Außenhandel : Trumps Zollpläne sorgen für Chaos im Warentransport

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- © BashirIrshad - stock.adobe.comDie von US-Präsident Donald Trump angedrohten neuen Zollmaßnahmen versetzen die Frachtbranche in Aufruhr. Nach der Einführung höherer Importzölle auf Waren aus Mexiko, Kanada und China sowie auf Stahl und Automobile, plante Trump einen umfassenderen Schritt. In den letzten Monaten erreichten die US-Containerimporte per Schiff bereits Rekordwerte, während zunehmend Produkte wie Medikamente oder Autoteile per Flugzeug transportiert wurden.
Das lässt die Frachtraten ansteigen – so verteuerte sich der Transport eines 40-Fuß-Schiffscontainers aus Fernost an die US-Westküste innerhalb eines Tages um 16 Prozent auf 2.844 Dollar (2.636 Euro). „Die gestaffelte Einführung von Zöllen hat zu zunehmender Verwirrung geführt“, sagte Blake Harden, Experte für internationalen Handel beim US-Einzelhandelsverband RILA. Unternehmen hätten weder ausreichend Zeit noch die nötige Klarheit, um die Änderungen umzusetzen.
Planungssicherheit fehlt
Zölle werden unter Trump so kurzfristig eingeführt, wie sie auch wieder aufgehoben werden können – insbesondere, wenn betroffene Staaten den USA entgegenkommen. Importierende Firmen können ihre Kosten nicht kalkulieren, wenn sich die Zollregelungen wöchentlich ändern, sagte Kit Johnson von der US-Zollagentur John S. James, die Unternehmen aus Branchen wie der Auto-, Chemie-, Pharma- und Textilindustrie bei Zollfragen unterstützt. „Wir wissen im Grunde erst, was auf uns zukommt, wenn wir die entsprechende Durchführungsverordnung sehen. Und dann herrscht hektische Betriebsamkeit, um herauszufinden, was nun konkret zu tun ist.“
US-Containerfrachtimport dürfte heuer sinken
Ein weiterer Plan Trumps könnte zudem hohe Hafengebühren für Schiffe mit Verbindungen nach China mit sich bringen. Experten warnen, dass dies gerade die amerikanische Landwirtschaft und Energieexporteure treffen könnte – also jene Branchen, die Trump eigentlich fördern möchte. Wie während der Corona-Pandemie könnten einige Häfen überfüllt und andere kaum ausgelastet sein, weil hohe Gebühren vermieden werden sollen. Die daraus resultierenden Szenarien lassen viele Unternehmensverantwortliche ratlos zurück. „Man kann keine grundlegenden Entscheidungen zur Lieferkette treffen, wenn sich die Spielregeln ständig ändern“, sagte Peter Sand, Chefanalyst beim auf Fracht spezialisierten Beratungsunternehmen Xeneta.
Fachleute beginnen bereits, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Trumps Zöllen zu beziffern. Laut S&P Global Market Intelligence wird das Volumen der US-Containerfrachtimporte in diesem Jahr voraussichtlich um 0,7 Prozent sinken. „Das kräftige Wachstum im ersten Quartal dürfte sich im zweiten Quartal ins Gegenteil verkehren, sobald die Zölle Wirkung zeigen“, erklärte S&P.
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Zollbehörde kommt nicht hinterher
Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde arbeitet unter Hochdruck daran, ihre Systeme neu zu programmieren und zu testen, um die Erhebung und Berechnung der Zölle zu ermöglichen. Die Trump-Regierung hatte im Februar einen Plan zur Einführung von Zöllen auf Direktverkäufe niedrigpreisiger Waren von Händlern wie Temu und Shein verschoben, nachdem sich Pakete am New Yorker John F. Kennedy International Airport gestapelt hatten. Der Zoll habe schlicht nicht genügend Zeit gehabt, um die notwendige Software umzuprogrammieren und ausreichend zu testen, sagte Zollmakler Johnson. „Je mehr Zölle eingeführt werden, desto schwieriger wird es für alle Beteiligten, Schritt zu halten.“
Ein Überblick über die US-Zölle
Ganz aktuell verhängte US-Präsident Trump Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Importe aus der EU.
Für China liege die Zollquote demnach bei 34 Prozent. Als Mindestzoll nannte Trump zehn Prozent. Betroffene Staaten wie Kanada und auch die Europäische Union haben Gegenzölle in Aussicht gestellt. Ein Handelskrieg mit der Europäische Union scheint nun unausweichlich - die neuen Strafabgaben dürften die Weltwirtschaft ins Wanken bringen.
Am 4. Februar traten US-Zölle von zehn Prozent auf Importe aus China in Kraft, die am 4. März auf 20 Prozent erhöht wurden. Als Reaktion hat Peking Gegenmaßnahmen ergriffen und Zölle zwischen zehn und 15 Prozent auf US-Agrar- und Energieprodukte verhängt.
Auf Stahl- und Aluminiumimporte gelten seit Mitte März US-Zölle in Höhe von 25 Prozent. Die wichtigsten Lieferländer sind Kanada, Brasilien und die EU. Kanada antwortete mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von rund 21 Milliarden Dollar. Auch die EU kündigte Vergeltungsmaßnahmen an, etwa auf Produkte wie Jeans, Whiskey und Motorräder. Die Umsetzung wurde auf Mitte April verschoben, um Verhandlungen Raum zu geben. Gleichzeitig drohte Trump mit Zöllen von bis zu 200 Prozent auf europäische alkoholische Getränke wie Wein und Champagner – eine Maßnahme, die Europa hart treffen könnte: 2023 exportierte die EU Wein und Schaumwein im Wert von fast 5,2 Milliarden Euro in die USA.
Zölle auf Autoimporte – einschließlich leichter Nutzfahrzeuge – traten am 3. April in Kraft. Auch Autoteile sollen bald erfasst werden. Für Importe aus Kanada und Mexiko gelten gemäß USMCA-Abkommen differenzierte Sätze, abhängig vom US-Anteil der Produktion.
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Gegenüber Mexiko und Kanada wurden bereits Anfang Februar Strafzölle von 25 Prozent angekündigt, deren Inkrafttreten Trump zunächst verschob. Seit 4. März gelten diese, wurden jedoch drei Tage später für viele Produkte wieder ausgesetzt. Kanada verschob daraufhin eine neue Runde von Gegenzöllen auf US-Waren im Umfang von 87 Milliarden Dollar.
Trump kündigte außerdem Strafzölle auf Öl- und Gasimporte aus Venezuela an, die Länder wie China und Indien besonders betreffen dürften. Zudem drohte er Käufern russischen Erdöls Zölle an, falls es keine Fortschritte im Ukrainekonflikt gibt.