Schifffahrt

Istanbul-Kanal: Erdogan plant Baubeginn im Sommer

Obwohl Experten vor irreparablen Schäden am Ökosystem warnen, plant der türkische Präsident in wenigen Monaten mit dem Bau der neuen Wasserstraße zu beginnen.

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Mit dem "Kanal Istanbul" soll der Bosporus entlastet werden.

In der Türkei sollen in den kommenden Monaten die Bauarbeiten für die umstrittene neue Wasserstraße durch Istanbul aufgenommen werden. „So Gott will werden wir in den Sommermonaten den Grundstein legen“, so der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Ausschreibung werde „sehr bald“ erfolgen.

Alternative zur Meerenge Bosporus

Erdogan will seit Langem eine alternative Wasserstraße zu der Meerenge Bosporus bauen lassen. Der "Kanal Istanbul" - geplant zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer - gilt als ambitioniertes und umstrittenes Prestigeprojekt des türkischen Präsidenten. An beiden Seiten des Kanals werde ein Stadtgebiet für insgesamt 500.000 Menschen entstehen, sagte Erdogan. Experten warnen vor irreparablen Schäden am Ökosystem um Istanbul und davor, dass Trinkwasserressourcen gefährdet würden. Manche Experten befürchten auch, die Gefahr eines Erdbebens könne durch den Bau in dem ohnehin stark gefährdeten Gebiet weiter erhöht werden.

Erdogan argumentiert, der "Kanal Istanbul" sei unumgänglich, um den Bosporus zu entlasten. Der Schiffsverkehr dort nehme kontinuierlich zu. Nach einer Statistik der Direktion für Küstensicherheit nimmt die Anzahl der Schiffe seit einigen Jahren ab, Größe und Gewicht der Schiffe nehmen insgesamt aber zu. Die umstrittene Wasserstraße soll 45 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle am Grund 275 Meter breit werden und damit länger und schmaler als der Bosporus, der etwa 27 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle 698 Meter breit ist.