Coronakrise

Warum uns das Klopapier nicht ausgehen wird

Ausverkauftes Toilettenpapier ist längst zum Symbol der Pandemie geworden. Einige Argumente, warum Klopapier-Mangel unsere geringste Sorge sein sollte.

Teigwaren und Toilettenpapier – offensichtlich sind dies die ersten Güter, die wir angesichts der Corona-Krise horten.

Laut der Drogeriemarkt-Kette dm hat jeder Deutsche im Vorjahr im Schnitt Klopapier im Wert von 20,22 Euro verbraucht. Der Durchschnittsverbrauch einer Person beträgt sechs Rollen im Monat. Man darf vermuten, dass diese Zahlen auch für Österreich gültig sind.

Hafen Hamburg Marketing hat ein paar Argumente gesammelt, warum niemand Sorge haben muss, dass uns das Klopapier nun ausgeht.

Der Bedarf bleibt der gleiche

Viele Menschen sind derzeit offenbar ein wenig überversorgt mit Toilettenpapier. Da es keinen Grund gibt anzunehmen, dass der Verbrauch steigen wird, dürfte es demnächst zu einer tendenziell sinkenden Nachfrage kommen, argumentiert der Verband deutscher Papierindustrie VDP.

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Martin Krengel, CEO von Wepa, einem der größten europäischen Hygienepapier-Hersteller, nennt gegenüber dem Handelsblatt eine minimale Einschränkung: Eine Folge der Krise könne ein generell gestiegenes Bewusstsein für Körperhygiene sein.

Es gibt keine Lieferengpässe

Obwohl die Aufträge im März massiv gestiegen sind, haben Produktion und Lieferketten gehalten. Selbst bei Maßnahmen wie Ausgangssperren und Grenzschließungen blieben Warenverkehr und Versorgung unbeeinträchtigt. Was die Hersteller leisten, zeigt etwa das Beispiel des schwedischen Hygienepapier-Marktführers Essity (Tempo, Zewa): Das Unternehmen lieferte innerhalb einer Woche ganze 66.000 Paletten Toilettenpapier aus seinem Werk in Mannheim.

Im Zentrallager des mittelständischen deutschen Großhandelsunternehmens Bartels-Langness wird zurzeit im Zweischichtsystem und am Wochenende gearbeitet, um täglich 1.500 Einzelhändler, Kioske und Tankstellen in Norddeutschland zu beliefern.

Starke Papierindustrie

Der Handel bestellt Klopapier normalerweise in längeren Abständen, da Lagerkapazitäten begrenzt sind und Toilettenpapier nicht zu Waren wie Milch gehört, die häufiger gekauft werden.

Durch das plötzliche Nachfragehoch gerät die bedarfssynchrone Logistikkette durcheinander: Es kommt zu Verschiebungen. Aufgrund seines geringen Gewichtes und Kaufpreises ist der Lkw-Transport von Hygienepapier erst bei kurzen Anfahrtswegen zum Verbraucher von bis zu maximal 500 Kilometern profitabel. Daher braucht es viele Produktionsstätten.

Und diesbezüglich sind Länder wie Deutschland oder Österreich angesichts ihrer starken Papierindustrie gut aufgestellt: Laut der Branchenvereinigung Austropapier gibt es in Österreich 24 Papier-Betriebe, die pro Jahr rund 5 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe erzeugen.

Und die deutschen Produzenten, die viel Hygienapapier nach Österreich liefern, bilden ohnehin die größte Papierindustrie Europas. Im Jahr 2018 erzeugte Deutschland rund 1,5 Millionen Tonnen Hygienepapier, bei einer Produktionskapazität von rund 1,6 Millionen Tonnen.

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