Containertransport

So steht es um die Seefracht

Der Zwischenfall im Suezkanal und die anhaltende Beeinträchtigungen des Seefrachtmarktes wirken sich weiterhin auf die globalen Lieferketten aus.

Seit einigen Wochen ist der Suezkanal wieder für den Verkehr offen. Dennoch haben Logistikdienstleister, Verlader und Empfänger weiterhin mit erheblichen Kapazitäts- und Equipment-Engpässen in der globalen Seefracht zu kämpfen. „Besonders die Häfen in Nordeuropa sind vom Rückstau der Suezkanal-Blockade betroffen. Mit zeitlicher Verzögerung sorgt dies für entsprechende Effekte in Asien, die sich in einer weiteren Verknappung von Leergut niederschlagen“, berichtet David Böhme, Head of Sales Air & Sea Logistics EMEA bei Dachser.

Die Lieferketten zwischen Asien und Europa bleiben daher in beide Richtungen angespannt. Die negativen Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der Fahrpläne und die Preisdynamik sind allgemein bekannt und werden wohl noch einige Zeit andauern. Mit Blick auf die USA bleibt die Situation in Long Beach, Kalifornien, kritisch. „Die Schiffe auf den Transpazifikrouten sind ausgebucht, Equipment ist schwer zu bekommen und die Raten erreichen permanent neue Höchststände. Als direkte Konsequenz aus den aktuellen Herausforderungen in der Seefracht, wächst die Nachfrage nach Luftfrachtkapazitäten kontinuierlich, die von Woche zu Woche knapper werden. Ein Trend, der sich auf fast allen wichtigen globalen Handelsrouten beobachten lässt“, so Böhme. Dies ist nicht nur ein gefühlter und subjektiver Eindruck Böhmes, sondern Flughafenstatistiken auf der ganzen Welt zeigen ein Wachstum des Tonnage-Durchsatzes, wobei einige Flughäfen im ersten Quartal 2021 sogar ihr größtes jemals verzeichnetes Volumen melden konnten. „Mit unseren Charterflügen zwischen China, Europa und den USA, die unsere gesamte Luftfrachtkapazität ergänzen, sind wir gut darauf vorbereitet, Ihre Lieferkette in den kommenden Wochen und Monaten zu sichern“, meint Böhme.

Häfen in Nordeuropa

In den großen Häfen Nordeuropas wurde bereits ein kritischer Überlastungsgrad erreicht, da die Terminals den Rückstau von Schiffen, die während der Schließung des Suezkanals aufgehalten wurden, abarbeiten. Um die Verzögerungen in den Häfen zu reduzieren, erwägen die Carrier, anstatt eine Hafenrotation innerhalb Asiens oder Europas zu absolvieren, die Ladung in den großen Drehkreuzhäfen zu entladen und frühzeitig umzukehren, sodass Schiffe, die eine Woche später ankommen, die Ladung aufnehmen und zum Zielhafen bringen können. Dadurch ist mit Verzögerungen der Exportfracht in Europa und Asien zu rechnen.

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Europa - Asien

Die östlichen Routen bleiben bis Mitte/Ende Mai stark ausgelastet, wodurch kurzfristige Buchungen kaum noch möglich sind, auch nicht gegen einen Aufpreis. Die Seefrachtraten bleiben auf einem hohen Niveau. Aufgrund der anhaltenden Überlastung wichtiger Hubs wie Port Kelang (Malaysia) und Singapur, muss mit zusätzlichen Verzögerungen von bis zu fünf Tagen gerechnet werden. Derzeit sind alle Dienste von/nach Karachi & Port Qasim (Pakistan) um etwa vier bis sechs Tage verspätet.
 
In westlicher Richtung wird die ohnehin schon angespannte Equipment-Situation durch die Folgen der Suezkanal-Blockade weiter verschärft. Alle verfügbaren Abfahrten sind komplett ausgebucht. Selbst auf Premium-Diensten ist es extrem schwierig neue Buchungen zu platzieren. Viele Carrier haben wenig bis kein Interesse an Neugeschäft, da sie bereits mit den aktuellen Volumina zu kämpfen haben. Fast alle Reedereien haben bis auf Weiteres Kapazitätskürzungen von bis zu 60 Prozent angekündigt. Einige Carrier geben im Inland keine Leercontainer mehr frei und wenn doch, dann nur gegen sehr hohe Gebühren.

Transpazifik

Die nordamerikanische Westküste leidet weiterhin unter starken Engpässen aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 auf die Hafenproduktivität und der erhöhten Nachfrage. Mitte April befanden sich bereits mehr als 30 Schiffe in der Warteschlange für einen Anlegeplatz in Los Angeles / Long Beach, sodass eine längere Lieferzeit zu erwarten ist. Aus den genannten Gründen kann es vorkommen, dass Carrier kurzfristig Verbindungen, vor allem in Richtung Westen, streichen, um die allgemeine Servicezuverlässigkeit zu verbessern. Die Situation wird mindestens bis Ende Mai oder sogar Juni andauern. Wenn es so weitergeht, werden die USA und deren Häfen aufgrund der bevorstehenden historischen Hochsaison im August vor weiteren Herausforderungen stehen. Auch die Reedereien sind mit der Situation überfordert - verspätete Abrechnungen und Auslieferungen gehören zur neuen Normalität.

Equipment-Knappheit

Die Verfügbarkeit von Containern war bereits Anfang April knapp, während sich die Situation ab Ende April bis Mai/Juni voraussichtlich weiter verschärft und kritisch wird. Ex Fernost haben die Carrier bereits Maßnahmen ergriffen, um die Verwendung der Container, insbesondere von 40'HC, zu beschränken und diese vorrangig auf der westlichen Transpazifik-Route einzusetzen. Daher wird die Verfügbarkeit von Equipment für den Kurzstreckenseeverkehr oder den Asienverkehr beeinträchtigt sein. Es ist eine deutliche Ratenerhöhung zu erwarten. 

Eine Alternative zu den Equipment-Engpässen bei Vollcontainer-Verschiffungen bietet Dachser mit seinem LCL-Express-Service auf der Transpazifik-Route. Dieser LCL-Express-Service von China zur US-Westküste soll eine Alternative zur Vermeidung von Überlastungsproblemen darstellen. Der LCL-Express Service verkürzt nicht nur die Transitzeit, sondern auch die Standzeit wird um zwei Drittel gesenkt. Zum Beispiel beträgt derzeit die durchschnittliche Standzeit im Hafen von Los Angeles bei einer Sendung aus China 14 bis 25 Tage, mit unserem LCL-Express-Service nur noch drei bis sieben Tage.