Corona-Krise

ÖBB verstärken Fracht-Kapazitäten

Grenzkontrollen führen zu Verlagerungseffekten. Lebensmittel, Salz, Toilettenpapier und Bio-Ethanol wandern vermehrt auf die Schiene.

Transportlogistik Rail Cargo Group Coronavirus Schienenverkehr

Infolge der Pandemie kommt es zu Cargo-Verlagerungen auf die Schiene.

In Zeiten von verstärkten Grenzkontrollen wegen der Corona-Krise haben die ÖBB den Transport auf der Schiene verstärkt und zusätzliche Transportkapazitäten bereitgestellt, um die Versorgung sicherzustellen. Dabei werden vermehrt Lebensmittel, Salz, aber auch Toilettenpapier und Bio-Ethanol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln auf der Schiene transportiert.

Salz und Bio-Ethanol

Auch grenzüberschreitende Transporte wurden erhöht. So wurden beispielsweise die Transporte für die Salinen Austria AG massiv aufgestockt. Binnen weniger Tage seien zusätzliche Transporte auf der Schiene für den Salzhersteller bereitgestellt und innerhalb einer Woche an den Zielort in Ungarn transportiert worden, heißt es in einer Aussendung der Rail Cargo Group. Salz sei für die Lebensmittel-, Pharma- und Reinigungsindustrie wichtig.

In Ungarn wurde aufgrund der derzeitigen Grenzbestimmungen für Lkw ein zusätzliches Transportvolumen von 50.000 Tonnen auf der Schiene organisiert. Dies entspreche etwa 50 bis 60 Lkw-Ladungen pro Woche.

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Auch in Italien wurden die Transporte massiv aufgestockt. Zudem konnte zwei bis drei Mal die Woche eine neue Verbindung nach Zagreb bzw. Kroatien für Wagen und Wagengruppen organisiert werden.

Weiters transportiere die Rail Cargo Group seit kurzem Bio-Ethanol der Agrana auf der Schiene zu den Produktionsstandorten der verschiedenen industriellen Hersteller von Desinfektionsmitteln. Die ersten Lieferungen wurden letzte Woche gestartet und werden nun sukzessive ausgeweitet.

Klopapier-Rekord

Auf die gestiegene Nachfrage nach Toilettenpapier habe der österreichische Hygieneartikel-Hersteller Essity Austria mit einer „rekordverdächtigen Produktion“ reagiert. Derzeit liege der Auslieferrekord bei 6.000 Paletten Toilettenbedarf und werde zu 15 Prozent durch die Erhöhung der Kapazitäten im ÖBB-Schienengüterverkehr national und international abgedeckt.

Aufgrund der internationalen Einfuhrbeschränkungen im Straßengüterverkehr wurden zahlreiche Lieferungen nach Deutschland sowie auch nach Kroatien und Serbien auf die Schiene verlegt. Zusätzlich 280 Tonnen pro Woche und bisher 75 Waggons konnten binnen weniger Tage nach Anfrage bereitgestellt werden, um die Versorgung zu gewährleisten. Auch die Versorgung mit Rohstoffen wie Zellstoff und Altpapier werde durch den Transport auf der Schiene sichergestellt.

Güterverkehr aus Italien gewährleistet

Für den österreichischen Lebensmittelproduzenten Landena transportierten die ÖBB auf der Schiene Tomatenzubereitungen für Tomatensaucen. Ein Gesamtvolumen von 48 Tonnen werde derzeit vom Abholort in Desio (Italien) verladen, auf der Schiene nach Bischofshofen transportiert und zum Firmenstandort in Stainach zugestellt.

Damit könne die Tomatensaucen-Produktion ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Durch den Umschlag auf die Schiene sei auch der zukünftige Güterverkehr aus Italien weiterhin gewährleistet und biete eine effiziente Alternative zu den Grenzbeschränkungen im internationalen Straßengüterverkehr.

Für Julius Meinl wurden innerhalb einer Woche sieben gedeckte Waggons mit Kaffee vom italienischen Logistikzentrum Santo Stino di Livenza nach Wien transportiert und damit das Transportvolumen von insgesamt 14 Lkw übernommen. (apa/red)