Probleme in der Supply Chain

So begegnet Ikea den Lieferengpässen

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Viele große Einzelhändler wie Walmart oder Home Depot haben bereits den Schritt gesetzt, selbst gegen Containermangel & Co. vorzugehen, indem sie selbst Container kaufen und Schiffe chartern. Nun hat auch Ikea die Lösung der Probleme selbst in die Hand genommen.

Ikea bestätigte gegenüber dem US-Sender NBC News, dass das Unternehmen nun selbst Waren mit gecharterten Schiffen transportiert. Das Unternehmen teilte außerdem mit, dass es Container kauft, um die Verfügbarkeit von Kisten für den Transport der Waren zu seinen Geschäften sicherzustellen.

In einem Gespräch mit dem schwedischen Nachrichtenblatt Svenska Dagbladet erläuterte Ikea, dass die anhaltende Überlastung der Häfen und Zwischenfälle wie das Feststecken der Ever Given und das monatelange Tauziehen um das Containerschiff das Unternehmen zu diesen Schritten bewogen hatte. Die Verknappung von Rohstoffen und die Probleme in der gesamten globalen Lieferkette hätten demnach zu Engpässen und nicht vorrätigen Artikeln in den Geschäften geführt.

Viele große Konzerne helfen sich selbst

Ikea reiht sich damit in eine wachsende Liste von Einzelhändlern ein, die eine bessere Kontrolle über den Versand von Waren anstreben. Im Frühjahr war die Baumarktkette Home Depot der erste, der öffentlich über das Chartern von Schiffen sprach. Seitdem haben andere große Einzelhändler ähnliche Schritte unternommen. Walmart meldete, dass einige seiner Händler Schiffe gechartert haben, genauso wie die Discount-Einzelhandelskette Dollar Tree in den USA und Kanada.

Um das Ausmaß des Problems zu verdeutlichen, teilte Dollar Tree den Investoren mit, dass es trotz langfristiger Frachtverträge davon ausgeht, dass seine regulären Spediteure "nur 60 bis 65 Prozent ihrer Verpflichtungen erfüllen werden". Aber auch beim Chartern von Schiffen sind laut Dollar Tree Probleme aufgetreten. Eines der gecharterten Schiffe des Unternehmens wurde zwei Monate lang aufgehalten, weil ein Besatzungsmitglied positiv auf COVID getestet wurde. "Angesichts des derzeitigen Drucks auf die Spediteure gibt es nicht genügend Kapazitäten, um Unterbrechungen in der Lieferkette zu kompensieren", sagte Mike Witynski, Präsident und Chief Executive Officer von Dollar Tree, wie der Online-Dienst Maritime Executive berichtete.

Die großen Spediteure haben alle verfügbaren Kapazitäten in Betrieb genommen und oft zusätzliche Lader auf den Hauptrouten eingesetzt. Da die Kapazitäten jedoch nach wie vor begrenzt sind, wurde nach anderen Lösungen gesucht. Das US-Logistikunternehmen Schneider National gab bekannt, dass es ein Stückgutfrachtschiff gechartert hat, das nicht für den Transport von Containern gebaut wurde, um Kunden beim Transport von Sendungen von China in die Vereinigten Staaten zu helfen. Nun wird in Schifffahrtskreisen immer häufiger davon gesprochen, dass die Massengutfrachter die Verladung von Containern auf ihren Schiffen in Erwägung ziehen. Versicherungsverbände warnen vor den Gefahren.

Containerpreise steigen

"In den letzten Wochen haben wir von Massengutfrachtern gehört, die versuchen, sich als Boxschiffe, als Containerschiffe, zertifizieren zu lassen. Das würde ihnen natürlich erlauben, Container zu transportieren", sagte Ulrik Andersen, CEO der Golden Ocean Group, Ende August vor Investoren. "Wir prüfen auch diese Möglichkeit. Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob dies geschieht.

Die Containerpreise haben sich indes fast vervierfacht, wie WKO-Spartenobmann Alfred Wolfram kürzlich im Ö1 Morgenjournal berichtete. Demnach kostete ein 40-Fuß-Container von Shanghai Ningbo nach Rotterdam oder Bremen vor Corona noch etwa 4.000 Dollar, heute stehe der Frachtpreis bei 15.400 Dollar. "Vor der Pandemie musste man sechs Wochen auf den Container warten, heute, beim Transport über den Seeweg, vier Monate", so Wolfram.

Österreich importiere laut einer Wifo-Studie Waren im Wert von 14,5 Millionen Euro aus Asien, 40 Prozent davon auf dem Seeweg, die meisten Produkte kommen aus China.