Lieferketten

Auch die "Ever Given" ist noch Schuld an Lieferengpässen

© Kees Torn

Der "Ever Given"-Vorfall vom März wirkt noch nach. Das Container-Schiff war am 23. März im Suez-Kanal in einen Sandsturm geraten und auf Grund gelaufen. Sechs Tage lang blockierte es den Suezkanal, trotzdem verließ das 400 Meter lange Schiff Ägypten erst am 7. Juli - 106 Tage, nachdem es im Kanal quergelegen hatte.

Denn nach der Bergung war das Schiff von der Kanalbehörde beschlagnahmt worden. Die hatte eine Entschädigung von mehr als 460 Millionen Euro gefordert. Erst Anfang Juli hatte sich die Behörde mit dem japanischen Schiffseigner geeinigt, und das Schiff konnte seine Reise fortsetzen. Wie viel am Ende für den Schaden bezahlt wurde, ist nicht bekannt. Die „Ever Given“ fährt unter der Flagge Panamas und wurde vor der Havarie von einem in Taiwan ansässigen Unternehmen gechartert.

Vor drei Wochen ist die "Ever Given" nun am Zielhafen in Rotterdam angekommen - und ist trotzdem noch nicht entladen. Denn der Eigner des Schiffes hat die sogenannte Havarie grosse angemeldet. Der Reeder will damit erreichen, dass sich alle Händler, die Waren an Bord der Ever Given haben, an den Kosten beteiligen.

Die Havarie Grosse liege vor, erklärt der Risiko- und Versicherungsmanager Greco auf seiner Webseite, "wenn der Kapitän eines Schiffs zur Rettung aus unmittelbarer, gemeinsamer Gefahr für Schiff und Güter außergewöhnliche Aufwendungen wie für die Bergung oder Aufführungen (zum Beispiel Seewurf von Gütern, Strandung des Schiffes, Flutung der Lagerräume bei Feuer) veranlassen muss. Diese Schäden und Kosten werden proportional zu den Beitragswerten von Schiff, Ladung und Frachtgeld aufgeteilt und müssen von den jeweiligen Wareninteressenten (Beitragspflichtigen) getragen werden."

Bei der "Ever Given" müssen sich die Frachtkunden mit einem Viertel ihrer Frachtkosten am Schaden beteiligen. Dies können oder wollen scheinbar einige Kunden nicht bezahlen: Anfang August hätte das Frachtschiff Rotterdam wieder verlassen und ins britische Felixstowe fahren sollen. Aktuell liegt es aber immer noch in Rotterdam vor Anker.