Güterverkehr

Was ein No-Deal-Brexit für Transport und Handel bedeutet

Wenn der Brexit weitreichende Folgen für Handelsbeziehungen und Transport zwischen Großbritannien und der EU hat – was kann dann ein No-Deal-Brexit anrichten? Von Insulin-Hortungen, Lkw Staus und dem Zusammenbruch der Logistik.

Brexit Schiffstransport Lkw Großbritannien Transport Handel

An der Grenze staut es kilometerlang – und dabei ist nur ein Bruchteil der verfügbaren Lkw unterwegs. Der Stau hat weitreichende Konsequenzen. Nahrungsmittel und Medikamente sind nicht mehr so unbegrenzt vorhanden wie gewohnt. Die Fischindustrie verdirbt im wahrsten Sinne des Wortes. Das alles sind Bilder einer Situation, die ab dem 30. März droht – der No-Deal-Brexit. 

Viele glauben aber immer noch, besser kein Deal als ein schlechter Deal. Diese Advokaten für einen Hard Brexit oder No-Deal-Brexit meinen, der Umstieg der Handelsbeziehungen von den Regelungen der EU auf die der WHO würde schnell und einfach verlaufen. Und damit gäbe es gar keine oder kaum eine Unterbrechung im Handel und Transport zwischen Großbritannien und der EU. Alles andere sei doch nur Angstmache, Teil des Project Fear, das Brexit-Gegner seit der Zeit vor der Abstimmung 2016 betreiben. Wer hat recht? Ist ein Zusammenbruch, eine komplette Disrubtion in der Supply Chain der Union übertrieben? Um das zu beantworten, muss Großbritanniens Handel mit anderen Ländern nur in Zahlen betrachtet werden.

Beispiel Dover. Bekannt für seine weißen Klippen und den Hafen davor. Es ist Großbritanniens mit Abstand wichtigster Hafen im RoRo-Verkehr – fast schon ein Sinnbild für die Wirtschaftsbeziehungen der Insel mit dem Kontinent. Die Pride of Kent und die Calais Seaway sind nur zwei von 10.000 Transportschiffen, die hier jeden Tag be- und entladen. Der Schiffstransport teils zehn Mal täglich zwischen diesem und einem anderen Hafen über den sogenannten Jubilee Way hin und her. Das ergibt Güter im Wert von 120 Milliarden Pfund im Jahr – 17 Prozent des britischen Gesamthandels.

White Paper zum Thema

Wenn das Insulin an Dovers Klippen scheitert

Was, wenn der Import dieser wichtigen Güter nach England auf einmal stockt? Haben die Supermärkte Nahrungsmittel für drei Monate auf Lager und die Apotheken Insulin für ein ganzes Jahr? Mitnichten – die großen Ketten sagen selbst, frische Lebensmittel für eineinhalb Tage in ihrer Supply Chain zu haben und keinen Platz für mehr. Sachgüter, die immer zur Genüge da waren, werden es plötzlich nicht mehr sein. Laut dem Verband der britischen Pharmaindustrie wurde bereits im Juli mit dem Lagern größerer Mengen an Medikamenten begonnen. Doch auch hier sind die Kräfte am Ende – denn es gibt einfach nicht genug Kühlhäuser für die Lagerung.

freihandelsabkommen, brexit, eu, uk, europa, großbritanien, handel, eu-binnenmarkt, grenzen, pfund, euro, england, europäische union, transport, straßensprerre, blockiert, markt, wirtschaft, handelsblockade, zoll, ausfuhr, einfuhr, verbot, business, cargo, concept, delivery, durchreise, fracht, globalisierung, industrie, international, konkurenz, konzept, laster, import, export, lieferung, lkw, logistic, logistics, logistik, spedition, straße, truck, trucks, verkehr, warenaustausch © Björn Braun 200% - stock.adobe.com

Selbst der Platz für nicht temperatursensible Waren geht zur Neige. Hat Großbritannien bereits vor der Brexit-Ära über wenig Lagerraum verfügt, ist der Leerstand der Lagerhäuser weiter dramatisch gesunken und liegt jetzt landesweit bei nur sechs Prozent, in London sogar nur bei 4,6 Prozent, so das Immobilienunternehmen Savills. Neue Lagerhäuser werden zwar gebaut, doch viel zu langsam und davon viel zu wenige.