Flottenmanagement

Wie ForkOn das Flottenmanagement revolutionieren will

Das deutsche Start-up ForkOn behauptet, die Kosten von Stapler-Flotten im Schnitt um 25 Prozent senken zu können. dispo hat Managing Director und Gründer Tim Klauke gefragt, wie das funktionieren soll.

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Intralogistik ForkOn Flottenmanagement Stapler Tim Klauke

Tim Klauke (vorne Mitte) und das Team von ForkOn.

dispo: Herr Klauke, alle Staplerhersteller bieten Flottenmanagementsysteme an, die den Ruf haben, auch zu funktionieren. Wo sehen Sie da Verbesserungspotenzial?

Tim Klauke: Ich habe neun Jahre für Jungheinrich gearbeitet, habe im Vertrieb sehr viele Kundenprojekte begleitet. Unter anderem auch im Zusammenhang mit ISM Online, das tatsächlich ein tolles System ist. Von den Flottenmanagern habe ich allerdings immer wieder als Feedback erhalten: Die Systeme funktionieren zwar für die Geräte des jeweiligen Herstellers sehr gut, wenn aber ein Unternehmen aus betrieblichen Gründen eine gemischte Flotte betreibt, gibt es kein Angebot. Außerdem habe ich häufig den Wunsch nach einer unabhängigen und transparenten Kostenberatung gehört. Die Hersteller verdienen ja vor allem mit ihren Services und Ersatzteilen, und die entsprechende Beratung ist naturgemäß nicht neutral.

dispo: Das klingt nach einem impliziten Vorwurf.

Klauke: So ist das aber nicht gemeint. Selbstverständlich berät jeder Hersteller in seinem Sinne. Und selbstverständlich will jeder Hersteller die Flotten der Kunden homogenisieren. Ich sehe ForkOn als eine vom Markt gewünschte Ergänzung, nicht als implizite Kritik an den Staplerherstellern. ForkOn ist der unabhängige Dritte, der sich ausschließlich darauf konzentriert, die Flotte des Kunden zu optimieren und Einsparungspotenzial aufzuzeigen.

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dispo: Und wie funktioniert diese Ergänzung?

Klauke: Der erste Schritt besteht im Erfassen, Homogenisieren und Zusammenführen der Flotten-relevanten Daten. Quellen sind etwa die vorhandenen Flottenmanagementsysteme oder diverse Datenbanken. Wir führen die operativen, die technischen und die kaufmännischen Daten zusammen, um sie mit unserer Software auszuwerten.

dispo: Sind fehlende Daten nicht sehr häufig ein Problem?

Klauke: Das ist leider so. Manche Betreiber großer Logistikzentren haben tatsächlich keinen Überblick über ihre Flotte. Viele wissen nicht, wie viele Geräte wo bereitstehen, wie die genauen Abläufe aussehen oder wo die großen Kostentreiber sind. Wir konzentrieren uns derzeit noch auf jene Kunden, die eine gute Datenbasis haben, das sind unsere Early Adopters. Wir wollen künftig allerdings auch die anderen abholen, weshalb wir auch weitere Kooperationen mit Hardware-Partnern eingehen werden, um neue Datenquellen zu erschließen.

Es gibt aber ein weiteres Problem: Auch Unternehmen, die über sehr gute Daten verfügen, haben oft zu wenig Zeit oder auch zu wenig Know-how, um sie auszuwerten und auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen. Das ist der zweite Schritt und der Kern unseres Geschäftsmodells: Wir liefern unseren Kunden Handlungsempfehlungen. Die meisten wollen ja keine weiteren Daten sehen, sondern konkrete Vorschläge.

dispo: Vorschläge zu welchen Themen?

Klauke: Es geht um die klassischen Ziele von Flottenmanagementsystemen – Predictive Maintenance etwa, das Erstellen einer KPI-Scorecard, Ablauf-Optimierung, die Steuerung des Einkaufs von Ersatzteilen, oder auch die Optimierung von Fahrwegen: Wenn das System etwa bemerkt, dass an einer bestimmten Stelle immer wieder die gleichen Schäden auftreten, könnte das an einer ganz banalen Bodenkante zwischen zwei Hallen liegen.

dispo: Künstliche Intelligenz ist ein Teil des Systems?

Klauke: Ja, das System ist selbstlernend. Die Algorithmen abstrahieren zunächst die Informationen in eine Form, die Vergleichbarkeit erlaubt. Diese Informationen laufen im Hintergrund zusammen, und das System lernt, durch Vergleich Muster zu erkennen.

dispo: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Klauke: ForkOn ist Software as a Service, die Kunden bezahlen, abhängig von der Größe ihrer Staplerflotte, eine monatliche Gebühr für die Nutzung. Das System ist modular aufgebaut, man kann es also nach Bedarf sehr flexibel zusammenstellen. Wir sind übrigens dabei, permanent neue Module zu entwickeln. Die Flottenanalyse ist mit der Gebühr nicht abgedeckt – die Kosten richten sich hier allerdings streng nach der tatsächlichen Einsparung, die wir beim Kunden unmittelbar und nachweisbar erreichen können.

dispo: Gibt es eigentlich die Idee, die Flottenmanagementsysteme der Staplerhersteller mit Ihrem System zu verbinden?

Klauke: Das ist natürlich eine spannende Vision, es hat diesbezüglich allerdings noch keinerlei Kontakt gegeben. Ich habe jedoch den Eindruck, dass sich hier schon etwas bewegt, manche Staplerhersteller haben ihre Systeme ein Stück weit geöffnet und Schnittstellen eingebaut. Sie befinden sich ja in einer gewissen Zwickmühle: Dem nachvollziehbaren Wunsch, sich gegenüber dem Mitbewerb abzukapseln, steht der Wunsch der Kunden gegenüber, gemischte Flotten mit übergreifenden Systemen erfassen zu können. Ich kann mir vorstellen, dass der Druck von Kundenseite größer werden wird.

dispo: Sie sind also nicht der Feind?

Klauke: Keineswegs. ForkOn hat sich das Ziel gesetzt, die Staplerflotten dieser Welt effizienter zu machen, und das ist die klare Anforderung aller Kunden. Für die Hersteller kann es ein starkes Vertriebsargument sein, durch Anbindung und Öffnung an unser System bei der Optimierung der Staplerflotte zu unterstützen. Unser Interesse besteht auch darin, die Zusammenarbeit und die Prozesse zwischen Kunden und Hersteller durch unsere Softwarelösung und Schaffung von Transparenz zu verbessern.

ForkOn © ForkOn

„Führen operative, technische und kaufmännische Daten zusammen“: ForkOn-Dashboard.

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