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Propak-Unternehmen halten sich wacker

Die österreichischen Papier- und Karton-Verarbeiter sind – zumindest bisher – mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen.

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Propak-Obmann Georg Dieter Fischer

„Wir können uns zwar der allgemeinen Konjunkturschwäche nicht entziehen“, sagt Propak-Obmann Georg Dieter Fischer, „aber wie schon in der Vergangenheit werden die Propak-Unternehmen grosso modo nicht zu den größten Krisenverlierern gehören.“

Die aktuellen Zahlen untermauern diese Hoffnung: Die rund 80 Mitglieder des Verbandes haben im Schnitt zwischen April und Mai 5,9 Prozent an Umsatz und 5,6 Prozent an abgesetzten Mengen verloren. Für die ersten fünf Monate bedeutet das ein Umsatz-Minus von 1,6 Prozent und eine Schwarze Null bei den Mengen.

Die Zahlen sehen vor allem im Vergleich mit der generellen Lage gut aus. Doris Ritzberger-Grünwald, die Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft der OeNB, lieferte im Zuge der Propak-Pressekonferenz ein relativ schauriges Bild der Wirtschaft. Sie geht davon aus, dass die Rezession Österreich 2020 rund 7,2 Prozent BIP-Minus bringen wird – was doppelt so schlimm wäre wie der Effekt der Finanzkrise von 2008.

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Appell für offene Grenzen

Andreas Blaschke, Vorstand der Mayr-Melnhof Packaging International, verweist darauf, dass rund drei Viertel der Propak-Umsätze exportgetrieben sind – „und dafür sind offene Grenzen notwendig, um sowohl die Verarbeiter mit den erforderlichen Rohstoffen als auch die komplette Supply Chain bis zum Endverbraucher mit den benötigten Produkten versorgen zu können.“

Während der Lkw-Verkehr bis auf anfängliche Schwierigkeiten weitgehend reibungslos funktioniere, bemängelt er vor allem die zahlreichen unterschiedlichen und wechselnden Regelungen für den Privatverkehr in Europa. Denn davon seien nicht zuletzt die ausländischen Mitarbeiter der Branche betroffen.

Beschäftigung bleibt relativ stabil

Wenig betroffen ist die Branche interessanterweise von Beschäftigungseffekten. Die Mitarbeiterzahlen sind 2020 weitgehend stabil geblieben (rund 8.800), und auch das Instrument der Kurzarbeit wurde wenig genutzt (rund sieben Prozent der Mitarbeiter).

Marko Bill Schuster, COO Mondi Functional Paper and Films, bestätigt, dass auch in seiner Industrie das Finden von Fachkräften schwierig ist – weshalb die Branche noch stärker auf Aus- und Weiterbildung setze. Derzeit bilden die Propak-Betriebe 233 Lehrlinge in 21 Berufen aus, Tendenz steigend. Allein im Beruf Verpackungstechnik gab es 2019 im ersten Lehrjahr einen Zuwachs von 43 Prozent.

Schwieriger Herbst

Der Herbst dürfte wirtschaftlich dennoch ein harter werden. Im Branchenschnitt wird ein Umsatzrückgang um rund sechs Prozent bis Jahresende erwartet – bei einer großen individuellen Bandbreite. Das ergab eine Anfang September durchgeführte Umfrage des Fachverbandes.

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