Handel : Zollreformen und Diversifizierung treiben den Handel im Nahen Osten an

Gestapelte Container
© frank mckenna

Mit einem Handelsvolumen von 286 Milliarden US-Dollar bis Ende 2023 dominiert Saudi-Arabien die wirtschaftlichen Austauschbeziehungen im Nahen Osten deutlich. Der Abstand zu den Nachbarstaaten ist beträchtlich: Der Irak exportierte im gleichen Zeitraum Waren im Wert von 132 Milliarden US-Dollar, Jordanien 39 Milliarden und Kuwait lediglich 12 Milliarden. Auch auf der Importseite liegt das Königreich mit einem Plus von zwölf Prozent auf 213 Milliarden US-Dollar deutlich voran – ein Hinweis auf steigende Inlandsnachfrage und Bevölkerungswachstum.

Wandel hin zu nicht-ölbasiertem Handel

Die Länder der Region verstärken ihre Bemühungen, sich von der Abhängigkeit vom Erdöl zu lösen. Die Kürzung der Ölproduktion in den Golfstaaten – insbesondere in Saudi-Arabien und Kuwait – hat diesen Wandel zusätzlich beschleunigt. Zwar bleibt die Ölproduktion im Irak stabil, doch sinkende Preise drücken dort auf die Exporterlöse.

Die Diversifizierungsstrategien zeigen sich unter anderem in Jordaniens Fokus auf den Ausbau des Handels innerhalb der Greater Arab Free Trade Area (GAFTA). Im Jahr 2023 gingen 18,9 Prozent der jordanischen Exporte an GAFTA-Mitgliedsländer. Saudi-Arabien verfolgt unterdessen das Ziel, Industrieexporte im Wert von 557 Milliarden SAR bis 2030 zu erreichen. Auch regionale Infrastrukturprojekte, wie die geplante Landverbindung vom Irak über Jordanien nach Ägypten, sollen den intraregionalen Handel stärken.

Zollreformen: Länder im Überblick

Kuwait
Kuwait reformiert seine Zollverfahren über die Allgemeine Zollverwaltung und hat das WTO-Handelserleichterungsabkommen unterzeichnet. Waren mit mindestens 40 Prozent Wertschöpfung innerhalb der GCC-Mitgliedstaaten sind von Einfuhrzöllen befreit. Zudem setzt das Konformitätssicherungssystem KuCAS auf technische Bewertungs- und Inspektionsberichte (TER und TIR), um die Qualität importierter Produkte sicherzustellen. Ein Online-Zollportal unterstützt die digitale Abwicklung.

Jordanien
Die jordanische Zollbehörde (JCD) hat ein elektronisches System zur Transitüberwachung (TMFS) eingeführt. Dies ermöglicht eine schnellere, sicherere Abfertigung. Die Senkung des Höchstzollsatzes auf 15 Prozent hat dazu beigetragen, dass das Handelsvolumen in den jordanischen Freihandelszonen zwischen 2022 und 2023 um mehr als 30 Prozent gewachsen ist.

Irak
Im Irak sorgt die Luftfrachtkontrollstelle (ACCU) im Rahmen der Luftfrachtinitiative für mehr Transparenz in den regulatorischen Prozessen. Am Flughafen Bagdad ist das automatisierte Zollsystem ASYCUDA in Betrieb, das von UNCTAD unterstützt wird und Technologien wie KI, maschinelles Lernen und Blockchain einsetzt.

Saudi-Arabien
Die saudische Zakat-, Steuer- und Zollbehörde (ZATCA) verfolgt eine umfassende Digitalisierung ihrer Prozesse. Mit dem Konzept der „Abfertigung innerhalb von zwei Stunden“ und der Online-Plattform Fasah will die Behörde eine nachhaltige und schnelle Zollabwicklung sicherstellen. Außerdem schafft sie Exportgebühren für lokale Unternehmen ab – ein Schritt, der die nationale Wirtschaft langfristig stärken soll.