Case Study

Was dm mit Behältern von SSI Schäfer anstellt

Bei der Drogeriemarktkette dm Österreich sind mehrere Hunderttausend Kunststoffboxen von SSI Schäfer als Lager-, Kommissionier- und Transportboxen im Umlauf. Wie dm damit einen geschlossenen Mehrwegkreislauf eingerichtet hat. Und warum das die Automatisierung erleichtert – und den Footprint reduziert.

Seit Anfang der 2000er-Jahre liefert SSI Schäfer jedes Jahr zwischen 40.000 und 60.000 der Lager- und Transportboxen an dm Österreich aus.

Manchmal erlebt Herbert Scheiblauer einen unerwarteten Moment der Nostalgie. „Mir begegnen immer wieder Behälter mit dem alten Logo“, erzählt der Manager Transporte & Lagerorganisation dm Österreich, „dabei erfolgte der Logo-Wechsel bereits Ende der 1990er-Jahre.“ Schon damals lieferte SSI Schäfer erste Kunststoffbehälter an dm.

Kunststoffbehälter zählen zu den bewährtesten Organisations-, Lagerungs- und Transporthilfsmitteln – und sie sind nicht nur die langlebigsten, sondern auch die nachhaltigsten Ladungsträger. Die Branche der Boxen-Produzenten verzeichnet im Durchschnitt jährliche Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent. Josef Kendl, Senior Sales Manager Behälter und Regalsysteme bei SSI Schäfer, erklärt, warum: „Wachsender Automationsgrad in der Intralogistik, Transportketten- und -Kostenoptimierung sowie gestiegenes Umweltbewusstsein sind die wesentlichen Treiber für die hohe Marktakzeptanz und Nachfrage.“

Insbesondere durch die zunehmende Automatisierung steigen die Anforderungen an Ladungsträger. Automatisierte Anlagen erzielen – im Vergleich zu Kartonagen und veralteten, nicht konformen Behältern – mit passenden, für industrielle Anwendungen entwickelten Kunststoffbehältern höhere Pick-Raten, eine bessere Verfügbarkeit sowie eine geringere Fehlerrate.

Nachhaltigkeit bestätigt

Dass Kunststoffbehälter auch nachhaltig sind, unterstreicht eine Anfang 2018 vom Fraunhofer Institut für Bauphysik veröffentlichte Studie zum Carbon Footprint von Mehrweg-Kunststoffbehältern. Am Beispiel von Verpackungssystemen für Obst- und Gemüsetransporte weist sie für die genutzten Mehrweg-Kunststoffbehälter 60 % weniger Treibhausgas-Emissionen aus als Einwegtransportverpackungen aus Karton. Bereits ab dem sechsten Umlauf verursachen Mehrwegtransportsysteme danach geringere Treibhausgasemissionen je Umlauf. Überdies bieten sie von der flexiblen Skalierbarkeit auf Produkt-, Qualitäts- und Quantitätsebene wie auch hinsichtlich sukzessiver Automatisierungsschritte oder den optimierten Handling-Prozessen zahlreiche Vorteile in den operativen Abläufen und langfristige Investitionssicherheit.

Jahrzehntelange Partnerschaft

Eine Referenz dafür ist die Drogeriemarktkette dm. 1989 bündelt dm das Warehousing für den österreichischen Markt in einem Verteilzentrum im oberösterreichischen Enns. Inzwischen sind dort bis zu 14.000 Drogerieartikel aus den Bereichen Schönheit und Gesundheit, Baby, Foto und Haushalt sowie Teile des Ergänzungssortiments wie Tiernahrung, Kleintextilien und Four Seasons gelagert. Das zentrale Distributionszentrum versorgt heute alle 389 österreichischen dm-Filialen sowie acht Verteilzentren in Mittel- und Osteuropa.

SSI, Schäfer, bei, dm, drogeriemarkt © SSI Schäfer

Die FKE 6320 fungieren bei Lagerung und Kommissionierung im Verteilzentrum Enns sowohl als Quell- als auch als Zielbehälter. Fördertechnik führt die Quellbehälter aus dem AKL nach dem Prinzip Ware-zur-Person automatisch an die jeweiligen Arbeitsstationen.

Das anhaltende Wachstum und die dm-Expansion nach dem Fall des Eisernen Vorhangs führten zu einem kontinuierlichen Ausbau und steter Optimierung der Prozesse. 1995 erfolgte eine erste grundlegende Erweiterung des Logistikzentrums. 2009 wurden die Prozesse mit Einrichtung eines vollautomatischen Paletten- und Behälterhochregallagers auf künftige Anforderungen einer Logistik 4.0 ausgelegt. Nach den positiven Erfahrungen aus der vorherigen Zusammenarbeit erhielt SSI Schäfer dabei den Auftrag für den Stahlbau der Anlage mit 57.400 Behälter- und 3.200 Palettenstellplätzen.

Einheitliche Standards

Um für durchgängige Prozesse der Auftragsfertigung zu sorgen, wurden die Steuerungen aller im Lager befindlichen Komponenten in die Logistiksoftware WAMAS von SSI Schäfer integriert. Zur Grundausstattung des Lagers orderte dm überdies weitere 60.000 Kunststoffbehälter. „Mit dem Behältereinsatz verfolgen wir inzwischen von der internen Automatisierung bis zur Distribution an die Filialen einheitliche Standards“, erläutert Herbert Scheiblauer.

Mehr als 2.000 verschiedene Typen, Ausführungen und Größen umfasst das Sortiment für Lager-, Kommissionier- und Transportkästen von SSI Schäfer. Das Angebot reicht von Sichtlager-, Stapeltransport- und Regalkästen über falt-/klappbare Boxen und Kästen im Euro-Maß bis hin zu nestbaren Lager- und Transportbehältern sowie Kästen und Behälter aus Stahlblech. „Für jede Anwendung und jeden Einsatzbereich die richtigen Behälter“, fasst Josef Kendl zusammen, der dm auch als Projektleiter betreut. „Alles aus recyclingfähigen Materialien.“

Fußabdruck sinkt mit jedem Einsatzjahr

dm Österreich entschied sich für den Behältertyp FKE 6320 mit den Grundmaßen 600 x 400 x 320 mm als Basis für die interne Auftragsfertigung und das aufgelegte Mehrwegsystem. Der unempfindliche Polypropylen-Behälter aus der Serie der falt-/klappbaren Kunststoffboxen fasst einen Inhalt von 65 l und erfüllt die hohen Ansprüche, die die Verpackungsverordnung an Mehrweg-Transportbehälter stellt. Fünf verschiedene Standardboxen – drei Behälter mit Grundfläche 600x400 mm und Kantenhöhen von 285, 300 und 320 mm, sowie zwei Behältertypen mit den Flächenmaßen 800x600 mm und den Seitenhöhen von 320 und 450 mm – hat SSI Schäfer in der FK-Serie aufgelegt.

Sie sind, wie alle Standard-Kunststoffbehälter von SSI Schäfer, exakt auf das Euro-Palettenmaß abgestimmt. Der feststehende, kräftige Oberrand der FKE 6320 garantiert eine hohe Verwindungssteifheit und ein sicheres Stapeln – mit oder ohne Verschlussdeckel. Der verstärkte Boden mit Rippenkontur ist optimal für jegliches Handling in automatisierten Anlagen.

SSI, Schäfer, bei, dm, drogeriemarkt © SSI Schäfer

Das zentrale Distributionszentrum versorgt heute alle 389 österreichischen dm-Filialen sowie acht Verteilzentren in Mittel- und Osteuropa.

Stark genug für stabile Winkelauflage im AKL, leise und ruhig auf der Behälterfördertechnik, kompatibel und flexibel für vergitterte Griffbereiche und Zubehöroptionen wie 2-teilige bequeme Klappdeckel, Abdeckhauben, Rollwagen wie der Roll-Fix und die Rollplatte bieten bei den unterschiedlichsten Abläufen inner- und außerbetrieblich kurz- und langfristig einen Mehrwert für den Anwender. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und garantieren ein effizienteres Handling und unterstützen mit jedem Einsatzjahr die Reduktion des CO2-Fußabdruckes des Anwenders.

Hoher Vereinzelungsgrad

Vorteile, die dm Österreich intensiv nutzt und konsequent ausbaut. „Die Auftragsstrukturen aus den Filialen werden immer kleinteiliger“, hebt Herbert Scheiblauer hervor. „Parallel dazu verfolgen wir in Lager und Distribution eine Vereinzelungsstrategie. Das Mehrwegsystem mit den Kunststoffboxen ermöglicht es uns, einen kleinteiligen Auftragssatz sicher und unbeschädigt an die Filialen zu liefern.“ Die FKE 6320 fungieren bei Lagerung und Kommissionierung im Verteilzentrum Enns sowohl als Quell- als auch als Zielbehälter. Fördertechnik führt die Quellbehälter aus dem AKL nach dem Prinzip Ware-zur-Person automatisch an die jeweiligen Arbeitsstationen.

Dort werden pro Stunde bis zu 3.500 Auftragspositionen entnommen und direkt in die Zielbehälter kommissioniert, die zugleich als Transportbehälter dienen. Vorgeschaltete automatische Behälteraufrichter sorgen dafür, dass dem Mitarbeiter gebrauchsfertige Boxen präsentiert werden. „Mit Kartonagen hätten wir nicht nur kontinuierliche Beschaffungskosten und in den Filialen viel Verpackungsabfall zu entsorgen“, begründet der Transport- & Lager-Organisator. „Wir hätten angesichts des hohen Vereinzelungsgrades auch erhebliche Probleme bei der filialgerechten Palettierung. Die mit Kartons beladenen Paletten ließen sich wegen mangelnder Stabilität kaum ohne Beschädigungen der untersten Partien aufeinander stapeln. Sie andererseits auf den Lkw-Ladeflächen zu verteilen würde extrem viel Laderaum vergeuden.“

80 Prozent weniger Volumen

Anders mit den Kunststoffbehältern. Die auftragsgerecht befüllten Zielboxen werden via Fördertechnik automatisch von den Kommissionierplätzen abgezogen und an Konsolidierungsplätze geführt. Dort werden die Zielbehälter abgenommen, als Transportboxen übereinander auf Paletten gestellt und schließlich zur Belieferung der Filialen verladen. Dort werden die Artikel verräumt, die Transportbehälter anschließend platzsparend zusammengeklappt, gesammelt und turnusmäßig im geschlossenen Mehrwegsystem zurück in das Logistikzentrum transportiert. „Mit den Boxen der FK-Serie lässt sich das Behältervolumen bei den Leergutrückführungen um rund 80 % reduzieren“, sagt Josef Kendl. „Auch das unterstützt den Nachhaltigkeitsgedanken beim Einsatz von Mehrwegbehältern.“

Kontinuierlicher Nachschub

Vor diesem Hintergrund hat dm Österreich das Kreislaufsystem mit den Mehrwegbehältern in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich auch auf die Landesunternehmen in Südosteuropa ausgerollt. Inzwischen konsolidieren die Österreicher den Bedarf für zehn weitere der insgesamt 13 europäischen Ländergesellschaften von dm und geben einmal im Jahr eine Sammelbestellung an SSI Schäfer.

SSI, Schäfer, bei, dm, drogeriemarkt, Herbert, Scheiblauer © SSI Schäfer

„Das Mehrwegsystem mit den Kunststoffboxen ermöglicht es uns, einen kleinteiligen Auftragssatz sicher und unbeschädigt an die Filialen zu liefern.“

Herbert Scheiblauer, dm Österreich

Seit Anfang der 2000er-Jahre liefert SSI Schäfer jedes Jahr zwischen 40.000 und 60.000 der Lager- und Transportboxen an dm Österreich aus. Mittlerweile sind in den Landesgesellschaften insgesamt zwischen 600.000 und 800.000 Behälter des Typs FKE 6320 im Umlauf – rund die Hälfte davon allein im Versorgungsbereich von dm Österreich. „Die Boxen sind begehrt und werden hier und da auch dem Mehrwegkreislauf entzogen und zweckentfremdet“, gesteht Herbert Scheiblauer. „Der stete Bedarf ist aber vornehmlich dem kontinuierlichen Wachstum, der zunehmenden Prozessautomatisierung, den Auftragsspitzen in der Vorweihnachtszeit und den steigenden Anforderungen unserer Vereinzelungsstrategie in der Supply Chain geschuldet.

Die Boxen selbst sind langlebig über Dekaden hinweg.“ Rechtzeitig zur Spitzensaison beginnt SSI Schäfer dann im Oktober mit der Auslieferung der Behälter.

„Ein nachhaltig wirksames Gesamtsystem“

Unkaputtbar sind natürlich auch die Kunststoffbehälter nicht. Doch auch dafür hat dm Österreich eine Lösung. Beschädigte Behälter werden aus dem Kreislauf gezogen und zur Reparatur an einen gemeinnützigen Verein weitergereicht. „Ein soziales Projekt“, erzählt Herbert Scheiblauer. „Die Mitarbeiter dort haben spezielle Reparaturwerkzeuge von SSI Schäfer und können viele Boxen wiederherstellen.“ Was übrig bleibt, geht, wie auch ausrangierte Behälter, die jahrzehntelang ihren Dienst getan haben und verschlissen sind, in eine Recycling-Anlage und wird zum Rohstoff für neue Kunststoffbehälter. „In Summe bilden die Mehrwegbehälter die Basis für ein effizientes, nachhaltig wirksames Gesamtsystem“, resümiert Herbert Scheiblauer. „Es ist flexibel skalierbar, bietet viele operative Vorteile und sicheren Transport und hebt deutliche Einsparpotenziale. Für uns ein Erfolgsfaktor.“

Auftraggeber

dm-drogerie markt (Hauptsitz: Karlsruhe, D) ist in 13 europäischen Ländern, insbesondere Südosteuropa, mit mehr als 3.500 Märkten präsent. Die österreichische Tochtergesellschaft (Salzburg/Wals) wurde 1976 gegründet und beschäftigt knapp 7.000 Mitarbeiter in 389 Filialen.

Auftragnehmer

Der Spezialist für modulare Lager- und Logistiksysteme SSI Schäfer Gruppe (Hauptsitz: Neunkirchen, D) beschäftigt weltweit in rund 70 operativ tätigen Gesellschaften und an zehn Produktionsstätten rund 10.000 Mitarbeiter. SSI Schäfer plant, konzeptioniert und produziert Systeme zur Einrichtung von Lagern, Betrieben, Werkstätten und Büros, manuelle und automatische Lager-, Förder-, Kommissionier- und Sortiersysteme sowie Lösungen für Abfalltechnik und Recycling. Außerdem bietet die Gruppe releasefähige Software für den innerbetrieblichen Materialfluss.