Nachhaltigkeit

Smart Packaging: Mehr als nur eine Verpackung

Die Logistik ist ein Innovationstreiber des Smart Packagings. Welche praktischen Anwendungen genützt werden, wie viel Kunden eine nachhaltige Verpackung Wert ist und welche Folgen sich für den Transport ergeben.

Mondi Packservice Smart Packaging Recycling Verpackung

Bei Verpackungen lässt sich ein klarer Trend zu mehr Nachhaltigkeit feststellen. Doch wie smart ist Smart Packaging?

Noch steht Smart Packaging am Anfang seiner Entwicklung, das Potenzial ist jedoch immens. Die Technologie für smarte Verpackungen ist in vielen Bereichen zwar bereits vorhanden, doch der massenhafte Einsatz scheitert bislang noch an den hohen Herstellungskosten. 

Doch Achtung! Spricht man von Smart Packaging, kann es leicht zu Irritationen kommen. Versteht man darunter doch einerseits die „intelligente“ und digitalisierte Verpackung zum Beispiel mit druckbarer Elektronik und andererseits eine Verpackung, die effizient und vor allem nachhaltig ist.

Analysten des Marktforschungsunternehmens IDTechEx nehmen an, dass der weltweite Umsatz von Verpackungen mit gedruckter Elektronik von derzeit 75 Millionen bis zum Jahr 2023 auf 1,45 Milliarden US-Dollar ansteigen wird. Wird die smarte, nachhaltige Verpackung einen ähnlichen Erfolg verbuchen können?

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Artikel im Smart Packaging Look

In Österreich werden jährlich rund drei Millionen Displays produziert, der überwiegende Teil als Einweg-Karton-Displays. Daraus entstehen etwa 18 Millionen Kilogramm an Kartonabfällen. Das soll Smart Packaging 2020 sein?

„Es war 2013 als mich meine Tochter am Frühstückstisch gefragt hat, was ich denn eigentlich für den Umweltschutz tue, da ich ja den ganzen Tag verpacke. Das hat mich zum Nachdenken gebracht“, erzählt Joachim Kratschmayr, Geschäftsführer von Packservice. Beim Smart Packaging geht es laut ihm im Prinzip um zwei Dinge: um das Recycling und darum, die Strukturen zu erhalten, also nicht zu schreddern und dabei Energie zu verbrauchen. „Smart ist es auch, wenn Kartonagen eingespart werden, die nicht gelagert werden müssen. Große Kunden lagern pro Jahr bis zu 2.000 Paletten ein, auf denen sich nur leeres Display-Material befindet. Packservice erhielt kürzlich den Staatspreis für Smart Packaging 2020 für den „Loopos“.

© Packservice

Für den "Loopos" erhielt Packservice kürzlich den Staatspreis für Smart Packaging 2020.

Loopos ist ein Mehrweg-Display als nachhaltiges Konzept für den Point-of-Sale (POS). Es handelt sich um Kunststofftassen mit aufklappbaren Säulen in drei verschiedenen Höhen im Format einer BC Palette, die auf alle Ladungsträger dieser Größe passen. Nach Abverkauf der Ware können die Säulen eingeklappt und platzsparend zurücktransportiert werden. Das Einsparungspotential des Mehrweg-Displays bei 100 Produkt-Promotionen liegt im Vergleich zu Einweg-Displays zwischen 60 und 70 Prozent bzw. zwischen rund 400 bis 600 Kilogramm CO2-Äquivalent. „In Tests hat sich eine Wiederverwendbarkeit von über 50 Mal gezeigt, die Trays sind also fast unverwüstbar“, so Kratschmayr. Zusätzlich können große Mengen an Kartonabfällen eingespart werden.

Sieben Jahre lang wurde am Loopos-Konzept gebastelt, heute ist er beispielsweise bei Spar und Rewe zu finden. „Wir haben derzeit eine Marktabdeckung von etwa ein bis zwei Prozent, wir wollen 35 Prozent erreichen. Wir sind überzeugt, dass der Loopos die bestmögliche Lösung für etwa 35 Prozent aller Vierteldisplays ist“, sagt Kratschmayr. Von diesem Prozentsatz spricht er, da das System nicht überall im finanziellen Rahmen liegt. Ein Loopos kostet etwa zehn bis fünfzehn Euro und ist im angebotenen Segment preisneutral zum herkömmlichen Mehrweg-Display.

Smart Packaging für Lebensmittel

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Die wichtigste Funktion von Verpackungen ist es, während der Produktion, der Lagerung und dem Transport zu schützen. Das gilt insbesondere auch für die Verpackungen von Lebensmitteln. Denn: „In Europa geht etwa die Hälfte aller Lebensmittel verloren, bevor sie überhaupt zum Verzehr gelangen: 23 Prozent bei der Produktion, zwölf Prozent bei der Handhabung, der Lagerung und dem Transport nach der Ernte, neun Prozent gehen während des Vertriebs verloren und fünf Prozent bei der Verarbeitung“, erklärt Thomas Kahl, Experte für EcoSolutions bei Mondi. Der Transport frischer Lebensmittel ist also immer noch eine Herausforderung.

Mondi und Smart Packaging

Der Verpackungs- und Papierspezialist arbeitet nach dem Prinzip „Papier, wann immer möglich, Kunststoff, wo sinnvoll“. So werden Verpackungen entworfen, die Funktionalität und Nachhaltigkeit in Einklang bringen. Nach dem Leitsatz „Ersetzen – Reduzieren – Rezyklieren“ werden weniger nachhaltige Produkte durch umweltfreundlichere ersetzt, die Menge des verwendeten Rohmaterials wird reduziert und recyclingfähige Lösungen neu entwickelt.

Dieses System kommt auch in der Praxis zur Anwendung, beispielsweise beim Coral Tray, einer neuen Verpackungsschale aus 100 Prozent recycelbarer Wellpappe für den Transport von Frischwaren, wie zum Beispiel Tomaten. „Das Produkt ist sichtbar und geschützt und Stabilität beim Stapeln ist vorhanden. Durch die offene Struktur der Box kann außerdem die Luft zirkulieren, wodurch das Risiko von Kondensation und Schimmelbildung verringert wird“, so Kahl.

© Dominik Kiss

Thomas Kahl ist Experte für EcoSolutions bei Mondi.

Drei Euro für mehr Nachhaltigkeit

Eine von Mondi in Zusammenarbeit mit Karmasin Research & Identity erstellte, jährliche Trendstudie zeigt außerdem, welche Anforderungen Kunden an die Verpackung stellen: „Unverändert im Vergleich zum Vorjahr ist der Wunsch der Konsumentinnen und Konsumenten nach nachhaltigen Verpackungen. Dazu zählen neben der ausreichenden Schutzfunktion, vor allem umweltfreundliches Verpackungsmaterial und die einfache, fachgerechte Entsorgungsmöglichkeit. Wellpappe-Verpackungen sind daher in allen untersuchten Ländern die bevorzugte Wahl”, betont Markus Gärtner, CEO Mondi Corrugated Packaging. Mehr als die Hälfte der Befragten bestätigte darüber hinaus bereit zu sein, bis zu drei Euro mehr für Online-Waren zu bezahlen, die die genannten Anforderungen erfüllen.

Folgen des Smart Packagings für Transport und Logistik

Die Verpackungsvolumina, die transportiert werden müssen, gehen zurück. „Wenn man 70 Prozent Kartonagen einspart, spart man auch 70 Prozent an Transporten ein. Wenn ein Kunde 2.000 Paletten lagern müsste und 70 Prozent davon einspart, wären dass um 1.400 Paletten weniger“, erläutert Kratschmayr. Bei dieser Rechnung wären um 42 Lkw weniger auf den Straßen. So wird CO2 reduziert und auch in den Lagerhallen müssen weniger Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Einsparungen der Lagerkosten liegen laut Kratschmayr oft im fünfstelligen Bereich: „Bei 1.000 Paletten kann ich mit einem Mehrweg-Display im Jahr zwischen 70.000 und 80.000 Euro Lagerkosten einsparen.“

Was ist Smart Packaging noch zuzutrauen?

Mondi stellt einen klaren Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei Verpackungen fest, der sich wohl auch im Jahr 2021 halten wird. Und auch Kratschmayr prognostiziert weitere Fortschritte in Smart Packaging Entwicklungen: „Es sind noch große Schritte zu gehen. Smart Packaging heißt für mich „Mehrweg“ und zwar dort wo es machbar ist, nicht gegen die Hygiene verstößt und Sinn ergibt. Wir können noch Tonnen an Kartonagen einsparen.“ Karton statt Plastik in der Verpackung und Mehrweg statt Karton im Display-Bereich ist seine Devise.