Studie

Verschlafen wir die Neue Seidenstraße?

In Österreichs Unternehmen besteht offenbar zu geringes Wissen über die chinesische Initiative.

VNL FH des BFI Andreas Breinbauer Neue Seidenstraße

Viel mehr als nur Infrastruktur: Die "Belt and Road"-Initiative der VR China.

Seit Ausbruch der Pandemie ist es in Europa (noch) ruhiger um das Thema geworden. Doch die „Belt and Road“-Initiative (BRI) der Volksrepublik China läuft ungebrochen weiter.

Sich darauf einzustellen, könnte ausgerechnet infolge Covid-19 noch wichtiger werden. Der Ökonom Gabriel Felbermayr schätzt, dass der Corona-bedingte Rückgang des chinesischen BIP 2021 nur drei Prozent ausmachen werde. Zudem werde die VR China auch heuer ein Wirtschaftswachstum von zwei bis drei Prozent erzielen.

Doch was wissen Österreichs Wirtschaftstreibende eigentlich über das Thema? Im Auftrag des Vereins Netzwerk Logistik (VNL) hat FH-Professor und -Rektor Andreas Breinbauer (FH des BFI) eine Studie unter heimischen Unternehmen aus Industrie, Handel und Logistikdienstleistung durchgeführt – übrigens vor dem Ausbruch der Pandemie Anfang 2020.

Studienautor Breinbauer betont, dass die Rücklaufquote trotz mehrmaligen Nachfassens relativ gering war, sodass die Studie nicht repräsentativ sei. Die Ergebnisse deckten sich jedoch mit ähnlich gelagerten Studien.

White Paper zum Thema

Was ist eigentlich Belt and Road?

Ein spannendes Ergebnis: Die chinesische initiative wird in erster Linie als Infrastrukturprojekt wahrgenommen, das vor allem der Verbesserung der Handelsbeziehungen diene. Was im Kern nicht unrichtig ist, allerdings wesentliche Aspekte wie die Industriestrategie „Made in China 2025“ oder „Chinese Standards 2035“ bzw. „Internet plus“ außer Acht lässt.

Die befragten Logistikdienstleister sind hier etwas näher dran: Immerhin 20 Prozent begreifen Belt and Road als Initiative ohne geografische und thematische Grenzen.

Welche Chance, welche Risiken?

Die Frage nach eigenen Geschäftschancen wird von den Befragten sehr unterschiedlich beantwortet – und jene, die sie erkennen, verorten sie eher in China selbst, etwas weniger in den Drittmärkten.

Auch bei dieser Frage weichen die Logistikdienstleister von Handel und Industrie ab: Sie erwarten generell mehr Chancen, und zwar in China selbst genauso wie in den Ländern entlang der BRI.

Die Mehrheit der Befragten Industrie- und Handelsunternehmen sieht die zunehmende Konkurrenz durch China und in geringerem Umfang durch Drittländer entlang der Seidenstraße als Risiko in den nächsten fünf Jahren. Unter den Logistikdienstleistern wird die Konkurrenz aus Drittländern etwas stärker gesehen.

Wissenslücken

Interessant sind auch die Einschätzungen des eigenen Wissensstandes. Während die Industrie- und Handelsunternehmen sich eher schlecht bzw. ungenügend über die BRI informiert fühlen, sehen sich die Logistikdienstleistungs-Unternehmen mehrheitlich gut informiert.

Aus allen befragten Unternehmen kommt der Wunsch nach Informationsveranstaltungen und Unterstützung von Seiten der Interessenvertretungen.

Die komplette „Pilotstudie zur chinesischen Belt-Road-Initiative“ zum Download auf der Website des VNL