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Österreichische Post bilanziert das erste Corona-Jahr

Die Covid-Krise hat 2020 auch das Geschäft der Österreichischen Post deutlich beeinflusst. Unter dem Strich stehen mehr Umsatz und ein geringeres Ergebnis.

KEP Österreichische Post Georg Pölzl Bilanz

Die Pandemie hat 2020 auch das Geschäft der Österreichischen Post geprägt.

Vor allem im zweiten Quartal 2020 hat die Pandemie die Österreichische Post voll erwischt. Das seit Jahren rückläufige Brief-Geschäft erlebte im Q2 einen Volumen-Einbruch von minus 13%, bei der Werbepost waren es sogar minus 25%. Die Volumina im Paket-Bereich schnellten hingegen um plus 42% in die Höhe (wobei in Q1 und Q2 auch die Übernahme der DHL-Volumina zu Buche schlug).

Und während das dritte Quartal wieder in Richtung Normalität ging, schlug der zweite Lockdown im Q4 wieder zu: plus 32 Prozent bei den Paket-Volumina. „Wir konnten die Mengen in dieser Zeit gerade noch bewältigen“, sagt Post-Generaldirektor Georg Pölzl, „und auch die Qualitätsstandards konnten wir im Großen und Ganzen aufrechterhalten. Sie alle haben in dieser Zeit wahrscheinlich in der Zustellung mehr Postler rennen gesehen als je zuvor.“

Mehr Umsatz dank Paketwachstums

Die Österreichische Post bilanziert für 2020 ein Umsatz-Plus um 8,3% auf knapp 2,2 Milliarden Euro, wobei Paket +44,4% beisteuerte, Brief & Werbepost -7,4%. Das Ebitda sank um rund 5% auf rund 303 Millionen Euro. Das Konzern-Ebit liegt nun bei 160,6 Millionen Euro, ein Minus um fast 20%.

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„An die Rekordergebnisse der Vorjahre konnten wir also nicht anschließen“, sagt Georg Pölzl, „aber wir liegen trotz Corona und hoher Investitionen fast im Plan.“ Zu den Investitionen zählten etwa die Eröffnung der Logistikzentren in der Steiermark und in Salzburg. Insgesamt hat die Post die Kapazitäten im Vorjahr um rund 30% erhöht. Bis 2022 werden weitere Investitionen in die Logistik-Infrastruktur in Tirol, Niederösterreich, Oberösterreich und Wien folgen.

Happy mit Aras Kargo

Das gute Paketgeschäft ist zu einem guten Teil auch auf die Aras Kargo zurückzuführen, den türkischen Dienstleister, an dem die Post nun nach langem Rechtsstreit 80% der Anteile hält. „Die Türkei,“ sagt Pölzl, „ist politisch ein schwieriger Markt, aber wirtschaftlich hoch interessant.“

Amazon macht es spannend

Im insgesamt deutlich wachsenden österreichischen Paketmarkt – plus 16,7% auf 287 Millionen Pakete – hält die Post im B2B-Bereich einen Marktanteil von rund 31% (hinter DPD), im -2C-Bereich von 71%. Dass mit dem größten Kunden der Post, Amazon, zunehmend auch ein Mitbewerber entsteht, wird die Entwicklung weiter spannend machen, erwartet auch Georg Pölzl.

Happy mit shöpping

Zufrieden zeigt sich Pölzl übrigens auch mit der Entwicklung von shöpping.at. Tatsächlich hat sich die viel gescholtene Plattform 2020 gut entwickelt. Die Paketmenge hat sich auf 435.000 vervierfacht, der Handelsumsatz auf 44 Millionen Euro verdreifacht.

„Auf Sicht werden wir mit shöpping auch Geld verdienen“, sagt der Post-Chef. „Das ist die einzige derartige Plattform in Österreich, und ich denke, es wird auch die einzige bleiben. Wir haben dafür viel Kritik bekommen, aber inzwischen bin ich mehr als froh, dass wir diesen Schritt getan haben.“

Ziel CO2-Freiheit auf der Letzten Meile

Zufrieden zeigt sich die Post auch, was ihre ökologischen Bemühungen betrifft. Bis 2030 will das Unternehmen ja zum Beispiel die Zustellung in Österreich gänzlich CO2-frei gestalten.

Dabei soll nicht nur der vermehrte Einsatz von Elektromobilität helfen – auch Wasserstoff gerät immer mehr in den Fokus, weshalb die Post etwa mit der OMV bei der Entwicklung von Produktion, Infrastruktur und Integration von grünem Wasserstoff kooperiert. 2023 soll der erste H-Lkw der Post unterwegs sein, bis 2030 sollen 2.000 weitere folgen.