifizieren und die Anzahl der leeren oder halb leeren Fahrten um 10 bis 20 Prozent reduzieren, was für Österreich bis zu rund 185 Millionen Kilometer bedeuten würde.

Tech-Unternehmen drängen in Markt

„Softwarebasierte Logistikmarktplätze bieten die Möglichkeit, den Lkw-Verkehr unternehmens- und branchenübergreifend zu transformieren und stellen den Gütertransport vor einen beispiellosen Wandel. Beispielsweise drängen Tech-Unternehmen in den Markt, die vor allem in der digitalen Auftragsplanung effizienter sind als etablierte Systeme. Auch immer mehr Investoren erkennen die Wachstumschancen: Das Dealsvolumen nimmt seit 2016 kontinuierlich zu und erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 276 Millionen US-Dollar in Europa“, kommentiert Harald Dutzler, Partner und Operations Practice Leader bei Strategy& Europe. 

Der Markt für Gütertransporte ist stark fragmentiert und operiert in weiten Teilen noch immer offline. Insgesamt machen die führenden sechs Logistikanbieter lediglich 7,1 Prozent des europäischen Marktes aus. Zudem liegen etablierte Spediteure beim digitalen Know-how noch nicht auf Augenhöhe mit Tech-Unternehmen. Hinzu kommen niedrige Margen von durchschnittlich 2 Prozent, die es schwierig für einzelne Unternehmen machen, signifikante Investitionen in digitale Projekte zu realisieren.

Strategy&, Österreich, Harald, Dutzler © Strategy& Österreich

Softwarebasierte Logistikmarktplätze bieten die Möglichkeit, den Lkw-Verkehr unternehmens- und branchenübergreifend zu transformieren, meint Harald Dutzler, Partner und Operations Practice Leader bei Strategy& Europe.

Autonome Lkw und neue Service-Konzepte

Langfristig werden nicht nur softwarebasierte Markplätze die Transportbranche umfassend verändern. Als weiterer Effizienztreiber der Zukunft gelten autonome Lkw, die optimal in das entstehende Netzwerk digitaler Logistikmarktplätze integriert werden könnten. Eine Automatisierung würde fahrerbezogene Einschränkungen wie Verfügbarkeit, Qualifikationen, Ruhezeiten oder Krankheiten umgehen, und so den Transport von Waren noch effektiver gestalten. Automobilhersteller arbeiten bereits mit dem Einsatz autonomer Lkw an „Trucking-as-a-Service“-Konzepten und gehen strategische Partnerschaften mit digitalen Spediteuren ein, um so zu äußerst effizienten Anbietern in der Logistikbranche aufzusteigen. 

„Der anhaltende Kostendruck, Emissionsregulierungen und der Übergang zum autonomen Lkw werden auch die Nachfrage nach einer neuen Generation effizienterer Marktplätze vorantreiben. Vor allem mit Blick auf den Nachhaltigkeitsaspekt ist die Logistikbranche gefragt, Partnerschaften einzugehen, um neue Technologien zu entwickeln, das notwendige Know-how aufzubauen und die Digitalisierung damit auch für traditionelle Logistikunternehmen nutzbar zu machen. Doch auch etablierte Spediteure haben vielversprechende Möglichkeiten: Wenn sie eine Strategie verfolgen, die auf ihren vorhandenen Fähigkeiten aufbaut und entscheidende Lücken in ihren technischen Fähigkeiten schließt, können sie der Konkurrenz durch Tech-Unternehmen und Automobilherstellern weiterhin selbstbewusst entgegentreten“, ergänzt Daniel Haag, Director bei Strategy& Deutschland und Co-Autor der Studie.