Nachhaltigkeit

RCG und WWF für nachhaltigen Güterverkehr

Im Güterverkehr auf der Schiene liegt großes Potential für den Klimaschutz. Über die fehlende Kostenwahrheit zwischen Schiene und Straße und was RCG und WWF gemeinsam bewirken wollen.

Noch ist die Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene nicht gelungen.

Die Verlagerung des Warentransports von der Straße auf die Schiene scheint die einzige Chance zu sein, um Österreichs Klimaneutralität bis 2040 im Verkehr zu erreichen. Im Rahmen der Partnerschaft der ÖBB in der WWF Climate Group wurde ein Stakeholderdialog zum nachhaltigen Güterverkehr organisiert. Diskutiert wurde mit einer Reihe von Unternehmen aus Branchen die, durch die Verlagerung ihrer Transporte von der Straße auf die Schiene, großes Klimaschutzpotential haben wie u.a. Bernegger GmbH, Hengl Mineral GmbH, Lafarge Zementwerke GmbH, Mondi AG, Rhomberg Bau GmbH, Spar – Österreichische Warenhandels AG sowie interessierte Unternehmen aus der WWF Climate Group (BKS Bank, VBV Vorsorgekasse, Vöslauer). Neben der wachsenden Bedeutung des nachhaltigen Güterverkehrs, wurden die derzeitigen Hindernisse für eine verstärkte Nutzung der Schiene und Lösungsansätze für diese Probleme gegenübergestellt.

Neue Rahmenbedingungen für Schienengüterverkehr gefordert

Täglich arbeiten wir mit unseren Innovationsprojekten – von der Digitalen Automatischen Kupplung bis zur Digitalisierung unserer Prozesse – um effizienter, nachhaltiger und kundenorientierter zu werden. Das alleine wird aber nicht reichen, um mehr Güter von der Straße auf die Bahn zu bekommen. In Europa müssen die ökonomischen Rahmenbedingungen und die Wettbewerbsbedingungen zwischen Straße und Schiene gerechter werden, sowie die Interoperabilität verbessert werden“, führte Clemens Först, Vorstandssprecher der ÖBB Rail Cargo Group zu Beginn des Stakeholderdialogs aus. „Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene ist einer der schnellsten und effizientesten Wege, um die immer weiter steigenden CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu bekämpfen“, so Karl Schellmann, Klima- und Energiesprecher des WWF Österreich. Dafür müssten Subventionen für den Straßenverkehr, wie das Dieselprivileg abgeschafft sowie die Schieneninfrastruktur modernisiert und erweitert werden. Außerdem brauche es einen klaren Vorrang des Schienenverkehrs in allen öffentlichen Ausschreibungen. Die technischen Möglichkeiten seien vorhanden, die politischen Entscheidungen zu effektiven Anreizsystemen müssten dringend getroffen werden.

Resümee des Stakeholderdialogs

Nach einem intensiven Austausch sahen die Diskutanten vor allem in den folgenden drei Themenbereichen die größten Potentiale nachhaltige Güterverkehrslösungen auszubauen:

White Paper zum Thema

  • Politische Rahmenbedingungen

Die Einführung einer CO2-Bepreisung kann für faire Rahmenbedingungen und Kostenwahrheit zwischen Straße und Schiene sorgen. Das ÖKOBÜRO (die Allianz der Umweltorganisationen) schlägt ab 2025 einen Preis in der Höhe von rund 150 Euro pro Tonne CO2 vor, der ab 2030 auf 300 Euro pro CO2 steigen soll. Die derzeitigen Marktpreise für Lkw-Transporte sollen nicht die real verursachten Kosten („social cost of carbon“) widerspiegeln. Zusätzlich sollten in öffentlichen Ausschreibungen klimafreundliche Transportangebote speziell berücksichtigt werden. Auch das würde zu einem Marktumdenken führen und nachhaltige Logistiklösungen unterstützen.

  • Zusammenarbeit der verladenden Wirtschaft mit den Transport- und Logistikunternehmen

Für einige Diskutanten würde schon eine verstärkte Kooperation und mehr Erfahrungsaustausch zwischen der Wirtschaft und den Transport- und Logistikunternehmen die Entwicklung und Durchführung von nachhaltigen Gütertransporten unterstützen.

  • Ausbau der Infrastruktur

Es wurden konkrete Maßnahmen der Bundesländer (mit ihrer Raumordnungskompetenz), des Bundes (Anreizsysteme, Haftungen, öffentl. Beschaffung), der Finanzinstitute (grüne Projekte müssen auch finanziert werden) und der Wirtschaft gefordert. Vor allem das knappe Raumangebot, um logistische Prozesse abbilden zu können, macht vielen Unternehmen zu schaffen. Entlang der Bahnstrecken und an den Bahnhöfen fehle einfach der Platz um auszubauen, Umladestellen, Manipulationsflächen müssten bereitgestellt und Potentialflächen dafür reserviert werden.

Dialog wird fortgesetzt

Die Fortsetzung des Dialogs ist bis Ende 2021 geplant. „Es ist an der Zeit, um über Massenrohstofftransporte anders zu denken und neue Maßstäbe zu setzen, so wie wir sie bereits gesetzt haben.“, betonte Kurt Bernegger, Geschäftsführer der Bernegger GmbH. Markus Palfinger, Head of Procurement, Lafarge Zementwerke GmbH will den Transport auf der Schiene ausbauen und meinte abschließend, „Die Bahn muss ihre Hausaufgaben machen, es herrscht noch immer ein Preisnachteil gegenüber der Straße, die Flexibilität vor allem hinsichtlich des Verschubes, bzw. "der letzten Meile" sollte verbessert werden (z.B. Elektrifizierung - dazu sollten auch die Förderungen für die Verlagerungen von der Straße auf die Schiene verbessert werden), zudem gibt es immer wieder Einschränkungen hinsichtlich Equipment Verfügbarkeit und Flexibilität.“ Hubert Rhomberg, Geschäftsführer der Rhomberg Holding, sieht Handlungsbedarf vor allem in der Raumplanung, „Regionale „Anker“ müssen gefördert werden, also regionale Unternehmen die bei ihren Transporten auf die Bahn setzen. Ich bin überzeugt: mit dieser Vorbildwirkung ziehen auch andere Unternehmen nach, denn das Potential regionaler Hubs ist nicht zu unterschätzen. Aber auch der Ausbau des Bahnverkehrs ist ein wesentlicher Faktor. Hierfür ist es notwendig Bauflächen zu evaluieren, ausreichend Platz und die Nähe zu bestehenden Strängen bei der Raumplanung zu berücksichtigen.“