Marktübersicht

Top-Logistikdienstleister in Österreich

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen sind die heimischen Logistikdienstleister gut unterwegs. So manche Verwaltungsvereinfachung täte aber unbedingt Not. Die Top-Unternehmen hoffen, dass die Regierung dieses Potenzial erkennt und entsprechende Maßnahmen setzt.

Laut dem „Zentralverband Spedition & Logistik – ZV“ war das vergangene Jahr „ähnlich durchwachsen wie die Entwicklungen der Gesamtwirtschaft, mit einer leicht positiven Tendenz“. Das zweite Halbjahr war etwas besser als das erste, was die Mitglieder des ZV für heuer hoffen lässt. In Europa liege das Wachstum nur auf sehr niedrigem Niveau.

Die Nummer Eins unter den dispo-Top-10-Logistikdienstleistern ist aktuell LKW Walter © LKW Walter

Die Nummer Eins unter den Top-10-Logistikdienstleistern ist aktuell LKW Walter

Das ließe sich auch an der gering steigenden Kaufkraft erkennen, große Sprünge seien also kaum zu erwarten. Laut ZV-Geschäftsführer Oliver Wagner sind die österreichischen Speditionsunternehmen zwar gut aufgestellt, aber der globale Wettbewerbsdruck und die geringen Margen würden der Branche zu schaffen machen. Außerdem würden sich die Rahmenbedingungen in Österreich zunehmend schwieriger gestalten. Der Zentralverband der Spediteure fordert die heimische Politik auf, den nationalen Logistikstandort entsprechend zu fördern. Sorgen bereiten das heimische Steuer- und Zollrecht, das Kfz- und Straßenverkehrsrecht. Gefordert wird eine „Entbürokratisierung und Verwaltungsvereinfachung“. Außerdem möchten die größten Spediteure bei der Infrastrukturplanung mehr eingebunden werden. Für den weiteren Ausbau des multimodalen Güterverkehrs seien laut Spediteure entsprechende Güterterminals notwendig.

Gerade beim Zoll- und Steuerrecht haben Österreichs Spediteure einen massiven Wettbewerbsnachteil, durch den hierzulande bis zu 2.000 Arbeitsplätze verloren gehen“, so Wagner.

Versäumnisse, Fahrverbot-Dschungel und 60iger

Schwere Kritik gibt es auch vom ZV, weil Fahrverbote in Österreich regional sehr unterschiedlich verhängt seien und nicht österreichweit koordiniert werden – das würde die Wirtschaft laut den Spediteuren ordentlich schädigen. Außerdem entstünden dadurch umweltbelastende Umweg-Verkehre, die laut ZV unnötig wären. Eine weitere Forderung ist die Aufhebung der (stellenweisen) Höchstgeschwindigkeit von Tempo 60 km/h für Lkw in der Nacht auf Autobahnen. Eine vom Zentralverband und dem Arbeitskreis der Automobilimporteure in Auftrag gegebene Studie der TU Wien besagt, dass neben dem höheren Unfallrisiko durch die großen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Lkw und Pkw auch die Schadstoffemissionen wie Feinstaub und NOx bei 60 km/h signifikant höher sind als bei 80 km/h. Eine Änderung verlangt der ZV auch bei der Mautvalorisierung für das jeweils kommende Jahr. Um besser planen zu können, soll die jährliche Teuerung der Mautgebühren zumindest ein paar Monate vor Jahresende bekannt gegeben werden und nicht wie zuletzt erste Ende Dezember.

Analyse der Top-Unternehmen in Österreich

Für die hier angeführte Reihung der „Top- 10-Logistikdienstleister in Österreich“ zeichnet die KSV 1870 Holding AG verantwortlich. Dazu werden die größten Unternehmen aus der Logistikbranche (ÖNACE-Code 52290 Er bringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr a.n.g.) gereiht nach Umsatz (in Österreich) absteigend angeführt. Bedingung ist, dass die Unternehmen diese Branche als Hauptbranche oder mindestens zu 40 % aufweisen.

Die Top- 10-Logistikdienstleister in Österreich © KSV 1870 Holding AG

Das Ranking

Für das Ranking wurde das letzte komplette Geschäftsjahr herangezogen. Die privat geführte Unternehmensgruppe LKW Walter – mit Sitz südlich von Wien, in Wiener Neudorf – dominiert in Österreich mittlerweile klar den Transportsektor. Insgesamt rangieren drei private, eigentümergeführte Unternehmen – LKW Walter, Gebrüder Weiss und Quehenberger an der Spitze, darüber hinaus einige Aktiengesellschaften.

Zur hier angeführten Nummer 3, der „Rail Cargo Logistics – Austria“ zählt seit kurzem auch die ehemalige „Express-Interfracht“. Darüber hinaus hält Rail Cargo Austria jeweils 100% an den Gesellschaften Rail Cargo Wagon, Rail Cargo Carrier und Rail Cargo Operator, sowie 51 % an ÖBB-Technische Services und 50 % an ÖBB-Produktion. Nach der abgeschlossenen Umfirmierung wird sich die Rail Cargo Logistics – Austria komplett auf den Endkundenvertrieb konzentrieren.

Darüber hinaus wurden die Gesellschaften AgroFreight und ChemFreight verschmolzen und zur Rail Cargo Logistics GmbH umfirmiert. Auch die Vertriebsaktivitäten der Tochtergesellschaft Entsorgungslogistik Austria werden künftig unter der Marke Rail Cargo Logistics – unter dem Firmennamen Rail Cargo Logistics – Environmental Services GmbH – gebündelt. Als weiteres Großprojekt in der ÖBB-Gruppe stehen nun die Umfirmierungen aller weiteren Express-Interfracht-Tochtergesellschaften mit einer Beteiligung von mehr als 50 % an, welche bis Mitte 2014 erfolgen sollen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Post, das international unter der Marke DHL auftritt, hat in der Zwischenzeit seinen Ruf als „Packerlschupfer“ abgelegt. Auch mit kompletten Ladungen macht man ein gutes Geschäft, der DHL-Bereich „Global Forwarding“ agiert mittlerweile hierzulande mit einem Jahresumsatz von zuletzt annähernd 300 Mio. Euro auf Platz 6 des Top-Logistiker-Rankings.

Dass Spezialgebiete nicht immer auch wirtschaftlich ein „Nischendasein“ führen müssen, zeigt sich daran, dass sowohl ein Tiefkühllogistiker, die DAILY SERVICE Tiefkühllogistik (Platz 7), als auch ein Pharmadistributor, die Pharma Logistik Austria GmbH (Platz 9), zu den Top- Firmen zählen.

Mehr oder weniger optimistisch

Für das bereits 1924 gegründete Unternehmen LKW Walter setzt sich das Jahr 2014 ähnlich positiv fort, wie das Jahr 2013 geendet hat. Die positiven Konjunkturdaten seien nicht nur „Stimmungsmache“ sondern real. Auch Schenker & Co konnte in seiner Region im letzten Geschäftsjahr ein leichtes Umsatzwachstum erzielen. Besonders zufrieden zeigt man sich mit der Geschäftsentwicklung in den Ländern Rumänien, Tschechien und der Türkei. In Österreich sei die Luftfracht im Wachsen. Beim drittgrößten Unternehmen, der Rail Cargo Logistics-Austria freut man sich über das Erreichen hochgesteckter Ziele im 2013. Diese positive Geschäftsentwicklung will die RCA auch heuer fortsetzen können.

Die österreichischen Spediteure klagen über einen unangemessenen Verwaltungsaufwand © Kühne + Nagel
Die österreichischen Spediteure klagen über einen unangemessenen Verwaltungsaufwand

Gebrüder Weiss präsentierte kürzlich erst seine Bilanz 2013 mit einem Umsatzwachstum von 3,3 %. „Angesichts des für uns eher enttäuschend verlaufenen ersten Halbjahres sind wir mit diesem Jahresabschluss durchaus zufrieden“, so Vorstandsvorsitzender Wolfgang Niessner. Mit einem konsolidierten Umsatz von 801,2 Millionen Euro (international) präsentierte sich der Geschäftsbereich Landverkehre 2013 gewohnt stark und bewegt sich damit leicht über dem Vorjahr. „Unter Berücksichtigung des schwierigen Umfeldes ist dieses Abschneiden sehr zufriedenstellend“, urteilt Wolfgang Niessner. Beim Ergebnis erwartet sich Gebrüder Weiss 2014 allerdings mehr. Zwar war der Start heuer ein guter, es bestehe aber noch kein Anlass zur Euphorie, heißt es vonseiten der Konzernzentrale. Laut Jahresabschluss 2013 ist auch die Kühne + Nagel-Gruppe (K+N) auf Wachstumskurs (EBITDA 2013: +4,6 %).

Im internationalen Logistikgeschäft gebe es aktuell zwei große Herausforderungen: Durch die Verlagerung großer Transportvolumen auf Seefracht gibt es weniger Luftfracht. Und in der Seefracht sind die Raten sehr volatil. Trotz dieser Bedingungen konnte auch K+N Österreich in allen Bereichen deutliche Zugewinne erwirtschaften, die deutlich über dem Marktwachstum liegen sollen. Das Management der Augustin Quehenberger Group rechnet für 2014 nur mit einem leichten Wachstum. Die Märkte seien durchwegs schwierig – Osteuropa hätte beispielweise wenig Dynamik.

Investitionen in Netzwerk und „Material“

Schenker & Co hat jüngst in Prag ein Logistikterminal mit annähernd 90.000 Quadratmeter Fläche eröffnet. Die Türkei-Tochter DB Schenker Arkas hat 5,8 Mio. Euro in die Anmietung eines Lagers in Gebze (am Bosporus) investiert. In Budapest wird in diesem Jahr ein neues Terminal mit einem Investitionsvolumen von 14,2 Mio. Euro errichtet. Auch in Österreich wird demnächst der Standort Wien-Freudenau mit geplanten 3,9 Mio. Euro erweitert. Für Gebrüder Weiss war 2013 anscheinend „das Jahr der großen Investitionen“ – das gesamte Investitionsvolumen betrug 57 Mio. Euro.

Dieses wurde vor allem in das zentral- und osteuropäische Netzwerk gesteckt. Gebrüder Weiss hat 2013 die auf GUS- und Kaukasus spezialisierte Spedition Far Freight übernommen. Darüber hinaus wurden ein neues Logistikzentrum in Tiflis/Georgien und ein erster türkischer Standort in Istanbul eröffnet. Laut Finanzvorstand Wolfram Senger-Weiss sei der „Kompetenzausbau in Vorder- und Zentralasien sowie im Kaukasusgebiet“ von großer strategischer Bedeutung. Damit entstünden zentrale Drehscheiben für den Verkehr zwischen Europa und Asien, modernste Logistikanlagen nach höchsten westeuropäischen Standards. In Tschechien nahmen mit Jenec bei Prag und Jablonec nad Nisou in Nordböhmen gleich zwei neue Standorte ihren Betrieb auf, im Nachbarland Slowakei wurde das Logistikterminal Senec um zwei Logistikhallen erweitert.

Eine neue Niederlassung in Györ ergänzt seit Juli 2013 das ungarische Netzwerk. Weitere Bauprojekte stehen 2014 vor dem Abschluss: In Elin Pelin/Bulgarien erfolgte der Spatenstich für ein modernes Logistikzentrum, das die bisherige Niederlassung in Sofia ersetzen wird. Und ebenso in Österreich, in Wels und am Firmenhauptsitz in Lauterach sind umfangreiche Standorterweiterungen im Gange. Darüber hinaus wurden die in Süddeutschland übernommenen Speditionen Diehl und Sprenger mittlerweile in die Gebrüder Weiss- Infrastruktur integriert.

Zwei neue Produktschienen

Kühne + Nagel hat im vergangenen halben Jahr zwei neue Produktschienen gestartet: eine Abteilung „K+N Project Logistics“ für die Abwicklung von Spezialtransporten und ein Bereich „K+N Expo- & Event Logistics“ für „maßgeschneiderte Logistiklösungen bei Veranstaltungen und Messeauftritten“. Außerdem wird am Wiener Standort in ein hochwertiges Lager mit Sicherheitsstandards nach TAPA-A investiert. LKW Walter investiert derzeit in moderne, kranbare Auflieger, die mit Telematik ausgerüstet sind. Und in der Zentrale in Wiener Neudorf entsteht ein neuer Gebäudetrakt samt Parkhaus. Die Rail Cargo Group investiert derzeit vor allem in „Waggons verschiedenster Gattungen“. Wagen werden modernisiert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Und auch Quehenberger investiert kräftig in die Erneuerung des Eigenfuhrparks, in Kommunikationstechnologie sowie Telematik. Bei Quehenberger gab es außerdem einen Zukauf von 13 „Logwin“-Standorten – in Kroatien, der Slowakei, Serbien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Mazedonien. Die für das Unternehmen wichtigsten Investitionen im Bereich Kontraktlogistik waren aber die Errichtung von neuen Lagerzentren in Timisoara (Rumänien) und Novosibirsk (Russland).

Neuer Kunde in Bulgarien

Durch die Übernahme des österreichischen Expressdienstleisters X1 EXPRESS wurde das Netzwerk im Bereich „nationale und internationale Express- und Kurier-Dienstleistungen“ erweitert und damit die Basis für den B2C Markt geschaffen. Große Projekte und neue Kunden DB Schenker ist besonders stolz darauf, kürzlich das Olympic Team Austria in Sochi als Logistikpartner – mit einem Umfang von über 300 Tonnen Fracht – versorgt zu haben. In Bulgarien konnte seit Ende 2013 der Kunde H&M erfolgreich gewonnen werden, für den nun eine 24-Stunden-Filialbelieferung in Bulgarien und Griechenland aus einem 7.000 Quadratmeter großen Logistiklager abgewickelt wird.

DB Schenker transportiert darüber hinaus in diesem Jahr insgesamt 450 Waggonladungen für Isoplus Fernwärmetechnik GmbH über eine 1.100 Kilometer lange Strecke von Österreich nach Holland. Isoplus realisiert in den Niederlanden eine 36 Kilometer lange Fernwärmeleitung. Im Rahmen von Logistikaufträgen der Rail Cargo Logistics – Austria konnten zuletzt einige große Projekte erfolgreich abgewickelt werden: Beim Transport von Eisenerz vom Hafen Bakar (Kroatien) nach Linz konnte eine Verlagerung vom Schiff auf die Schiene im Ausmaß von 90.000 Tonnen erreicht werden. Zusätzlich wurden 30.000 Tonnen Stahl-Coils aus Italien nach Polen transportiert, sowie 20.000 Tonnen Stabstahl von Bosnien nach Österreich. Von Monfalcone (Italien) ausgehend wurden darüber hinaus 15.000 Tonnen Aluminium nach Österreich und 20.000 Tonnen nach Ungarn per Bahn transportiert.

K & N gibt auf die Frage nach aktuellen Neukunden etwas verschlüsselte Antworten: So soll seit 2013 „einer der weltweit größten Zigarettenhersteller“ zu den Kunden zählen. Auf dem Standort Salzburg sind angeblich neue Projekte für einen globalen Sportartikelhersteller und einen globalen Konzern für Farben und Lacke gestartet worden. Ähnlich viel verriet man bei Quehenberger: Erfolgreich gewonnene Projekte gab es vor allem im Bereich Retail-Logistik für größere Filialisten aus den Branchen Schuhe, Baumarkt und Möbel. Nationale und internationale Beschaffungslogistik-Projekte konnten für den Lebensmitteleinzelhandel für Österreich und die Slowakei gewonnen werden. Man darf raten, welche Firmen das sind! Die anderen angeführten Unternehmen wollten dazu aus Wettbewerbsgründen aber gar nichts vermelden.