Karrieren

Was wurde eigentlich aus Österreichs Verkehrsministern?

Abgeordnete, Berater, Dirigent – die Lebenswege von Norbert Hofers Vorgängern verliefen recht unterschiedlich.

Von
Bild 17 von 17
© gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jukel_Carl.png?uselang=de

Interessante Namen tauchen unter den Verkehrsministern der Ersten Republik auf.

Darunter etwa Sozialreformer Ferdinand Hanusch (allerdings nur interimistisch für einige Tage im Jahr 1920), der spätere erste Bundespräsident der Republik Österreich, Michael Hainisch (1929 bis 1930), oder auch der spätere Bundeskanzler Julius Raab (Februar bis März 1938)

Österreichs erster „Staatssekretär für Verkehrswesen“ war ein gewisser Carl Jukel (Oktober 1918 bis März 1919), Gastwirt, Ökonom und Gutsverwalter sowie Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag (Bild).

Tipp: Benutzen Sie die linke bzw. rechte Pfeil-Taste Ihrer Tastatur um durch die Fotostrecke zu navigieren.
© BMVIT / Thomas Jantzen

Norbert Hofer (FPÖ, Verkehrsminister seit Dezember 2017)

Norbert Hofer ist der 24. Verkehrsminister der Zweiten Republik. Was machen eigentlich seine Vorgängerinnen und Vorgänger?

© Parlamentsdirektion/Thomas Jantzen

Jörg Leichtfried (SPÖ, Verkehrsminister von Mai 2016 bis Dezember 2017)

Jörg Leichtfried ist der Politik treu geblieben. Er ist heute Abgeordneter der SPÖ zum Nationalrat und unter anderem Obmann-Stellvertreter im Ständigen Unterausschuss in EU-Angelegenheiten.

(Bild: Jörg Leichtfried im Parlament im Dezember 2017)

© Parlamentsdirektion/Thomas Topf

Gerald Klug (SPÖ, Verkehrsminister von Jänner 2016 bis Mai 2016)

Der stets jovial-militärisch auftretende Steirer Gerald Klug blieb nach seiner Minister-Karriere (er war zuvor fast drei Jahre Verteidigungsminister gewesen) für rund eineinhalb Jahre Abgeordneter zum Nationalrat.

Seit Ende 2017 ist Gerald Klug Prokurist bei der Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH.

(Bild: Gerald Klug im Parlament im April 2017)

© Parlamentsdirektion/Thomas Topf

Alois Stöger (SPÖ, Verkehrsminister von September 2014 bis Jänner 2016)

Alois Stöger war Gesundheits-, Sozial- und Verkehrsminister. Heute ist der Oberösterreicher Abgeordneter zum Nationalrat (unter anderem Obmann im Verkehrsausschuss) sowie Leiter Sozialpolitik der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge.

(Bild: Alois Stöger im Parlament im März 2017)

© Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Doris Bures (SPÖ, Verkehrsministerin von Dezember 2008 bis September 2014)

Doris Bures war mit knapp sechs Jahren Amtszeit eine der längstdienenden Verkehrsministerinnen des Landes.

Sie ist heute neben ihrer Tätigkeit als Nationalratsabgeordnete Zweite Nationalratspräsidentin sowie stellvertretende Parteivorsitzende der SPÖ.

(Bild: Doris Bures im Parlament im Mai 2016)

© Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Martin Steiger

Werner Faymann (SPÖ, Verkehrsminister von Jänner 2007 bis Dezember 2008)

Für Werner Faymann war das Ministeramt bekanntlich nur ein weiterer Schritt auf dem Weg vom Wiener SJ-Chef bis zum Bundeskanzler der Republik.

Nach seiner etwas ruppigen Demontage 2016 kehrte Faymann der Politik den Rücken und gründete gemeinsam mit Matthias Euler-Rolle die 4Pro, eine auf Projektentwicklung und Kommunikation fokussierte Agentur in Wien.

2016 wurde Werner Faymann zum Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit ernannt.

(Bild: Werner Faymann im Parlament im Februar 2016)

© BMVIT/HOPI-MEDIA

Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ, Verkehrsminister von Februar 2003 bis Jänner 2007)

Nach kurzer Zusammenarbeit mit dem Bau- und Tourismusunternehmer Walter Klaus gründete Hubert Gorbach 2007 die Gorbach Consulting in Frastanz.

Seit Mai 2018 ist Hubert Gorbach Mitglied des Aufsichtsrats der Brennerbasistunnel Gesellschaft BBT SE.

In die Medien schaffte es der Vorarlberger im Jahr 2007 mit seinem legendären Bewerbungsbrief beim britischen Finanzminister („The world in Vorarlberg is too small“).

(Bild: Minister Hubert Gorbach im April 2006)

© ÖBB

Mathias Reichhold (FPÖ, Verkehrsminister von Februar 2002 bis Februar 2003)

Das Verkehrsministerium war die letzte politische Station von Mathias Reichhold.

In den Jahren danach war Reichhold unter anderem Vorstandsmitglied der Asfinag sowie Mitglied der Aufsichtsräte des AIT, der Asfinag, der Energie Klagenfurt, der Stadtwerke Klagenfurt und des SK Austria Klagenfurt.

Medienberichten zufolge arbeitet Mathias Reichhold heute als Geflügelbauer in Kärnten.

(Bild: Minister Mathias Reichhold mit ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde im Juni 2002)

© ILS Consult

Monika Forstinger (FPÖ, Verkehrsministerin von November 2000 bis Februar 2002)

Monika Forstinger beendete ihre politische Laufbahn 2002.

2003 gründete sie die Unternehmensberatung .proquest Forstinger.

Monika Forstinger ist zudem Mitglied des Aufsichtsrats der ÖBB sowie des Universitätsrats der Universität für Bodenkultur in Wien.

(Bild: Ministerin Monika Forstinger im Mai 2001 beim Logistik-Dialog der BVL)

© Bundeskanzleramt/HOPI-MEDIA

Michael Schmid (FPÖ. Verkehrsminister von Februar 2000 bis November 2000)

Der Architekt Michael Schmid war nach seiner Zeit als Minister nur noch kurz in der Politik tätig. 2005 trat er als Spitzenkandidat des BZÖ bei den Landtagswahlen in der Steiermark an.

(Bild: Das Kabinett Schüssel I im Jahr 2000. Michael Schmid stehend zwischen Franz Morak und Martin Bartenstein)

© OTS/rubra/Hermann Wakolbinger

Caspar Einem (SPÖ, Verkehrsminister von Jänner 1997 bis Februar 2000)

Der Jurist Caspar Einem war für zwei Jahre Innen- und für drei Jahre Verkehrsminister. Danach war er unter anderem bis 2007 Abgeordneter zum Nationalrat, Mitglied des EU-Konvents sowie von 2001 bis 2007 stellvertretender Klubvorsitzender der SP-Parlamentsfraktion.

Nach seinem Rückzug aus der Politik arbeitete Einem als Vorstand der Privatfluglinie Jetalliance und der Austrian Business Aviation Association. Von 2011 bis 2013 war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Austro Control.

Caspar Einem ist aktuell Vizepräsident des Europäischen Forums Alpbach, Vizepräsident des Kuratoriums des Instituts für Höhere Studien (IHS) und Präsident des Österreichischen Instituts für Internationale Politik.

Seit 2017 ist Einem Aufsichtsratsvorsitzender der Gebrüder Weiss Holding.

(Bild: Minister Caspar Einem im September 1999)

© Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/Jacqueline Godany

Rudolf Scholten (SPÖ, Verkehrsminister von März 1996 bis Jänner 1997)

Dass der kunstsinnige Unterrichts-, Kunst- und Wissenschaftsminister Rudolf Scholten auch Verkehrsminister war, verdankt sich wohl der Tatsache, dass das Amt damals tatsächlich die Agenden Wissenschaft, Verkehr und Kunst vereinte.

Nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung übernahm Rudolf Scholten einen Vorstandsposten bei der Oesterreichischen Kontrollbank (bis 2016) sowie mehrere Aufsichtsrats-Sitze (unter anderem beim Österreichischen Exportfonds, der Oesterreichischen Entwicklungsbank und dem Museum für angewandte Kunst).

Heute ist Scholten Präsident des Bruno-Kreisky-Forums für internationalen Dialog, Aufsichtsratsvorsitzender der Wiener Festwochen, Aufsichtsratsvorsitzender des Österreichischen Filminstituts und Vorstandsmitglied im Verein zur Förderung des Club of Rome – Austrian Chapter.

Im Jahr 2006 gründete Scholten gemeinsam mit dem Schriftsteller Robert Schindel und dem Heidenreichsteiner Bürgermeister Johann Pichler das Festival „Literatur im Nebel“.

(Bild: Rudolf Scholten und Viennale-Direktor Hans Hurch im Jahr 2009)

© OTS-Photo/Henisch

Viktor Klima (SPÖ, Verkehrsminister von April 1992 bis März 1996)

Viktor Klima übernahm nach seiner Zeit als Verkehrsminister für zwei Monate das Finanzministerium, ehe er 1997 Bundeskanzler wurde.

Nach den gescheiterten Regierungsverhandlungen und der Bildung der ÖVP-FPÖ-Regierung 1999 verließ Klima im Jahr 2000 die Politik und heuerte beim Volkswagen-Konzern an, wo er die Verantwortung für Argentinien und später für Südamerika übernahm.

Medienberichten zufolge lebt Viktor Klima heute mit seiner dritten Frau auf einer großen Farm nahe Buenos Aires.

(Bild: Bundeskanzler Viktor Klima mit Wiens Bürgermeister Michael Häupl im Jahr 1999)

© Flickr / SPÖ Presse und Kommunikation / CC BY-SA 2.0 / www.flickr.com/photos/sozialdemokratie/5884288773/in/photostream/

Rudolf Streicher (SPÖ, Verkehrsminister von Juni 1986 bis April 1992)

Rudolf Streicher trat 1992 bei der Wahl zum Bundespräsidenten an, verlor aber in der Stichwahl gegen Thomas Klestil. Danach wechselte er in die Wirtschaft.

Bis 1998 war Rudolf Streicher Generaldirektor der damaligen Steyr-Daimler-Puch-AG, später Hälfteeigner der Steyr Motors. Zwischen 1999 und 2001 war er Vorstandsvorsitzender der ÖIAG.

Hinzu kamen zahlreiche Aufsichtsrats-Posten, unter anderem bei Austrian Airlines, Lauda Air, Tyrolean, Voestalpine, Austria Tabak, Post und Telekom Austria, OMV, Siemens, Post, ÖBB Infra oder Saint-Gobain Isover.

Der begabte Musiker, der heute dem Aufsichtsrat der Wiener Symphoniker vorsitzt, ist Chefdirigent und Künstlerischer Leiter der Musikfreunde Stockerau.

(Bild: Rudolf Streicher im Jahr 2011)

© Parlamentsdirektion / Carina Ott

Ferdinand Lacina (SPÖ, Verkehrsminister von September 1984 bis Juni 1986)

Ferdinand Lacina übernahm nach seiner Zeit als Verkehrsminister bis 1995 das Amt des Finanzministers.

Von 1996 bis 1997 leitete er als Generaldirektor die Geschicke der GiroCredit.

(Bild: Ferdinand Lacina im Jahr 2008)

© gemeinfrei, https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Heinl#/media/File:Eduard_Heinl_(1880%E2%80%931957).jpg

Erster Verkehrsminister der Zweiten Republik war Eduard Heinl (ÖVP, Bild), der das Ressort „Handel und Verkehr“ bereits von 1930 bis 1932 geleitet hatte. Ganze vier Tage lang war er interimistisch Minister, ehe Vinzenz Übeleis das Amt für rund fünf Jahre übernahm (SPÖ, Verkehrsminister von Dezember 1945 bis November 1949). Seine Nachfolger waren:

Karl Waldbrunner (SPÖ, Verkehrsminister von November 1949 bis Dezember 1962),

Bruno Pittermann (SPÖ, Verkehrsminister von Dezember 1962 bis März 1963),

Otto Probst (SPÖ, Verkehrsminister von März 1963 bis April 1966),

Ludwig Weiß (ÖVP, Verkehrsminister von April 1966 bis April 1970),

Erwin Frühbauer (SPÖ, Verkehrsminister von April 1970 bis September 1973),

Erwin Lanc (SPÖ, Verkehrsminister von September 1973 bis Juni 1977) und

Karl Lausecker (SPÖ, Verkehrsminister von Juni 1977 bis September 1984).

© gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jukel_Carl.png?uselang=de

Interessante Namen tauchen unter den Verkehrsministern der Ersten Republik auf.

Darunter etwa Sozialreformer Ferdinand Hanusch (allerdings nur interimistisch für einige Tage im Jahr 1920), der spätere erste Bundespräsident der Republik Österreich, Michael Hainisch (1929 bis 1930), oder auch der spätere Bundeskanzler Julius Raab (Februar bis März 1938)

Österreichs erster „Staatssekretär für Verkehrswesen“ war ein gewisser Carl Jukel (Oktober 1918 bis März 1919), Gastwirt, Ökonom und Gutsverwalter sowie Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag (Bild).