Interview

Was DPD gegen den Fahrermangel tun will

DPD-Geschäftsführer Rainer Schwarz über Strategien gegen den Fahrermangel, das Kreuz mit der "Gratiszustellung" und das Image der Branche.

Von
KEP DPD Rainer Schwarz

dispo: Herr Schwarz, finden Sie genügend Fahrer?

Rainer Schwarz: Im Großen und Ganzen: ja, wobei die Lage im Osten Österreichs etwas entspannter ist. Insgesamt aber ist die Situation schwierig, und der Eintritt neuer Marktteilnehmer hat den Druck verstärkt – für die gesamte Branche. DPD arbeitet seit rund einem Jahr intensiv daran, den Job der Fahrer zu vereinfachen. Unser „Smart Driver“-Projekt etwa versorgt die Fahrer über einen Scanner mit allen Informationen, die mit einem Paket verknüpft sind. Das „Predict“-Service, das ja vor allem Zustellzeitfenster und Umverfügung für die Empfänger bietet, wirkt auch in Richtung der Fahrer. Mit einem Routenoptimierer mit optionaler Navigation wird durch Smart Driver auch dies künftig einfacher werden. Die Kollegen erhalten auch Hinweise wie etwa über Abstell-Genehmigungen oder bevorzugte Nachbarn als Empfänger.

Vielleicht können wir all das, was heute über Scanner möglich ist, auch als App auf das Smartphone bringen. Das würde uns völlig neue Zielgruppen für diesen Beruf erschließen, ich denke etwa an Teilzeitjobs für Studenten. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Wird das reichen, um dem Fahrermangel zu begegnen?

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Schwarz: Nein, das alleine bestimmt nicht. Der Fahrermangel ist ja offensichtlich auch die Folge eines Imageproblems unserer Branche. Wir Logistiker müssen deutlich besser darstellen, was wir leisten, etwa auch im Zusammenhang mit neuen umweltfreundlichen Technologien. Die Dachmarke „Austrian Logistics“ ist unter diesem Aspekt sehr zu begrüßen, ihre Wirkung wird aber hoffentlich viel weiter gehen. Ich denke etwa an die Gefahr, dass die Logistik durch den Online-Handel immer mehr in den Ruf gerät, gratis zu sein. Und damit auch nichts wert ist.

Solange Online-Händler mit Gratiszustellung werben, wird es aber schwierig, hier etwas zu ändern.

Schwarz: Jeder Dienstleister entscheidet selbst, wie weit er dieses Spiel mitspielt. Natürlich ist es verlockend, mit den Großen Geschäfte zu machen, aber wenn es so weitergeht, verlieren wir am Ende alle. Die aktuelle Situation beim Frachtraum führt allerdings bei manchen auch zu einem veränderten Auftreten gegenüber Versendern. Für DPD gilt: Wir kommen aus dem reinen B2B-Bereich, und wir haben die Ausweitung in Richtung B2C immer sehr vorsichtig betrieben. Wir müssen nicht um jeden Preis die Mengen erhöhen.

Ich sehe allerdings auch bei den Versendern Tendenzen, dass sich hier etwas ändert: Es gibt immer mehr Premium-Services, die viel bieten, aber eben auch der Kostenwahrheit näher kommen. Im Übrigen hoffe ich, dass die großen Versender auch die freie Wahl des Dienstleisters einführen werden.

Ihren Endkunden erlauben Sie immer stärkere Eingriffe in die Logistik, was wohl auch deren Erwartungen weiter erhöht. Kommen Sie aus dieser Nummer wieder heraus?

Schwarz: In diese Nummer wollen wir ja hinein! Natürlich machen Services wie Predict unsere Arbeit komplizierter. Aber gleichzeitig erleichtern uns unterschiedliche Varianten der Letzten Meile die Arbeit, weil es weniger Zustellversuche gibt. Es wird immer mehr zu einer Frage der Technologie: Wir müssen definitiv immer flexibler werden, daher wird die Bedeutung der EDV in unserer Branche auch weiter zunehmen.