Handel : US-Strafzölle auf chinesische Schiffe könnten Europas Logistik hart treffen

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© chakarin - stock.adobe.com

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafgebühren für in China gebaute Handelsschiffe würden nach Einschätzung des deutschen Versicherungskonzerns Allianz Folgeschäden für die europäische Wirtschaft mit sich bringen. Unmittelbar getroffen würden demnach europäische Reedereien, die ebenfalls viele ihrer Handelsschiffe aus der Volksrepublik beziehen.

„Europa ist beim Bau von Handelsschiffen praktisch bedeutungslos“, sagt Anastasios Leonburg, Risikoingenieur beim Versicherungskonzern Allianz Commercial. "Die Chinesen bauen tausende Schiffe und wir vielleicht im Jahr zehn", sagte der frühere Seekapitän. Die zunehmende Dominanz chinesischer Werften in der globalen Schiffbauindustrie habe auch dazu geführt, dass europäische Reedereien kaum Alternativen haben. „Die großen Reedereien bestellen ihre Schiffe deshalb in China“, so Leonburg. Die Qualität sei inzwischen hoch – das Know-how in Europa dagegen auf dem Rückzug.

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Bis zu 1,5 Millionen Dollar pro Hafenanlauf

Die Trump-Regierung will den Schiffbau in den USA wiederbeleben und droht den Schifffahrtsgesellschaften weltweit daher immens verteuerte Hafengebühren an. In China gebaute Schiffe aller Nationen sollen demnach beim Anlaufen eines US-Hafens bis zu 1,5 Millionen Dollar zahlen. Anders als die von Trump angedrohten Zölle auf Autos hat diese Ankündigung in Europa kein allzu großes Aufsehen erregt, weil sie sich nicht direkt gegen die EU richtet.

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Trotz internationaler Herausforderungen bleibt der Außenhandel ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Österreich. Im Jahr 2024 verzeichnete das Land jedoch rückläufige Zahlen. Deutschland bleibt klarer Spitzenreiter, die USA ist zweitwichtigster Handelspartner.

"Die Gebühren für chinesische und in China gebaute Schiffe würde den Hafenanlauf generell teurer machen", sagte Leonburg, und warnt: „Die Reeder werden das nicht aus eigener Tasche bezahlen. Sie müssen die Kosten umlegen.“ Reedereien würden sich zudem dreimal überlegen, ob sie US-Häfen anlaufen. "Die Verbraucher in den USA werden das dann schnell zu spüren bekommen."

Das könne nicht nur Frachtpreise hochtreiben, sondern auch die Routenplanung verändern. Wer US-Häfen künftig meide, belaste damit die gesamte Lieferkette.

Geringe Schiffbau-Kapazitäten in Europa

Doch auch europäische und deutsche Reedereien können demnach auf chinesische Schiffe nicht verzichten. "Es gibt gar nicht so viele Werften, wo man sein Schiff bauen lassen könnte", sagte Leonburg. Diese Werften existierten hingegen in China, und sie seien mittlerweile besser als vor zehn oder 20 Jahren. Die chinesischen Schiffbauer hätten sich Know-how angeeignet, das in Deutschland langsam verloren gehe. 

"Die großen Reedereien bestellen ihre Schiffe deshalb in China." Die Pekinger Führung hat den Schiffbau in den vergangenen 20 Jahren forciert, sodass heute die Mehrheit der auf den Weltmeeren fahrenden Container- und sonstigen Frachtschiffe chinesischen Ursprungs ist. "Die Zölle und die erhöhten Hafengebühren treffen letztendlich jeden, auch die amerikanischen Verbraucher und die Logistikunternehmen", sagte Leonburg.

Hamburger Hafenbetreiber HHLA fordert Dialog

Auch Angela Titzrath, Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenlogistikers HHLA, fordert angesichts der drohenden Zölle Gespräche mit Washington: „Zölle sind wirklich Gift für die Wirtschaft“, sagte sie bei der Bilanzpressekonferenz. Trumps Vorgehen als „Dealmaker“ sei als Einladung zum Dialog zu verstehen, auch wenn sie mit lautem Poltern daherkomme.

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Titzrath warnte zudem vor strukturellen Schwächen in der heimischen Hafeninfrastruktur: „Wir fahren seit langem auf Verschleiß.“ Damit rückt neben der außenpolitischen Zollfrage auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Häfen in den Fokus. Für militärische und logistische Ernstfälle müsse man gerüstet sein.