Bilanz

Hafen Wien steigert Umsatz und Gewinn

Umschlag, Lagerauslastung, technische Innovation, Thinkport Vienna - und gute Zahlen: Warum die Verantwortlichen des Hafen Wien zufrieden sind mit dem Geschäftsjahr 2017.

Zufriedener Blick zurück (v. li.): Fritz Lehr (Kaufmännischer GF Hafen Wien), Doris Rechberg-Missbichler (interim. GF Wien Holding), Doris Pulker-Rohrhofer (Technische GF Hafen Wien) und Peter Hanke (Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Wien).

2016 war bereits ein Rekordjahr. 2017 wurde nun noch besser. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Hafen Wien den Umsatz um 2,3 Prozent auf 58,1 Millionen Euro gesteigert, das Ergebnis vor Steuern um 16,5 Prozent auf 14,8 Millionen Euro. Die Investitionen sind von 7,9 auf 18,7 Millionen Euro gestiegen.

Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke verspricht, den Hafen Wien sowohl im Sinne einer trimodalen Logistikdrehscheibe als auch als Standort für Wiener Betriebe weiter auszubauen, „um seine Position als verlässlicher und schlagkräftiger Partner für die Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Wir investieren dazu allein im Jahr 2018 11,1 Millionen Euro.“

Gewichtiger Arbeitgeber

Neben den Unternehmen der Hafen-Wien-Gruppe haben auf dem über drei Millionen Quadratmeter großen Hafenareal mehr als 100 Unternehmen der Speditions- und Transportbranche sowie anderer Wirtschaftszweige ihren Firmensitz. Insgesamt bietet damit der Standort mehr als 5.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Vor diesem Hintergrund wurden im Jahr 2017 weitere Flächen für Betriebsansiedlungen entwickelt.

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So etwa ein sechs Hektar großes Grundstück in der 7. Haidequerstraße. Auf dem Areal, das HQ7 genannt wird und so groß ist wie acht Fußballplätze nebeneinander, befinden sich Büros, Werkstätten, Lagerhallen, Garagen und Parkplätze. Beim HQ7 handelt es sich um die größte Betriebsflächenerweiterung des Hafen Wien seit Gründung des Hafens in seiner heutigen Form im Jahr 1979.

Im Hafen Albern wurde ein neues Betonwerk (Easy Beton) errichtet. Und der Autohändler Wiesenthal hat seine Flächen vergrößert. Ebenso wurde im Hafen Freudenau Anfang 2017 das neu erbaute 3.500 Quadratmeter große Gebäude für Wiener Wohnen Haus- und Außenbetreuung in Betrieb genommen.

Umschlag gestiegen

Der wasserseitige Umschlag ist im Geschäftsjahr 2017 in den drei Häfen Freudenau, Albern und Lobau um 6,7 Prozent auf 1.050.000 Tonnen gestiegen. Die WienCont wickelte im Jahr 2017 rund 405.000 Containerumschläge ab. Das ist um 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist mit dem neuen ÖBB-Güterzentrum Wien Süd in Inzersdorf verbunden. Ursprünglich wollten Hafen Wien und ÖBB mit einer gemeinsamen Gesellschaft beide Terminals betreiben, um im globalen Logistikgeschäft als wichtiger Player auftreten zu können. Doch die Bundeswettbewerbsbehörde signalisierte, dass eine solche Lösung keine Zustimmung finden würde. Diese Rahmenbedingungen sind laut den Hafen-Wien Verantwortlichen „zwar nicht erfreulich, aber zu akzeptieren“.

Moderner Abfertigungsprozess für Lkw

Eine Reihe von Aktivitäten ging in diesem Jahr auch in Richtung Digitalisierung. Ende 2017 wurde etwa der Lkw-Abfertigungsprozess kräftig aufgerüstet. Damit wird der Abfertigungsprozess der Lkw beschleunigt und vereinfacht, ein Asset, das für die Branche besonders wichtig ist. Beim neu entwickelten und speziell auf das WienCont-Terminal zugeschnittenen Terminal Operating Managementsystem (TOM) werden mittels Systemschnittstellen (Betriebsleitumschlagssystem und Gate Operating System) die Nummern der Ladeeinheiten bzw. Kennzeichen der Lkw zunächst durch ein OCR-Fotogate (optical character recognition) bei der Einfahrt in den Terminal registriert und automatisch mit den schon hinterlegten Kundendaten abgeglichen.

Eine eigens entwickelte Applikation ermöglicht ein Avisieren von Lkw und Ladungen bereits im Vorfeld – direkt durch den Frächter oder den Operateur. Die Ladeeinheiten werden an einer von vier Check-IN Lanes überprüft, der Fahrer kann sich beim Self-Check-IN Kiosk anmelden und wird automatisch dem jeweiligen Lkw-Halteplatz zugewiesen. Der Self-Check-IN ist in neun verschiedenen Sprachen direkt durch die Fahrer bedienbar. Auch die neu eingeführten ILU-Codes können verarbeitet werden. In den zwei Ausfahrtsbereichen im Terminal 1, Terminal 2 und Terminal 3 werden die ausfahrenden Lkw durch neueste Line-Scan-Kameras hochauflösend digital abgelichtet und durch OCR mit den gespeicherten Systemdaten verglichen. Nur bei exakter Datenübereinstimmung ist ein Ausfahren möglich.

Lager gut ausgelastet

Noch nie gab es so viele Lager- und Stellflächen wie derzeit im Hafen Wien. Nach der Spitzenauslastung von 73 Prozent der Lager-Flächen im Jahr 2016 hat sich im Jahr 2017 die Lagerauslastung bei rund 67 Prozent eingependelt. Der Hafen konnte Zuwächse bei Containerstauungen sowie ein Umsatzwachstum bei bestehenden Kunden erreichen. Der Trend geht im Jahr 2018 nach oben, und die Lagerauslastung liegt in den ersten fünf Monaten 2018 bei 74 Prozent.

Rund 64.000 Fahrzeuge wurden im Autoterminal umgeschlagen. Zwar sind das weniger Fahrzeuge als im Vorjahr, jedoch ist die Verweildauer der Fahrzeuge im Hafen Wien um rund 20 Prozent gestiegen, sodass der Umsatz in diesem Bereich ein Plus von 8,45 Prozent verzeichnet. Die prozentuelle Flächenauslastung im Autoterminal ist von 77 Prozent im Jahr 2016 auf 84 Prozent im Jahr 2017 geklettert.

Innovationslabor Thinkport Vienna

Nicht zuletzt erfolgte im Jahr 2017 auch die Gründung des Thinkport Vienna – der gemeinsamen Initiative von Hafen Wien und Boku. Das Innovationslabor für urbane Logistik verfolgt seitdem das Ziel, güterlogistische Innovationen in Wien zu entwickeln, zu testen und umzusetzen. Doris Pulker-Rohrhofer, die technische Geschäftsführerin des Hafen Wien, sieht Hafen und Thinkport „als offene und breite Plattform, die für alle Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaft und Organisationen, die an Innovationen im Bereich nachhaltiger urbaner Logistik interessiert sind, offen ist. Dazu zählen neben der gesamten Verkehrs- und Logistikbranche auch alle Wirtschaftstreibenden, für die eine funktionierende Logistik eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist – vom Handelskonzern bis zum Handwerksbetrieb.“