Interview

„Man kann von einer Erfolgsstory sprechen“

Die LogServ-Gruppe wächst seit ihrem Bestehen vor 20 Jahren stetig. Die LogServ-Geschäftsführer Markus Schinko und Christian Janecek stehen vor drei großen Herausforderungen.

LogServ-Geschäftsführer Markus Schinko und Christian Janecek

Wie stehen LogServ und CargoServ nach 20-jährigem Bestehen heute da?

Janecek Man kann wirklich von einer Erfolgsstory sprechen. Wir sind 2001 als ausgegliederte Logistik aus der voestalpine gestartet und haben im ersten Geschäftsjahr mit rund 520 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 60 Millionen gemacht. Im letzten Geschäftsjahr – 20 Jahre später – hatten wir einen konsolidierten Umsatz von über 370 Millionen Euro und rund 900 Mitarbeiter. Wir waren und sind aber nicht nur für den weltweit führenden Stahl- und Technologiekonzern voestalpine tätig, sondern wir bieten unsere Dienstleistungen auch am Drittmarkt an. Ungefähr 40 Prozent unseres Umsatzes machen wir heute mit Kunden außerhalb der voestalpine.

Schinko Auch CargoServ konnte über die letzten 20 Jahre sowohl den Umsatz als die Verkehre deutlich steigern. Die Transportkostenthematik ist extrem wichtig, aber man darf nicht vergessen, dass es bei der voestalpine stark um das Thema Versorgungssicherheit und Qualität der Transporte geht - hier konnten wir einen sehr großen Beitrag leisten.

Wie gestaltet sich der Drittmarkt?

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Janecek Unser Leistungsangebot ist sehr breit aufgestellt, wodurch wir unterschiedliche Kundensegmente ansprechen können. Für die Steel Division des voestalpine Konzerns wickeln wir neben der gesamten Fertigwarendistribution auch die werksinternen Transporte am Produktionsstandort Linz ab. Diese Expertise ist auch bei großen Industriekunden sehr gefragt, das sind Wachstumsfelder. Das sind Kunden wie beispielsweise Primetals Technologies oder Voith, wo es um die Begleitung komplexer Großprojekte oder Logistikprozesse geht. Sehr gut etabliert auf dem Markt sind auch unsere spezialisierten Werkstätten im Eisenbahnbereich – da geht es um Lokomotiven, Güterwaggons, Gleis- und Sicherungstechnik. Entstanden sind diese Werkstätten aus ursächlich eigenen Werkstätten für das am Produktionsstandort Linz eingesetzte Equipment. Heute überwiegt hier der Anteil von Kunden außerhalb des voestalpine-Konzerns. In der Bahnwerkstätte machen diese aktuell einen Umsatzanteil von 80 Prozent aus.

Wo liegt der aktuelle strategische Fokus der LogServ-Gruppe?

Janecek Vom Kundenfokus her gibt es zwei Orientierungen. Eine ist die operative und strategische Begleitung des voestalpine-Konzerns in allen Logistikbelangen. Hier liegt der Fokus sehr stark auf Prozess- und Kostenoptimieren. Im Drittgeschäft wollen wir Zusatzbenefits für den Konzern generieren. Das ist der strategische übergeordnete Fokus. Inhaltlich gibt es zwei Themen, die in den letzten zwei Jahren alles überlagern: Dekarbonisierung bzw. Ökologisierung der Transportketten und Digitalisierung bzw. Prozessoptimierung. Diese großen Schwerpunkte werden uns auch die nächsten Jahre begleiten.

Wie weit ist LogServ in Sachen Dekarbonisierung?

Janecek Da glaube ich sind wir in unserem Umfeld in Europa ganz vorn, der Bahnanteil war bei uns immer ein sehr hoher, im Versandbereich über 50 Prozent, beim Rohstoffeingang noch höher. Das versuchen wir weiter auszubauen, zum Teil über Hub-Lösungen. Der LKW als Transportmittel wird aber niemals vollständig ersetzbar sein.

Es ist aber ganz grundsätzlich eine spannende Thematik, dass Kunden bereit sind, für eine C02-reduzierte, „grüne“ Transportkette etwas mehr zu zahlen. Hier bieten wir auch Kompensationsmaßnahmen an.

Welche Konzepte verfolgt CargoServ in Sachen Innovation und Klimawandel?

Schinko Wir waren intensiv in die Entwicklung der von voestalpine und ÖBB Rail Cargo Group gemeinsam getragenen Güterwageninnovation TransANT eingebunden. Mittlerweile gibt es ein Joint Venture zwischen ÖBB und der voestalpine, das kurz davor steht, in die Eigenproduktion zu gehen. Eine Null-Serie des Leichtbaugüterwagens TransANT ist seit 2019 bei unserem Erzverkehr im Einsatz, wo wir jährlich 1,8 Millionen Tonnen heimisches Erz von Eisenerz nach Linz transportieren. Der Zuladungsvorteil aufgrund des geringeren Eigengewichts bewirkt eine Einsparung von jährlich 100 Zügen, um die gleiche Menge zu transportieren.

Ist dieser Zug auch in anderen Bereichen im Einsatz?

Schinko Aktuell fährt er ausschließlich den Erzverkehr, es ist aber geplant, dass wir diesen Güterwagen auch für weitere Rohstoff-Verkehre einsetzen, überall dort, wo der Zuladungsvorteil ein Faktor ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Untergestell des Güterwagens trennbar ist, man kann jeden beliebigen Aufbau draufstellen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die unmittelbare Zukunft?  

Janecek Das erste Thema sind die Arbeitskräfte. Dann natürlich die Digitalisierung und ein drittes Thema, das noch viel mehr an Fahrt aufnehmen wird, ist die CO2-Reduktion bzw. Ökologisierung. Das sind im Wesentlichen die Schwerpunkte, um vorne zu bleiben.

Schinko Ja, der aktuellste Schwerpunkt ist die Personalressource. Wir bekommen nicht ausreichend Mitarbeiter. Das zieht sich mittlerweile durch alle Bereiche, von Hochschulabsolventen über Logistikfachkräfte bis hin zu Hilfskräften. Wir setzen hier einige Aktivitäten, so haben wir gerade erst ein Trainee-Programm für Logistik-Absolventen gestartet, um Nachwuchs-Führungskräfte aufzubauen. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv mit Universitäten und Fachhochschulen mit Logistikfokus zusammen. Beim Bahnpersonal setzen wir sehr stark auf die Ausbildung im eigenen Haus an unserer LogServ Verkehrsakademie.

Janecek Das ist wirklich ein massives Thema. Wir finden beispielsweise für sehr einfache Qualifikationen zum Teil keine Leute. Ein Beispiel sind innerbetriebliche Transporte, da ist die Qualifikationsanforderung Führerschein C, die interne Einschulung erfolgt bei uns im Betrieb. Leider sind heute viele nicht mehr bereit, im Schichtdienst zu arbeiten. Aktuell haben wir 25 offene Stellen in diesem Bereich. Dass Sie im Fachkräftebereich nicht fertige Lokführer oder Verschieber finden, ist klar, da muss man in die Ausbildung gehen. Aber der Arbeitskräftemangel im Blue Collar- Bereich ist eine kontinuierliche Entwicklung über die letzten Jahre.