Trendreport

Positive Entwicklung bei innerbetrieblicher Logistik

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren an Priorität gewonnen, auch wenn die tatsächliche Umsetzung hinterherhinkt. Das zeigt eine Studie von Inform.

Als Kernherausforderungen erachten sie die Erhöhung der Produktivität (80 Prozent), das Einhalten der Termintreue (73 Prozent) und eine sichere Produktionsversorgung (65 Prozent).  

Der neue Trendreport des Optimierungsspezialisten Inform deckt eine positive Entwicklung der innerbetrieblichen Logistik in deutschen Industrieunternehmen auf. Galt dieser Bereich lange als eher untertechnisiert und wenig optimiert, scheint die Digitalisierung heute Priorität bei den Fachkräften zu genießen. Die tatsächliche Umsetzung geht jedoch noch immer schleppend voran.  Für den Trendreport wurden 121 Fach- und Führungskräfte aus deutschen Unternehmen überwiegend aus den Bereichen Logistik und Supply Chain Management befragt. Die Beteiligung erfolgte anonymisiert von Ende Oktober 2020 bis Anfang Januar 2021. An der Studie beteiligten sich mit drei Vierteln vor allem produzierende Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, mit einem Viertel auch Handelsunternehmen. 

Die Ergebnisse im Detail

Für 76 Prozent der 121 befragten Fach- und Führungskräfte hat die innerbetriebliche Logistik aktuell eine große oder sehr große Bedeutung für den Unternehmenserfolg. Nur 10 Prozent können der Idee, die Produktion sei das Kernstück eines Unternehmens, die Logistik eine notwendige Nebenaufgabe, vorbehaltlos zustimmen. Als Kernherausforderungen erachten sie die Erhöhung der Produktivität (80 Prozent), das Einhalten der Termintreue (73 Prozent) und eine sichere Produktionsversorgung (65 Prozent).  


„Die Produktion arbeitet in vielen Branchen immer flexibler, mit größerer Variantenvielfalt und kürzeren Lieferterminen“, sagt Torsten Inkmann, Bereichsleiter Industrielogistik und Mitglied der Geschäftsleitung bei Inform. „Das erhöht auch die Anforderungen an flexible Transporte und damit eine Echtzeit-Steuerung, an die Planbarkeit und Reaktionsfähigkeit. Genau auf diese Herausforderungen bietet die Digitalisierung aber Antworten.“  

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Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:

  • Digitalisierungs-Projekte: Eine Just-in-Time-/ Just-in-Sequence-Versorgung (48 Prozent), die Einführung eines fahrerlosen Transportsystems (FTS) (47 Prozent) sowie eines Transportleitsystems (42 Prozent) sind die drei dringlichsten Vorhaben, die kurz- bis mittelfristig bei den befragten Unternehmen umgesetzt werden sollen. 
  • Interne Werkstransporte: In 71,5 Prozent der Unternehmen fallen pro Tag mehr als 100 Transportaufträge an. Dort kann also von einer komplexen Planungssituation ausgegangen werden. Am häufigsten werden nach wie vor Stapler (95 Prozent) für den Transport eingesetzt. Es folgen Routenzüge und Zugmaschinen (je 34 Prozent), schließlich FTS (25 Prozent).    
  • Logistik-IT: Lediglich die Hälfte der Unternehmen sieht sich in der Lage, innerbetriebliche Transporte im Voraus zu planen. Dennoch kommen meist nur Lagerverwaltungs- und ERP-Systeme für die Transportsteuerung und Materialflussverfolgung zum Einsatz. Technologien mit intelligenteren Funktionen wie eine Echtzeit-Steuerung, algorithmische Optimierung oder Planung gegen real begrenzte Kapazitäten fehlen bei mindestens 80 Prozent der Befragten. 
  • Kostenfalle Intralogistik: Die Kosten für einzelne Transporte werden von zwei Dritteln der Unternehmen gar nicht erfasst oder lediglich einer allgemeinen Kostenstelle zugeordnet. Gerade einmal 7 Prozent der Befragten sind in der Lage, auf Anfrage über die Kosten eines einzelnen Transports Auskunft zu geben. 
  • Cloud-Systeme: Die Hälfte der Unternehmen ist gegenüber Cloud-Diensten im innerbetrieblichen Transport offen eingestellt, doch nur in 5 Prozent der Unternehmen kommen solche Systeme bereits zum Einsatz.


Im Vergleich zu den Ergebnissen einer ähnlichen Studie von Inform aus dem Jahr 2013 hat sich beispielsweise der Einsatz von FTS in der innerbetrieblichen Logistik fast verdoppelt. „Es scheint einen Perspektivenwechsel gegeben zu haben“, beobachtet Inkmann. Dennoch zeigt die Studie, dass viele Digitalisierungsvorhaben noch am Anfang stehen.