Event-Nachschau : ILS diskutiert innovative Logistik und nachhaltige Mobilität im Alpenraum

ILS Event Alpine Leadership 2025
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Gemeinsam mit der GSV – Plattform für Mobilität brachte ILS rund 20 Führungspersönlichkeiten aus Logistik, Mobilität und Wirtschaft zusammen, um Lösungsansätze für eine ökologische und effiziente Verkehrswende im alpinen Raum zu diskutieren. „Diese Region ist nicht nur für ihre Natur bekannt, sondern stellt auch enorme Herausforderungen an nachhaltige Logistik“, betonten Birgit Edlinger, ILS-Managing-Partner Strategy, und Projektleiter Kajetan Bergles. „Hierfür möchten wir gemeinsam Lösungsmodelle hinterfragen und weiterentwickeln.“

Mario Rohracher, Generalsekretär der GSV, sieht dabei eine klare Richtung: „Ein leistungsfähiges Straßennetz mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist die Lebensader für Wirtschaft, Tourismus und Logistik. Die Mobilitäts- und Logistikwende braucht eine technologieoffene Herangehensweise, die auf Innovationen und Anreize statt Verbote setzt.“

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Nachhaltigkeit konkret: Post, Brauerei, Tourismus

Praxisbeispiele aus Unternehmen unterstrichen die Anforderungen und Chancen nachhaltiger Transformation. Wolfgang Pfarl, Leiter für strategische Netzwerkplanung bei der Österreichischen Post, betonte: „Nachhaltigkeit ist seit über zehn Jahren ein zentraler Geschäftsbereich. Rund 50 Prozent unserer Fahrzeuge sind heute elektrisch. Auf der letzten Meile setzen wir ausschließlich auf E-Autos.“

Auch im Tourismus werde nachhaltige Mobilität zunehmend mitgedacht, sagte Marco Pointner, Geschäftsführer der Saalfelden Leogang Touristik GmbH: „Alpine Destinationen müssen ganzjährig gedacht werden. Wer das Saisondenken überwindet, schafft neue Perspektiven für Mitarbeitende und Gemeinden – davon profitiert die gesamte Wertschöpfungskette.“

Victoria Seidl von der Stieglbrauerei verwies auf die Rolle von Flexibilität in der nachhaltigen Logistik: „Wer sich zu sehr auf eine einzige Lösung konzentriert, könnte bessere Alternativen übersehen. Wir setzen als erste Brauerei E-LKWs ein und suchen ständig nach neuen Möglichkeiten.“

Zwischen Automatisierung und gesellschaftlicher Verantwortung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf technologischen Entwicklungen. Till Vogels, Geschäftsführer von Syskomp Gehmeyr, erklärte: „In der Logistik gibt es zwei Extreme: Vollautomatisierung und manuelle Lösungen. Die Zukunft ist hybrid. Unternehmen müssen ihren Automatisierungsgrad selbst definieren – abhängig von Rahmenbedingungen, Produktpalette und Organisation.“

Gleichzeitig wurde betont, dass nachhaltige Logistik nicht allein eine technische Frage sei. Stefan Müllner, Geschäftsentwicklung Data Analytics bei Drei, sieht hier gesellschaftliche Verantwortung: „Stakeholdermanagement ist entscheidend – wie kann man Anwohner und Touristen gleichermaßen zufriedenstellen? Datengetriebene Lösungen helfen dabei, eine Balance zwischen Individual- und öffentlichem Verkehr zu finden.“

Sebastian Jagsch von AVL List ergänzte: „Echte Nachhaltigkeit kombiniert grünes Denken mit wirtschaftlichem Handeln. Unternehmen müssen über den Tellerrand schauen und Lösungen finden, die den Energieverbrauch senken und CO2-Emissionen reduzieren.“

Vielfältige Perspektiven aus der Branche

Weitere Stimmen aus der Branche unterstrichen die Vielschichtigkeit der Herausforderungen. Peter Stelzer (IVII GmbH) betonte die Notwendigkeit gesellschaftlicher Einbindung: „Bewusstseinsschaffung entsteht, wenn die Gesellschaft in Entscheidungen rund um Logistiklösungen eingebunden wird.“ Gudrun Werdefroy von Knapp sieht Potenzial in der besseren Vermittlung nachhaltiger Logistik: „Wenn die Vorteile klarer kommuniziert werden, können mehr Menschen an der Entscheidungsfindung teilhaben.“

Michal Lagan (BE Mobilität GmbH) verwies auf notwendige Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der Elektrifizierung: „Es braucht ein Gleichgewicht zwischen Markt und Infrastruktur, um die E-Mobilität in der Logistik wirklich voranzubringen.“

Auch Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle, wie Michael Berger (Magenta Telekom) erklärte: „Mit digitalen Programmen und KI lassen sich Ressourcen schonen und Abläufe effizienter gestalten – das nützt Mitarbeitenden ebenso wie Kund:innen.“

Für Bernd Kögler (Pankl Racing Systems) ist Aus- und Weiterbildung der Schlüssel zur Zukunft: „Lebenslanges Lernen gehört in die Kultur von uns allen verankert.“ Florian Treichl (WINNER Spedition) betonte: „E-Mobilität ist kostenintensiv, der Spagat zwischen Kosten und Nachhaltigkeit ist herausfordernd. Strategisches, langfristiges Denken ist dabei entscheidend.“

Ausblick auf #ILS2025

Der Alpine Leadership Retreat bildete den Auftakt zu einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe. Das zweite Micro-Event folgt am 3. Juni im Rahmen der Messe „transport logistic“ in München. Das Hauptevent, der Internationale Logistik Sommer #ILS2025, findet vom 16. bis 18. September in Leoben statt. Den Jahresabschluss bildet das dritte Micro-Event am 11. November unter dem Motto „Deep Talk“ im Grazer Schlossbergstollen.

Ziel der ILS bleibt es, einen interdisziplinären Dialog über nachhaltige, digitale und gesellschaftlich relevante Logistiklösungen zu fördern.