Transport

Umsatzrückgang bei Quehenberger Logistics

Quehenberger leidet unter den erschwerten Bedingungen bei Luft- und Seefracht, setzt aber auf Osteuropa, die Digitalisierung und lokale Lager.

Auch bei Quehenberger sind die Bereiche Lebensmittel und E-Commerce 2020 gestiegen.

Der Salzburger Logistikkonzern Augustin Quehenberger Group mit Sitz in Straßwalchen hat im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von sieben Prozent auf 427 Millionen Euro verzeichnet. Die vor allem in Zentral-, Ost- und Südosteuropa tätige Unternehmensgruppe erzielte laut Konzernabschluss aber ein Betriebsergebnis (EBIT) von rund 5,4 Millionen Euro. Trotz Coronakrise und Brexit blickt die Geschäftsführung optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr.

„In Teilbereichen wie dem Nicht-Lebensmittelhandel, etwa bei Textilien oder Schuhen, ist das Geschäft wegen Corona stark zurückgegangen, zum Teil auch in der Automobilindustrie“, so Unternehmenssprecher Hermann Költringer. Hingegen seien die Bereiche Lebensmittel und E-Commerce gestiegen, genauso wie internationale Transporte für Konsumgüter des täglichen Lebens - etwa Klopapier. Zusätzlich wurde das See- und Luftfrachtgeschäft durch eine hohe Nachfrage nach medizinischen Produkten getrieben.

Probleme bei See- und Luftfracht

Sowohl See- als auch Luftfracht stellen aber nach wie vor eine große Herausforderung dar. „Am Beginn der Corona-Krise haben Reedereien ihre Schiffe abgestellt. Der interkontinentale Verkehr ist stark zum Stillstand gekommen, die Warenflüsse sind aus der Balance geraten“, so Költringer. Es sei vor allem schwierig gewesen, Container und Schiffsraum zu bekommen, parallel seien die Tarife nach oben gegangen. „Dank lokaler Partner haben wir aber Wege und Mittel gefunden, die Waren doch transportieren zu können.“

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Aufgrund der Corona-Maßnahmen gebe es aber nach wie vor Probleme in den internationalen Häfen. Diese seien als Vorsichtsmaßnahme nicht voll mit Hafenarbeitern besetzt, was beim Löschen der Fracht zu Zeitverzögerungen führe. Das Luftfrachtgeschäft konnte die Gruppe - sie firmiert unter dem Markennamen "Quehenberger Logistics" - trotz deutlich reduzierter Frachtkapazitäten im Vorjahr ausbauen. Wegen der fehlenden Passagierflüge fehlte allerdings Laderaum, auch hier musste der Logistiker samt Partnern stets nach Lösungen suchen - etwa die Nutzung von Charterflügen.

Von Osteuropa und Digitalisierung

Mittlerweile trägt das Osteuropa-Netzwerk von Quehenberger über 40 Prozent zum Konzernumsatz bei, teilte das Unternehmen mit. Vor allem konnte die Marktposition in Rumänien, Kroatien, der Slowakei und in Nordmazedonien 2020 erheblich ausgebaut werden. Dort stellt Quehenberger für westliche Handelsunternehmen Lagerkapazitäten zur Verfügung.

Für das im Vergleich zu 2019 verbesserte Betriebsergebnis der Gruppe habe etwa eine höhere Kosteneffizienz gesorgt, vor allem durch Digitalisierung. „Das betrifft etwa das Beleglose Arbeiten oder das elektronische Invoicing“, sagt Költringer. Quer durch die Organisation habe es zudem einen geringfügigen Mitarbeiterabbau gegeben - mit Ende des abgelaufenen Jahres sei die Zahl der Mitarbeiter (inklusive Leiharbeiter) aber auf 3.820 gestiegen.

Steigerung von acht bis zehn Prozent im Visier

Für die Zukunft zeigte sich die Geschäftsführung optimistisch. „Wir glauben, dass wir heuer auf den Umsatz von 2019 kommen werden - das wäre eine Steigerung von acht bis zehn Prozent“, so Költringer. „Die Lockdowns im Nicht-Lebensmittelhandel wirken sich zwar extrem aus, andererseits spüren wir eine Belebung in der Industrie und im Handel. Dabei wandert nach wie vor viel vom stationären Einzelhandel in Richtung E-Commerce.“ Dazu komme ein Trend zur Absicherung der Lieferketten durch lokale Lager. „Das ist ein Bereich, in dem wir weiter investieren wollen.“ Mittlerweile ist die Umschlags- und Warenhausfläche für Vertragspartner laut Unternehmen auf 690.000 Quadratmeter gewachsen.

Neben Coronakrise sorgt auch der Brexit für neue Anforderungen in der Abwicklung nach und von England. Hier sei eine entsprechende Vorbereitung wichtig, damit es an der Grenze nicht zu massiven Verzögerungen komme. Die Quehenberger-Gruppe ist aktuell in 18 Ländern mit 77 Standorten vertreten. (apa/red)