Telematik : Proaktives Fahrer-Coaching: Mit KI gegen Fachkräftemangel und Unfallrisiken

Mensch auf gabelstapler
© Powerfleet

Laut Informationen der deutschen Bertelsmann Stiftung blieben im Jahr 2022 rund 253.487 Stellen in der Logistikbranche unbesetzt. Unternehmen müssen sich von anderen abheben und teils kreative Wege gehen, um Personal zu finden - und auch zu binden.

Ein Lösungsansatz für den zweiten Aspekt, der derzeit zunehmend in den Fokus rückt, ist das proaktive Fahrer-Coaching. Anstatt auf Unfälle oder Regelverstöße erst im Nachhinein zu reagieren, setzen Unternehmen verstärkt auf präventive Maßnahmen – unterstützt durch künstliche Intelligenz. Der Telematik-Anbieter Powerfleet hebt hervor, dass die Gesundheit und Sicherheit der Belegschaft höchste Priorität haben sollten. Denn die Konsequenzen eines einzelnen Stapler-Unfalls können gravierend sein: „Ein einzelner Unfall mit einem Gabelstapler kann Kosten von über 180.000 US-Dollar verursachen“, rechnet Powerfleet in einer Aussendung vor.

Traditionelle Schulung oft zu spät

In vielen Betrieben erfolgt das Fahrer-Coaching nach wie vor reaktiv – also erst dann, wenn ein Vorfall bereits geschehen ist. Diese Praxis greift jedoch zu kurz, denn zu diesem Zeitpunkt ist der Schaden meist bereits eingetreten. Neben körperlichen Verletzungen können Unternehmen mit erheblichen finanziellen Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten und steigende Versicherungsprämien konfrontiert werden. Auch die Mitarbeiterbindung leidet, denn üblicherweise fühlen sich Fahrer und Lagerfachkräfte häufig bloßgestellt, wenn risikoreiches Verhalten erkannt, aber nicht direkt verändert wird. Die Folge sei ein Rückgang der Zufriedenheit und eine wachsende Wechselbereitschaft – ein Teufelskreis, dem Unternehmen nur mit einem grundlegend neuen Ansatz entkommen können.

KI als präventives Werkzeug

Technologische Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz versprechen hier Abhilfe. Telematiksysteme analysieren das Fahrverhalten in Echtzeit und liefern unmittelbare Hinweise. So lassen sich riskante Verhaltensweisen wie das Bedienen des Smartphones während der Fahrt oder das Nichtanlegen des Sicherheitsgurts frühzeitig erkennen und korrigieren – bevor es zu einem Unfall kommt.

Die Technologie setzt dabei auf akustische und visuelle Warnsignale in der Fahrerkabine. Fahrer werden dadurch in die Lage versetzt, ihr Verhalten direkt selbst zu korrigieren, ohne auf die Intervention durch einen Vorgesetzten warten zu müssen. Das senkt nicht nur das Unfallrisiko, sondern reduziert auch den psychischen Druck, der durch nachträgliche Belehrungen oder Abmahnungen entstehen kann.

Ein weiterer Aspekt des präventiven Ansatzes ist die gezielte Förderung positiven Verhaltens. Fahrer erhalten über das System Zugang zu ihren Sicherheitsdaten und können ihre Leistungen mit denen der Kollegen vergleichen. Unternehmen haben dadurch die Möglichkeit, sicherheitsbewusstes Verhalten aktiv zu belohnen – etwa durch Prämien oder öffentliches Lob. Wenn Unternehmen sicheres Fahrverhalten belohnen und positive Fortschritte würdigen, können Flottenmanager die Leistung der Fahrer und Lagerfachkräfte anerkennen und den Lerneffekt steigern.