Sport-Logistik

Die Tour de Logistik – so funktioniert das größte Radrennen der Welt

Wie viele Menschen braucht es zum Würstchenverteilen? Wann haben die Ärzte am meisten zu tun und was, wenn ein Röntgen benötigt wird? Wie bringt ein 700-Einwohner-Bergdorf 2000 erschöpfte Journalisten unter? Die Tour de France ist nicht nur für Fans des Radsports ein Ereignis – wie sich Organisatoren, Techniker und Polizisten jedes Jahr ein gelbes Trikot verdienen.

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© Vzach - Eigenes Werk, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:TourDeFrance_2005_07_09.jpg

Wie die Tour de France funktioniert? Nun, verschiedene Strecken, quer durch Frankreich, bisschen Spanien, gelbes Trikot, wichtigstes Radrennen der Welt – so ungefähr, nicht wahr?

Ja, ungefähr. Aber während die Augen der Fans an den Rädern kleben, werden im Hintergrund tausende kleine Rädchen wie in einem gut geölten Uhrwerk bewegt – und ohne diese fleißigen Helfer im Hintergrund gäbe es gar kein Rennen. Es ist die Tour de Logistik.

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© Vzach - Eigenes Werk, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:TourDeFrance_2005_07_09.jpg

Wie die Tour de France funktioniert? Nun, verschiedene Strecken, quer durch Frankreich, bisschen Spanien, gelbes Trikot, wichtigstes Radrennen der Welt – so ungefähr, nicht wahr?

Ja, ungefähr. Aber während die Augen der Fans an den Rädern kleben, werden im Hintergrund tausende kleine Rädchen wie in einem gut geölten Uhrwerk bewegt – und ohne diese fleißigen Helfer im Hintergrund gäbe es gar kein Rennen. Es ist die Tour de Logistik.

© Anthospace, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:Dernier_km.jpg

Drei Tage noch dauert diese Austragung, die 105. Tour de France. 176 Fahrer von 22 Teams auf einer Streckenlänge von insgesamt 3.351 Kilometern mit 21 Etappen. Von A nach B kommt hier nichts, würde nichts funktionieren, ohne den maximalen Logistikaufwand. Es geht über Flächen, Hügel und Gebirge; durch die Alpen, Pyrenäen und das Zentralmassiv. Und auch die zwei Ruhetage wollen gemanagt sein.

© Adolfobrigido - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:Cicloturismo-Col_del_Tourmalet-Francia-2014-06.JPG

Wo die Tour de France Halt macht, müssen etwa 4.500 Menschen auf einmal untergebracht werden – das sind Fahrer, die teilweise auch medizinische Zuwendung benötigen, Betreuer, Organisatoren, Medien, Sponsoren, Dienstleister, Sicherheitspersonal. Nicht alle der 635 Städte, die auf der Grande Boucle, wie das Rennen auch auf Französisch genannt wird („Große Schleife“) angesteuert werden, sind so groß wie der größte Etappenort, Paris. Der kleinste Ort zählt bloß 705 Einwohner - Montvalezan in den Alpen. So werden im Laufe der drei Wochen insgesamt über 500 Hotels gebucht. Zu den nächsten Startorten werden Fahrer und Betreuer am 15. und 28. Juli in sechs Flugzeugen gebracht.

© Denkfabrikant, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:Flamme-Rouge-TdF2004.jpg

Wenn das Spektakel in 190 Länder live übertragen wird, lässt das schon vermuten, wie groß der Medienauflauf vor Ort ist. Tatsächlich sind jährlich etwa 2000 Journalisten aus aller Welt mit dabei und machen damit die größte Gruppe neben den Fahrern und ihren Teams aus. Auch sie brauchen Platz – nicht nur bei der Unterbringung über Nacht, sondern auch an der Strecke. Im Zielbereich werden daher 5.000 Quadratmeter allein für die Übertragung reserviert. Das Equipment füllt 120 Lkw – und das wird an jedem Renntag neu auf- und abgebaut. 60 Kilometer lang sind allein die Kabel, die täglich aus- und wieder eingerollt werden.  

© Grayskullduggery, of Flickr, CC BY-SA 2.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:Tour_de_France_2007_-_Col_de_la_Colombiere2.jpg

Wer hätte gedacht, dass insgesamt mehr Autos denn Räder auf der Strecke unterwegs sind? – Denn noch mehr als die Medienausrüstung macht die Werbung mit ihren etwa 170 Fahrzeugen aus. Die 600 Werbemitarbeiter machen selbst elf Kilometer aus und müssen der Radkarawane immer zwei Stunden voraus sein um an die wartenden Fans 16 bis 18 Millionen Werbegeschenke zu verteilen. Die Zuschauermenge wird währenddessen auf 12 Millionen geschätzt, es ist also für jeden etwas von den Kuchenstücken, Wasserflaschen, Kappen und Würstchen dabei – 40 Prozent der am Streckenrand Wartenden sind übrigens weiblich.

© Danny Lechanteur, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:54_De_la_Fuente.jpg

Bei so vielen Menschen an einem Ort kann natürlich auch einiges passiere. Deshalb sind 29.000 Polizisten und Gendarmen für die drei Wochen extra im Tour de France-Einsatz. 4.000 Meter Absperrgitter werden bei jeder Etappe aufgestellt.

© Grayskullduggery, of Flickr, CC BY-SA 2.0, https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France#/media/File:Tour_de_France_2007_-_Col_de_la_Colombiere.jpg

Sollte der Notfall eher medizinischer Natur sein – und damit ist im Sport zu rechnen –, sind zehn Ärzte verschiedener Fachrichtungen in sieben Ambulanzen und zwei Autos mit dabei, sowie ein eigener Röntgenwagen und sieben Krankenschwestern. Wohlweislich kein Sonntagsausflug, für medizinisches Personal gibt es auf der Tour de France mehr als genug zu tun, vor allem in der ersten Woche.