Schiffstransport

Soll dieses Unternehmen wirklich den britischen Transport nach dem Brexit retten?

Da nach einem harten Brexit mit erheblichen Staus im Schiffstransport gerechnet wird, heuert das britische Verkehrsministerium zusätzliche Fährkapazitäten an. So eilig, dass sich auch merkwürdige Unternehmen ohne Erfahrung darunter finden – und ohne Schiffe.

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Im Hafen von Ramgate sind seit dem neuen Jahr die Bagger zugange. Sie machen die Zufahrt zum Hafen, der seit 2013 keine Fähren mehr gesehen hat, tiefer – denn hier, 20 Kilometer von Dover entfernt soll das Transportunternehmen Seaborne Freight mit RoRo-Fähren aushelfen, wenn es zu einem harten Brexit kommt. 

Dover und Calais sind derzeit noch die Hauptziele für Lieferungen aus der EU. Genau hier werden mit einem No-Deal-Brexit ab März große Rückstaus befürchtet. Das britische Verkehrsministerium stellt daher umgerechnet 114 Millionen Euro für zusätzliche Transportkapazitäten zur Verfügung. Die zwei größten Aufträge gehen an die französischen Britanny Ferries und an DFDS aus Dänemark. Während diese beiden Unternehmen als etabliert gelten, macht Seaborne Freight eher negative Schlagzeilen. Es habe keine relevante Erfahrung für solch eine große Aufgabe und laut den Times ist das Vorgängerunternehmen des Vorstandsvorsitzenden Ben Sharp 2014 pleite gegangen. Lustig macht man sich auch darüber, dass Seaborne Freight Geschäftsbedingungen auf seiner Website veröffentlichte, die sehr nach Essenslieferdienst klingen. Diese Informationen wurden mittlerweile wieder gelöscht.

https://youtu.be/2fl9nx5G0MA

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Ersteren Vorwurf weist derweil Verkehrsminister Chris Grayling zurück – es sei nichts verwerfliches daran, ein britisches Start-up zu unterstützen. Anscheinend musste es mit dem Näherrücken des Brexits einfach schnell gehen – so schnell, dass ein Jungunternehmen angeheuert wurde, das derzeit noch nicht einmal Schiffe hat.

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