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Wie wichtig ist Recycling im Versandhandel?

Der E-Commerce boomt und damit fallen mehr Verpackungen an. Doch interessiert das die Betriebe und Kunden? Welches Verpackungsmaterial am besten für die Umwelt ist, warum biologisch abbaubarer Kunststoff mehr belastet als nutzt und warum Recycling auch für die Händler von Vorteil ist.

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Heute ist Global Recycling Day, doch das Thema Wiederverwertung spielt gerade im Versandhandel das ganze Jahr über eine zunehmend wichtige Rolle. Schließlich geht es bei Versandverpackungen darum, die Ware die ganze Lieferung hindurch zu schützen – gleichzeitig soll sie aber auch halbwegs attraktiv aussehen, das Unternehmen nicht zu viel kosten, und für den Endverbraucher leicht zu entsorgen sein. Tatsächlich nimmt das Thema Recycling bei einem Großteil der Online-Shopper schon eine wichtige Rolle ein – und damit auch bei Online-Händlern, die den Wünschen ihrer Kunden entsprechen wollen.

So ergab kürzlich eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid im Auftrag des deutschen Verbandes der Wellpappen-Industrie, dass 70 Prozent der Versandhändler die Qualität ihrer Verpackungen für wichtig oder sehr wichtig für ihren Erfolg halten. Am meisten geht es demnach natürlich um den Schutz der Ware; außerdem stellt die Verpackung eine Art Visitenkarte des Unternehmens dar. Aber immerhin 78 Prozent der Händler und 93 Prozent der Verbraucher wollen auch Verpackungen, die gut zu recyceln sind. Dieser Aspekt ist den Kunden sogar noch wichtiger als dass der Karton leicht zu zerkleinern ist. Außerdem scheinen sich die Verbraucher ganz gut auszukennen, denn immerhin fast drei Viertel bevorzugen es, wenn ihre Bestellungen in nur einem Material verpackt werden.

Der Karton als Visitenkarte des Händlers 

Und damit haben sie, was Recycling angeht, ganz recht. Eine Kombination verschiedener Materialien erschwert nicht nur die spätere Wiederverwertung, sondern ist auch meistens nicht nötig für den Schutz der Ware. Betriebe, die im E-Commerce mitmischen und weder Umwelt noch Kunden enttäuschen wollen, sollten daher Abstand davon nehmen, Karton mit Kunststoff-Folie oder Kunststoff-Kuverts mit Papieraufklebern zu kombinieren. Am schlimmsten ist aber beidseitig mit Kunststofffolie beschichtetes Papier. Die Papierfasern sind dann komplett eingeschweißt und es braucht den zusätzlichen Arbeitsschritt des Shredderns, um die Fasern überhaupt recyclingfähig zu machen. 

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Wie gesagt, sind solche Kombinationen aber meistens sowieso nicht für den Schutz der Ware nötig – und für den Endkunden offensichtlich auch unattraktiv, also doppelt zu vermeiden. Im Allgemeinen hat der Versandhändler mehr davon, seine Verpackungen nicht unnötig aufwendig oder groß zu gestalten. Um hier entgegenzuwirken, können mehrere Bestellungen eines Kunden in einem passenden Karton gebündelt werden. Waren, die nicht zerbrechlich sind, können in einfachen Umschlägen verschickt werden und statt auf Styroporflocken oder Luftpolsterfolie auf Recyclingpapier als Polstermaterial gesetzt werden. Schließlich bedeuten einzelne Kartons und Kartonagen für jede Bestellung einfach nur mehr Ressourcenverbrauch - in der Herstellung, im verwendeten Material und schließlich auch im Transport. Der Kunde hat bei der Entsorgung auch nicht mehr Spaß an mehr Kartons - oft nehmen sie im Online-Handel daher schon die Möglichkeit in Anspruch, ihre Bestellungen in so wenige Lieferungen wie möglich zusammenzufassen. Amazon etwa bietet diese Option an. 

Shreddern bis zur Recyclingfähigkeit 

Recyclingpapier beziehungsweise -karton ist sowieso eine gute Idee, denn Frischfasern sind natürlich bloß eine weitere Umweltbelastung. Außerdem sollten die Fasern aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Darauf weisen die Labels FSC und PEFC hin. Und gebleichtes Papier ist ebenfalls zu vermeiden, zumal meisten Chlor zum Bleichen eingesetzt wird.

Natürlich gibt es auch Recyclingkunststoff. Die Sorten PE und PP lassen sich gut wiederverwerten, PVC hingegen nicht, denn hier muss Weichmacher eingesetzt werden. Zunehmend wird auch mit biologisch abbaubaren Kunststoffen geworben. Doch sind sie wirklich die passende Lösung für den umweltbewussten Online-Shop? Laut dem deutschen Umweltbundesamt sind die biologisch abbaubaren Kunststoffe keineswegs besser als herkömmliche – denn durch den Anbau und die Verarbeitung der nötigen Pflanzen für die Kunststoffe entstehen höhere Feinstaubemissionen. Außerdem werden Böden und Gewässer belastet. Abbaubare Kunststoffe werden außerdem selbst nicht recycelt und können die Wiederverwertung herkömmlicher Materialien sogar stören.

„Darüber nachdenken, welche Verpackungen wirklich notwendig sind“

Das größte Thema bei Verpackungen ist und bleibt aber der Karton. Von den 18,2 Millionen Tonnen Verpackungen, die in Deutschland 2016 – dem letzten aktuellen Stand – anfielen, machten Papier, Pappe und Kartonagen 8,1 und Kunststoffe 3,1 Millionen Tonnen aus. Sogar Holz wurde etwas mehr verwendet als Kunststoff, was an Transportverpackungen wie Paletten oder Kisten liegt. Diese werden übrigens wiederverwendet und bei Beschädigungen entweder repariert oder recycelt.

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Das Thema Verpackung spielt eine zunehmend tragende Rolle. Das zeigt sich einerseits an den mit jedem Jahr steigenden Abfällen – keine Überraschung, schließlich wird auch immer mehr im Onlinehandel bestellt. Andererseits sieht man die Wichtigkeit auch am neuen deutschen Verpackungsgesetz, das mit Anfang dieses Jahres in Kraft trat. Ausgangslage der Novelle war die Realisierung, dass die Verwertungsquoten seit Jahren ohne Probleme erreicht wurden und ambitionierter angesetzt werden sollten. Statt wie zuvor 70 Prozent müssen nun 85 Prozent von Papier, Pappe und Karton wiederverwertet werden – ab 2022 sogar 90 Prozent. Bei Kunststoffen sind es nunmehr 85,5 statt 36 Prozent und ab 2022 bereits 63 Prozent. Außerdem soll durch das neue Gesetz der Wettbewerb in der Branche transparenter und fairer gestaltet werden. „Wir wollen, dass die Wirtschaft umfassend darüber nachdenkt, welche Verpackungen wirklich notwendig sind und welche Materialien umweltschonend zum Einsatz kommen“, sagt die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze zu der Novelle. „Weniger Verpackungen, diese aber besser recycelbar – das ist das Ziel.“

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