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Wie geht die Digitalisierung im Mittelstand?

Manche Studien behaupten, mittelständische Unternehmen hätten den großen puncto Digitalisierung einiges voraus. Was erfrischend klingt, ist meist aber nicht die Realität. Wovor der Mittelstand Angst hat, weshalb er sich keine Hilfe holt, und warum trotzdem noch alles gut werden kann. Lesen Sie hier alles über eine ziemlich wichtige Dämonenaustreibung.

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Wie es den mittelständischen Unternehmen in diesen Breiten mit der Digitalisierung geht, hängt wohl von der Studie ab, die man zu dem Thema liest. Laut der Plattform Industrie 4.0 Österreich etwa sind sie noch hinten her. So sei das Verständnis um die Wichtigkeit des Themas bei den Leitbetrieben zwar angekommen, gerade Klein- und Mittelbetriebe müssten aber noch aufspringen. Das Know-how sei über die Jahre zwar angesammelt, aber nicht ausreichend dokumentiert worden – was Probleme macht, wenn entsprechende Mitarbeiter in Pension gehen, was derzeit verstärkt der Fall sei, so Brigitte Ederer, Präsidentin des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie.

Digitalisierung in der Logistik und im Mittelstand

Auch teilweise unterschiedliche Zahlen bekommt man, wenn man es ganz genau mit Bezug auf die Logistik wissen will. Laut Trendbarometer der Fachmesse transport logistic etwa sehen 33 Prozent der Logistiker noch Herausforderungen puncto Digitalisierung, viele sind aber bereit, Investitionen zu tätigen. Eine Umfrage der Boston Consulting Group ergibt, dass österreichische Industrieunternehmen immerhin schon mehr die Potentiale denn Gefahren in der Digitalisierung sehen. Und laut einer gemeinsamen Erhebung des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Deutschland und der Hochschule Fulda sind Supply-Chain-Managern und Führungskräfte in IT oder Logistik viele Digitalisierungstechnologien zwar bekannt, werden aber noch gar nicht oder kaum genutzt.

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Doch wie sieht es da speziell beim Mittelstand aus? Eine aktuelle gemeinsame Untersuchung des Instituts für Internet und Gesellschaft und Sirius Minds meint nun aber, der deutsche Mittelstand sei großen Unternehmen teilweise sogar einen Schritt voraus, was die Umsetzung digitaler Maßnahmen betrifft. Betonung auf „teilweise“. Es ist also einfach eine höchst individuelle Angelegenheit. 

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Besser als Großunternehmen?

Fakt ist und bleibt, dass einer der Hauptgründe, den Aufsprung auf den digitalen Zug zu verpassen, die Frage des Finanziellen ist. Ein Großunternehmen kann das finanzielle Risiko, so es denn eines ist, natürlich eher auf sich nehmen als wenn es klein oder mittelständisch ist. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich externe Hilfe eher leisten zu können. 

„Der Mittelstand wird häufig dafür kritisiert, dass er die Digitalisierung verschlafen würde. Dabei wird leicht übersehen, dass er gerne im Verborgenen innoviert“, so Martin Wrobel und Alexander Nicolai, die Autoren der eingangs angesprochenen Studie „Digitale Innovation im Mittelstand: Fallbeispiele erfolgreicher Digitalisierungsprojekte“. Sie haben sich fünf mittlere Unternehmen aus verschiedenen deutschen Regionen angeschaut und wollen festgestellt haben: die Digitalisierungsinitiativen sind den Kunden oft sehr viel näher und mehr mit dem Kerngeschäft verbunden als jene großer Unternehmen.

© YouTube/ Welt der Wunder

Doch fünf Fallbeispiele machen noch keine Regel. Viele Fragen und Sorgen beschäftigen die KMU noch und halten sie womöglich zu lange von Digitalisierungsmaßnahmen ab. 

Wenn alle von der Volldigitalisierung sprechen...

Da wäre zu allererst einmal das Ausmaß der Digitalisierung. Viele Unternehmen stellen sich vor, es sei eine Frage von Schwarz oder Weiß, eine komplette Digitalisierung des Betriebes oder ein Ausharren ohne irgendwelche Maßnahmen, bis man irgendwann ganz weg vom Fenster ist. 

Dabei kann ein Unternehmen durchaus auch teilweise digitalisiert werden. Es geht sogar nur schrittweise, findet Peter Weisbach, Executive beim deutschen IT-Systemhaus Bechtle. Wichtig ist, dass jeder unternommene Schritt, durchdacht und konkret ist. Nur so gibt es auch eine Chance auf Erfolg. Das meint auch Michael C. Reiserer, Mitbegründer von Apiomat, einem deutschen Start-up und Hersteller einer Multi-Experience-Softwareplattform, und fügt hinzu: „Wenn etwas nicht erfolgreich ist, muss man auch bereit sein, wieder einen Schritt zurückzugehen.“ 

https://youtu.be/xsf4SHzPnEw

Schließlich ist der Begriff Digitalisierung auch ein sehr breit gefächerter. Zum einen bezeichnet er die Umwandlung analoger Prozesse und Informationen; zum anderen die tatsächliche Entwicklung einer digitalen Strategie. Schon allein der Entschluss, vom Papier wegzukommen, ist ein Schritt zur Teildigitalisierung – und bedeutet, Prozesse und Hintergründe transparenter, schneller und sicherer zu gestalten.

Wer ist hier der Digital-Boss?

Als nächstes drängt sich natürlich die Frage auf: Und wer macht das alles? Wer übernimmt die Arbeit? Für Reiserer ist das ganz klar die IT-Abteilung eines Unternehmens: „Im Rahmen der Digitalisierung muss die IT zum „Enabler“ werden, zum Träger von Kompetenz, zum Business-Partner des Unternehmens.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass die Aufgabe in eine Abteilung abgeschoben wird und den Rest des Betriebes nichts angeht. Im Gegenteil. „Die Digitalisierung muss in der Gesamtstrategie eines Unternehmens verankert sein. Digitalisierung ist nicht, wie man zunächst denken könnte, ein reines Technologie- sondern auch ein Business-Thema“, sagt etwa Kay Müller-Jones, Head of Consulting and Services Integration beim Beratungsunternehmen Tata Consultancy Services. Eine zentrale Figur, die speziell für das Thema Digitalisierung verantwortlich ist, ist eine Lösung. Mittelständische Unternehmen können sich die Schaffung einer solchen Position auch leisten. 

Die Inanspruchnahme externer IT- und Security-Dienstleister ist derweil alles andere als ein Zeichen der Schwäche. So wird vielmehr die eigene IT entlastet und Möglichkeiten der internen Entwicklung gesichert. Gerade durch die Inanspruchnahme von Dienstleistern schafft die Digitalisierung auch Jobs. 

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Etwa 43 Prozent der deutschen Unternehmen haben sich laut einer Umfrage des deutschen Bundesverbands für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien bereits extern beraten lassen oder es vor. Und der Bedarf – oder vielmehr die Bereitschaft, den eigenen Bedarf zu erkennen und abzudecken – steigt. Die Zahlen muten aber im Detail betrachtet etwas anders an: je kleiner das Unternehmen, desto zögerlicher die Bereitschaft. Nur 32 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben Beratung in Anspruch genommen, während es bei Kleinunternehmen noch weniger, bei Großunternehmen hingegen gut die Hälfte sind. 51 Prozent der mittleren Unternehmen sagen, weder Hilfe ins Haus geholt zu haben, noch dies zu planen. Wiederum sind es noch mehr bei den Kleinunternehmen, aber nur 29 Prozent unter den Großunternehmen. 

Was müssen wir können?

Externe Hilfe muss natürlich nicht sein. Kompetenz aber schon. Hier drängt sich bei vielen Unternehmen die Frage auf: welche Kompetenzen müssen das sein? Ohne Wissen um die Antwort ist eine Umsetzung ohne Hilfe natürlich schwer möglich. 

Der Bundesverband Bitkom rät ganz klar zu einem Digitalteam. Die Mitarbeiter darin sollen möglichst aus unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens kommen. So kann nicht nur diversifiziertes Wissen akkumuliert, sondern auch gleich festgestellt werden, welcher Bereich wie sehr von der Digitalisierung betroffen sein wird und welche Maßnahmen dafür ergriffen werden müssen. Junge Menschen, die wahrscheinlich von Natur aus mit mehr Technik aufgewachsen sind, sollten eingebunden werden. Christoph Maier, Geschäftsführer des deutschen Server-Onlineshops Thomas-Krenn, ist kein Fan, sich von externen Dienstleistern abhängig zu machen; aber: „Ohne die Bereitschaft, sich und das Unternehmen zu optimieren, funktioniert gar nichts. Es hilft wenig, wenn der IT-Mitarbeiter, der seit 20 Jahren Mailserver betreut, jetzt auf einmal Kundendaten auswerten soll. Das Verständnis, welche Kompetenz benötigt wird, ist ebenso wichtig wie die Kompetenz selbst.“

https://youtu.be/zGq8o5sfpNs

Auch hier muss es nicht heißen Schwarz oder Weiß. Es ist durchaus möglich, dass ein Unternehmen 20 bis 30 Prozent der Services selbst übernimmt und den Rest auslagert. Das verhindert auch eine zu hohe Abhängigkeit externer Dienstleister. Dazu muss ein Unternehmen sich aber ernsthaft Gedanken darüber machen, wie viel Prozent sie wirklich auslagern können, wollen und müssen. Es ist eine Frage des eigenen Know-hows, der eigenen Zeit und Ressourcen im Sinne von Mitarbeitern, aber auch eine Frage der finanziellen Ressourcen. Auch hier kommt die Erstellung eines Digitalteams gelegen. Innerhalb des Teams sind Hierarchien durchaus erlaubt, rät Bitkom.   

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