Lkw-Logistik

Warum das Slotbuchungsverfahren nicht der Feind ist

Das neue Zeitmanagement-System am Hamburger Hafen bringt die Gemüter zum Kochen. Dabei könnte es auf Lkw- wie Hafenseite vieles erleichtern.

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Ende 2017 wurde am Hamburger Hafen erstmals in Deutschland das Slotbuchungsverfahren für Lkw eingeführt. An allen vier Containerterminals müssen Lkw nun ein Zeitfenster im Vorhinein buchen, um abgefertigt zu werden. Ansonsten müssen sie warten, bis alle mit Vorbuchung an der Reihe waren. Möglicherweise also sehr lange. Johan P. Schryver, Vorsitzer des Vereins Hamburger Spediteure, ärgerte sich noch im Januar über Zeitverzögerungen an den Terminals. 

Probleme könnte das neue System jenen Fahrern bereiten, die häufig und weit hinter ihren Zeitplan fallen; oder jenen, die mit der Buchungssoftware auf ihrem Smartphone nicht umgehen können. Denn eigentlich ist das Slotbuchungsverfahren für solche und andere Eventualitäten gerüstet.

Dem Problem entgegenwirken

Dass das Slotbuchungsverfahren in der Luftfahrt schon lange üblich ist, hat einen guten Grund. Bei tausenden Flugzeugen und zwei Landebahnen auf einem Flughafen muss einfach eine gewisse Einteilung her. Lkw-Anlieferungen in Häfen werden ebenso immer mehr, ihre Ladungen immer größer. Gut 55 Prozent aller am Hamburger Hafen abgewickelten Seegüter kommen bereits per Truck. Bereits jetzt kommt es in Spitzenzeiten zu langen Wartezeiten für Fahrer und Überlastung der Hafenarbeiter. Eine Verbesserung dieses Umstands ist nicht absehbar. Das Slotbuchungsverfahren könnte eine rechtzeitige Gegenmaßnahme sein.

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Alles easy

Die verschiedenen Systemanbieter – hinter der für Hamburg verwendeten Software steht beispielsweise Dakosy – achten speziell auf Nutzerfreundlichkeit und Features, die eine schnelle und einfache Abwicklung ermöglichen sollen. Buchungen sind sowohl über die Website als auch eine Datenschnittstelle möglich. Ein Fahrer, der mit seinem Smartphone umgehen kann, sollte also auch problemlos einen Slot von unterwegs buchen können, oder eine Umbuchung durchführen, wenn er im Stau steckt.

Das Nächstbeste ist gut genug

Dass mit dieser Abwicklungsregulierung tatsächlich für alle die Arbeit leichter wird, setzt natürlich voraus, dass Fahrer bei der Buchung auch tatsächlich ihre gewünschten Slots bekommen. Gibt es diese aber nicht, bieten Dakosy das freie Fenster an, das zeitlich am nächsten kommt. Nicht den gewünschten, aber nächstbesten Slot zu bekommen, ist immer noch angenehmer und sicherlich nicht weniger unproduktiv als stundenlanges Schlange stehen am Hafen.

Spielraum und Fairness

Die anfänglich weitverbreitete Sorge, ein um fünf Minuten verspäteter LKW würde seinen Slot verlieren, hat sich nicht bewahrheitet. Hat er eine Stunde Verspätung, wird er nur mit geringerer Priorität abgefertigt. Erst ab 90 Minuten Verspätung verfällt der Slot endgültig. Pünktlichkeit zahlt sich also aus, Unpünktlichkeit wird nicht mit voller Härte bestraft. Gepaart mit der Möglichkeit, ganz leicht von unterwegs zu stornieren oder umzubuchen, schafft das Fairness. Ein Slot kann zudem sehr kurzfristig neu gebucht werden. Niemand muss also Tage im Vorhinein wissen, wann er wo ankommt.

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