Digitalisierung

Logistiker haben Nachholbedarf bei der Cloud-Nutzung

Wie gut wird unternehmensübergreifend in der Transport- und Intralogistik zusammengearbeitet, wie beeinflusst die IT deren Erfolg? Die BVL hat die digitale Perspektive der Branche in einer Studie erfragt.

Eine breit angelegte Studie von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und Arvato wollte mit Blick auf die Herausforderungen bei internationalen und nationalen Lieferketten die IT-basierte unternehmensübergreifende Zusammenarbeit von Logistikern untersuchen. 

Fast 600 Logistiker hätten sich an der Studie beteiligt, so BVL. Wichtigstes Ergebnis: Die Intensität der Zusammenarbeit lässt noch Luft nach oben. Besonders der Handel bewertet die Intensität der Zusammenarbeit tendenziell geringer als die Industrie und Logistikdienstleister. IT und insbesondere Cloud-Technologien werden von den meisten Befragten als ein Schlüsselfaktor identifiziert. Gleichwohl besteht in der Logistik vor allem bei diesem Thema noch Nachholbedarf: Aktuell arbeiten nur rund 50 Prozent der Logistiker in der Cloud. Viele wichtige Systeme und Tools sind noch nicht miteinander vernetzt, hier besteht Optimierungspotential. Immerhin ist die Notwendigkeit den meisten bewusst. Es besteht eine hohe Investitionsbereitschaft in derartige Technologien.

„Besonders überrascht hat mich das Ergebnis, dass rund zehn Prozent der Befragten bisher gar keine IT-Systeme im Einsatz haben bzw. fast 20 Prozent der Befragten kein ERP- oder Warehouse Management System nutzen“, erklärt Bernd Jaschinski-Schürmann. „Dem gegenüber steht, dass die Unternehmen, die bereits stark auf Cloud-Technologien setzen, sich als digitale Vorreiter wahrnehmen und den höchsten Zufriedenheitsgrad in der Zusammenarbeit aufweisen.“

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„Logistik ist unternehmensübergreifendes Teamwork. Nur so kann die Versorgung von Gesellschaft und Wirtschaft erreicht werden. Mit Blick auf die umfassende Vernetzung von IT-Systemen für eine durchgängige, digitale Lieferkette stehen viele Unternehmen noch vor großen Aufgaben“, ergänzt BVL-Geschäftsführer Christian Grotemeier.

Nein zu Datensilos, Ja zu papierlosen Prozessen und KI

Zu ihrer Einschätzung der Zukunft befragt, skizzieren die Befragten ein attraktives Bild von der zukünftigen Logistik. Jeweils eine Mehrheit glaubt, dass es künftig keine Datensilos mehr geben wird und papierlose Prozesse sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Lager deutlich zunehmen werden. Zwei Drittel der Befragten glauben, dass Unternehmen, die ihre Daten teilen, langfristig erfolgreicher sein werden. Nur 21 Prozent gehen dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Speditionen künftig ausschließlich digitale Frachtmarktplätze nutzen werden.

Der Digitalisierung in Deutschland stellen die meisten Befragten ein schlechtes Zeugnis aus. 56 Prozent glauben, dass die Digitalisierung hierzulande schlechter fortgeschritten ist als in anderen Ländern der EU. Interessante Unterschiede zeigen sich hier in den verschiedenen Logistik-Disziplinen: Insgesamt fast 70 Prozent der Befragten sehen die Intralogistik bei der Digitalisierung besser (29 Prozent) oder mindestens gleich gut (40 Prozent) aufgestellt als andere Bereiche der Logistik. Für die Transportlogistik dagegen glauben lediglich zwölf Prozent der Befragten, dass diese besser als die anderen Bereiche dasteht: 47 Prozent sehen sie in einem gleich fortgeschrittenen Status, 34 Prozent in einem schlechteren. Bemerkenswert ist, dass 61 Prozent der Befragten ihr eigenes Unternehmen im Vergleich zur Branche als digital besser oder mindestens auf Augenhöhe sehen, nur 35 Prozent sehen sich hier im Hintertreffen.